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Papablog: Virtueller ArztbesuchMein absoluter Lieblingsdoktor

Chatten und telefonieren statt im Wartezimmer sitzen: Wie Telemedizin das Leben vieler Familien erleichtert.

Erstaunlich unkompliziert: Bei Ausschlägen und Co. kann die Telemedizin-Ärztin Empfehlungen per Telefon geben.
Erstaunlich unkompliziert: Bei Ausschlägen und Co. kann die Telemedizin-Ärztin Empfehlungen per Telefon geben.
Foto: Getty Images

Als der Brecht eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Clown verwandelt. Dachten wir zuerst. Aber nein, es war nur ein Ausschlag am Mund. Das Wetter, so unsere Vermutung. Schliesslich schubste ich den Brecht in der ersten Schulwoche nach den Herbstferien wieder jeden Morgen in die Herbstkälte. Die Haut der Tschannens neigt zur Trockenheit wie die Sommer des 21. Jahrhunderts.

Aber die üblichen Babyöle und Fettcremes bis hin zum Melkfett, zu dem man hier auf dem Land gerne greift – sie machten alles nur noch schlimmer. Der Brecht wurde vom adrett geschminkten Zirkusclown zur Heath-Ledger-Version des Jokers. Eine medizinische Fachperson musste her. Doch während Melkfett auf dem Land immer griffbereit ist, gilt für Kinderärzt*innen das Gegenteil. Nebst dreizehn Nutztierpraxen pro Weiler steht hier alle vier Dörfer eine humanmedizinische Praxis, die auf das Einstellen von Blutverdünnern spezialisiert ist.

Wollen wir unsere Kinderärztin konsultieren, müssen wir früh am Morgen das Pferd satteln und in die Stadt reiten. Viele Menschen auf dem Land schreckt das schon deshalb ab, weil sie Angst haben, sich in der Stadt mit Sozialdemokratie anzustecken. Uns scheut eher der Aufwand – und das Pferd im Stadtverkehr. Mit der zusätzlichen logistischen Herausforderung namens Beebers wird so ein Kinderarztbesuch rasch einmal zum Ganztagesprogramm. Und das für ein gerötetes Mäulchen. Es ist ja nicht so, dass die Schwindsucht mein Erstgeborenes dahinzuraffen droht.

Dr. Stückelberger macht jetzt wieder Hausbesuche

Aber es gibt eine Lösung, die als Errungenschaft des Schweizer Gesundheitssystems ordentlich gelobt und gepriesen gehört: die Telemedizin. Wir Eltern nutzen sie auch, aber erst mit Kindern glänzt sie so richtig aus der Hörmuschel des Fernsprechers. Sobald sich am Kinde etwas verfärbt, etwas dreidimensional wird oder ein Körperteil ungewohnt scheppert, fahren wir die App hoch, beschreiben das Problem und hängen ein Foto daran. Das erklärt übrigens, weshalb mein Handyspeicher zu 90 Prozent aus Ausschlag besteht.

Wenig später ruft eine Ärztin an. Im vorher gewählten Zeitfenster, damit das Telefon nicht während dem Melken klingelt. Ich schildere das Problem und höre mir die Empfehlung zum weiteren Vorgehen an. Im Idealfall kann ich nach dem virtuellen Hausbesuch zur Dorfapotheke schlendern, wo das Rezept für die antibiotische Wundsalbe gerade handwarm aus dem Fax fällt.

Und günstig ist der Spass auch noch

Das alles hat uns schon viel Zeit und Aufwand eingespart. Ehrlich gesagt kann ich mir kaum vorstellen, wie man mehr als drei Kinder ohne Telemedizin grossziehen kann. Es sei denn, man zügelt neben eine Arztpraxis. Oder studiert gleich selber Medizin, aber das sei ja angeblich auch ganz schön aufwändig.

Als der für medizinische Fragen und Finanzen zuständige Elternteil kann ich telefonische Konsultationen noch aus einem anderen Grund empfehlen: Nebst der tieferen Prämie eines Telmed-Grundversicherungsmodells bezahlt man für telemedizinische Konsultationen normalerweise keinen Selbstbehalt. Vom gesparten Geld leiste ich mir das bessere Melkfett und vielleicht irgendwann ein schnelleres Pferd mit Sportsattel und Leichtmetallhufeisen.

Das ist hier übrigens keine bezahlte Werbung, ich bin kein räudiger Krankenkassen-Influencer. Für eine Anfrage als Melkfett-Model, darf sich die Landi allerdings gerne bei meiner Agentin melden.

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4 Kommentare
    Tamar von Siebenthal

    Made my Day. Danke Herr Tschannen