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Covid-19 trifft männliche Patienten härterMehr Männer sterben am Coronavirus

Neue Zahlen zeigen, dass Frauen deutlich seltener an Infektionen mit dem neuen Virus sterben. Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Schwer an Covid-19 erkrankt: Ein Patient auf einer Intensivstation in Italien.
Schwer an Covid-19 erkrankt: Ein Patient auf einer Intensivstation in Italien.
Getty Images

Vermutet haben es Forscher schon länger, nun zeigen neue Zahlen ein deutliches Bild: Es sterben mehr Männer als Frauen an einer Infektion mit dem neuen Coronavirus. Die Unterschiede sind in den Ländern, die die Zahlen nach Geschlechtern aufschlüsseln, recht deutlich. Englische Forscherinnen der Initiative Global Health 50/50 haben am Mittwoch eine Auswertung zu diesem Thema veröffentlicht. Elf Länder erfassten die Todeszahlen bisher nach Geschlechtern aufgeschlüsselt. Die Schweiz gehörte noch nicht dazu. Laut Aussagen des Bundesamts für Gesundheit soll sich das aber schon bald ändern.

In Italien beispielsweise sind 71 Prozent der Verstorbenen männlich, in China 64 Prozent, in Spanien 65 Prozent oder in Deutschland 63 Prozent. Dabei stecken sich Frauen nicht viel seltener als Männer an. In Italien machen Frauen 42 Prozent der Kranken aus, in China 49 und in Deutschland 45 Prozent. In Südkorea sind sogar 61 Prozent der Erkrankten weiblich, trotzdem machen die Frauen auch dort nur die Hälfte der Todesopfer aus. In der Schweiz war das Verhältnis der Geschlechter bei den Ansteckungen bisher praktisch ausgeglichen.

Wie bei vielen Fragen zur Pandemie gibt es noch keine definitiven Antworten. Trotzdem haben die Wissenschaftlerinnen schon einige Vermutungen, warum Männer häufiger sterben. Entscheidend sind einerseits der Lebensstil und damit verbundene Risikofaktoren, aber auch biologische Unterschiede sind wichtig.

Frauen haben ein stärkeres Immunsystem als Männer. Warum das so ist, weiss man noch nicht im Detail. Dass Frauen die Belastungen von Schwangerschaft und Geburt durchstehen müssen, ist aber einer der vermuteten Gründe. Das stärkere Immunsystem hat nicht nur Vorteile, vor allem dann nicht, wenn es sich gegen den eigenen Körper richtet. Frauen erkranken häufiger als Männer an Autoimmunkrankheiten wie multiple Sklerose oder Lupus. Aber sie sind dafür besser geschützt vor Infektionen.

Auch der Lebensstil hat einen Einfluss

«Die biologischen Voraussetzungen sind aber nur ein Faktor für die höhere Mortalität bei den Männern», schreiben die Forscherinnen. Verschiedene Vorerkrankungen machen anfälliger für einen schweren Covid-19-Verlauf, wie Auswertungen aus China beweisen. Zu den Risikofaktoren für einen schweren Verlauf gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, chronische Lungenkrankheiten oder hoher Blutdruck.

«Je nach Land haben Männer ein bis zu 90 Prozent höheres Risiko, an Covid-19 zu sterben», sagte die Projektleiterin Sarah Hawkes dem Fernsehsender CNN. Männer haben einen riskanteren Lebensstil, trinken mehr Alkohol und greifen häufiger zu anderen Suchtmitteln. Noch immer rauchen weltweit deutlich mehr Männer als Frauen. Gerade in China ist der Unterschied gross: Bei den Männern greifen laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund 40 Prozent der Männer regelmässig zur Zigarette, während die Zahlen bei den Frauen noch im einstelligen Bereich liegen.

Deshalb leiden Männer auch öfter an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Auch in der Schweiz sterben auf 100’000 Einwohner 143 Männer an Herzkrankheiten, bei den Frauen sind es 96. Eine Lungenentzündung ist für ein angeschlagenes Herz eine zusätzliche Belastung. Es muss über mehrere Tage viel mehr Arbeit leisten und ist diesen zusätzlichen Belastungen nicht immer gewachsen.

Die Erkenntnis, dass das Geschlecht in der Medizin eine wichtige Kategorie ist, hat sich in den letzten Jahren zaghaft durchzusetzen begonnen. Auch im deutschsprachigen Raum gibt es inzwischen einige Expertinnen für Gendermedizin. Dass sich Frauen und Männer körperlich unterscheiden, bestreitet niemand. Dass diese Unterschiede aber auch bei der Wirkung von Medikamenten eine Rolle spielen oder dass sich Krankheitsbilder bei Mann und Frau unterschiedlich zeigen können, dieses Bewusstsein sickert erst langsam durch.

Ganz überraschend ist der Trend bei Covid-19 nicht. Bereits frühere Studien zu den Infektionskrankheiten Sars und Mers, beide auch von Coronaviren verursacht, zeigten das Gleiche: Schon bei diesen Epidemien gab es unter Männern mehr Todesopfer.

25 Kommentare
    Albert Kurz

    Wer denkt und schreibt schon noch in „nur männlich“ und „nur weiblich“? Sie etwa? Ja ich habe die Kommentarregeln gelesen!