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Tipps für Windows und MacMehr Gemütlichkeit und Schabernack für unsere Desktops

Betriebssysteme sind auf Effizienz und Funktionalität getrimmt. Dabei kommen Spass und die individuelle Note zu kurz, bedauert unser Autor.

Computer sind auf Produktivität getrimmte Arbeitsumgebungen – das wäre das passende Hintergrundbild.
Computer sind auf Produktivität getrimmte Arbeitsumgebungen – das wäre das passende Hintergrundbild.
Foto: Jordan Whitfield (Unsplash)

Eine ehemalige Schreibtischnachbarin hat ein unverhandelbares Büroritual: Auf ihr Pult gehört ein Strauss mit frischen Blumen. Bevor der nicht in seiner Vase steht, wird der Computer nicht eingeschaltet.

Das hat mich – noch in Vor-Homeoffice-Zeiten – immer tief beeindruckt: Meine individuelle Note ist ein reines Zufallsprodukt, das sich aus einer willkürlichen Anordnung von USB-Kabeln, Testgeräten, Fachzeitschriften und Gadget-Krimskrams ergibt. Doch sie setzt ein persönliches Zeichen, das umso sichtbarer aus dieser uniformen Arbeitsumgebung aus den gleichen Telefonen, Bürostühlen und PC herausragt.

Meine Bürokollegin hat mich zur Erkenntnis gebracht, dass die Hersteller von Betriebssystemen diesem Punkt viel zu wenig Beachtung schenken: Es gibt zwar sowohl bei Windows und Mac als auch am iPhone und bei Android-Telefonen die Möglichkeit der sogenannten Personalisierung. Das sind persönliche Änderungsmöglichkeiten, mit denen man die Benutzung der Geräte an eigene Vorlieben anpasst.

Spassbefreite Effizienzmaschinen

Doch auch bei diesen Funktionen geht es im Kern um Effizienz: Als Nutzer soll man sich das Betriebssystem so zurechtbiegen, dass man seine Arbeit möglichst produktiv verrichtet, schnell zu seinen Anwendungen gelangt, nicht lang nach Dateien suchen muss und möglichst wenig abgelenkt wird. Was auch nicht verkehrt ist.

Die Möglichkeiten der individuellen Anpassung von Windows erklären wir in diesem Video.
Video: Matthias Schüssler

Aber wie steht es um den Wohlfühlfaktor? Er wird von den Herstellern vernachlässigt, seit sie die Möglichkeit eingebaut haben, ein individuelles Hintergrundbild für den Desktop einzurichten. Und das ist nun auch schon 36 Jahre her: Das erste sogenannte Wallpaper gab es nicht beim Mac oder gar bei Windows, sondern bei X11. Mit dieser ursprünglich am MIT entwickelten Software werden Unix-Betriebssysteme mit einer grafischen Benutzeroberfläche ausgestattet.

Ein eigenes Hintergrundbild ist das höchste der Gefühle

Auch heute noch ist das eigene Hintergrundbild die beste Möglichkeit, seinem Computer eine persönliche Note zu verleihen – und die wird im Unternehmensumfeld ohnehin oftmals vom Administrator abgedreht. Mit anderen Worten: Wer seinem Computer den eigenen Stempel aufdrücken mag, muss selbstgemalte Post-its an den Bildschirm pappen oder den Laptop mit originellen Aufklebern verzieren.

Dabei gäbe es Mittel und Wege, damit die Arbeitsumgebung am Computer nicht ganz so steril und geschäftsmässig wirkt. In den Anfangszeiten des Personal Computer gab es für diesen Zweck lustige Hilfsprogramme: Bei einem Ferienjob in einer Zürcher Anwaltskanzlei hatte eine subversiv veranlagte Sekretärin ein unsichtbares Programm installiert: Wenn nun jemand auf dem Desktop des Mac eine Datei auf den Papierkorb zog, dann sprang Oscar the Grouch aus der Sesamstrasse aus ebendiesem Papierkorb und sang: «I love it, because it’s trash!».

Es gab noch viele andere solcher Programme: Der Elvis-Detektor zum Beispiel, der Alarm schlug, wenn der Geist des King of Rock ’n’ Roll in den PC einfuhr. Oder die Tänzerin, die mit schwingenden Hüften über die Taskleiste defilierte, wenn ihr danach war – und per Media Player gute Musik abgespielt worden ist.

Natürlich standen solche Programme schon in Verruf, weil sie unnötigerweise Systemressourcen belegten. Heute vermutet jeder Computer-Administrator, nicht unbedingt zu Unrecht, sofort einen Trojaner und rottet solche Programme gnadenlos aus. Und ja, sie laufen der Empfehlung zuwider, nur notwendige Apps zu installieren.

Ja, das stimmt. Und trotzdem wünsche ich manchmal den singenden Sesamstrasse-Grouch zurück, der etwas Leben auf meinen iPhone-Homescreen bringt.

2 Kommentare
    Rolf Gysling

    Nun X11 ist eigentlich nur die Infrastruktur um einen Desktop zu produzieren. Angezeigt wird dann was der Fenstermanager wie zb fvwm2 , kde, Solaris CDE oder ähnliche dann zugelassen haben.