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Pandemie und ForschungJeder fünfte Schweizer glaubt, Behörden übertreiben bei Corona-Toten

Die Corona-Pandemie hat sich positiv auf die Haltung der Menschen gegenüber der Forschung und dem Gesundheitspersonal ausgewirkt. Doch auch extreme Ansichten sind vertreten.

Am meisten vertraut die Bevölkerung den Ärztinnen und Ärzten sowie dem Gesundheitspersonal: Szene aus einer Intensivstation im Bruderholzspital in Binningen BL.
Am meisten vertraut die Bevölkerung den Ärztinnen und Ärzten sowie dem Gesundheitspersonal: Szene aus einer Intensivstation im Bruderholzspital in Binningen BL.
Foto: Peter Klaunzer  (Keystone)

Das Vertrauen der Schweizer Bevölkerung in Wissenschaft und Forschung ist während der Corona-Pandemie gestiegen, wie die «Covid-19 Edition» des Wissenschaftsbarometers Schweiz zeigt. Allerdings gibt es auch kritische Stimmen.

Die im November durchgeführte repräsentative Online-Umfrage ergab, dass das Vertrauen in die Wissenschaft bei 67 Prozent «hoch» oder «sehr hoch» ist. 2019 und 2016 waren es 56 und 57 Prozent, wie die Universität Zürich am Mittwoch mitteilte.

Am meisten Vertrauen schenken die Befragten in Bezug auf die Corona-Pandemie den Ärztinnen und Ärzte sowie dem Gesundheitspersonal. Auf einer Skala von 1 bis 5 erreichten diese Berufsleute einen Wert von 4.1. Die zweitbeste Note erhielten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (3.9). Damit liegen diese Gruppen klar vor den kantonalen Behörden und Bundesämtern (3.3), Politikerinnen und Politikern (2.7) und Journalistinnen und Journalisten (2.6).

Zwar empfanden die Befragten die Medienberichterstattung als informativ, ausführlich und verständlich. 43 Prozent, gaben aber auch an, dass diese nervig und übertrieben war.

Widersprechen führt zu Unsicherheiten

72 Prozent der Befragten wünschen sich, dass politische Entscheidungen im Umgang mit der Pandemie auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen. 63 Prozent finden demnach, dass sich Forschende aktiv in politische Debatten einbringen.

«Sie sollten dies jedoch mit geeinter Stimme tun: Obwohl die Mehrheit der Bevölkerung wissenschaftliche Kontroversen durchaus für produktiv hält, geben gleichzeitig 65 Prozent an, sie seien verunsichert, wenn Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sich öffentlich widersprechen», sagte der Kommunikationswissenschaftler und Soziologe Mike Schäfer von der Uni Zürich.

Extreme Ansichten vertreten

Allerdings zeigten die Ergebnisse des Wissenschaftsbarometers auch, dass fast ein Drittel der Befragten findet, dass die Corona-Pandemie zu einer grösseren Sache gemacht wird, als sie eigentlich ist. Ein Fünftel glaubt, dass die Zahl der Menschen, die an Corona sterben, von den Behörden absichtlich übertrieben werde.

Über 6000 Personen sind in der Schweiz gemäss den Angaben aus den Kantonen bis heute nachweislich an Corona gestorben:  Kerzen für die Covid-Toten auf dem Bundesplatz und Bundeshaus am 6. Dezember 2020.
Über 6000 Personen sind in der Schweiz gemäss den Angaben aus den Kantonen bis heute nachweislich an Corona gestorben: Kerzen für die Covid-Toten auf dem Bundesplatz und Bundeshaus am 6. Dezember 2020.
Foto: Anthony Anex (Keystone)

Lesen Sie dazu auch: Die vielen Corona-Toten in der zweiten Welle? Nur eine Zahl

Auch extreme Ansichten sind vertreten: 16 Prozent glauben, dass mächtige Leute die Corona-Pandemie geplant hätten. 9 Prozent bezweifeln, dass es Beweise für die Existenz des neuartigen Coronavirus gebe.

«Auch wenn die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung nicht an Verschwörungstheorien in Zusammenhang mit der Corona-Pandemie glaubt, gibt es durchaus eine kleine Gruppe von Personen, die die wissenschaftlichen Informationen zu Corona anzweifeln», sagte Julia Metag von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Forschende müssten dies bei ihrer Kommunikation über die Pandemie berücksichtigen.

SDA

190 Kommentare
    Karl-Heinz Failenschmid

    Im Netz sind Statistiken von namhaften Organisationen wie das deutsche RKI oder Euromomo frei zugänglich. Legt man diese Statistiken übereinender, könnte man schon ausgeprägte Zweifel an der Seriösität der uns dargebotenen Zahlen bekommen.