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FahrtenschreiberMasken, Handschuhe und blutte Bäuche …

In der schönen warmen Frühlingszeit fallen die Hüllen und bleiben die Schutzmasken

BVB-Buschauffeur und Autor Philipp Probst erlebt so allerlei, wenn er mit seinem Bus unterwegs ist.
BVB-Buschauffeur und Autor Philipp Probst erlebt so allerlei, wenn er mit seinem Bus unterwegs ist.

Haben Sie Ihren Coiffeurtermin gleich am Montag bekommen? Ich gehe davon aus, dass die meisten Höörlifilzer auf ihren traditionellen «Coiffeurensonntag» verzichten. Wir befinden uns schliesslich in einer Notlage.

Ansonsten muss ich sagen: Die Corona-Krise steckt in einer Krise. Bei mir jedenfalls. Es gibt ja nur noch Corona! Deshalb habe ich beschlossen, mich schöneren Dingen zuzuwenden. Das ist zwar etwas schwierig, wenn man den ganzen Tag mit dem Bus durch die Stadt fährt. Und die Sonne scheint. Und es heiss wird. Und die Leute doch nicht nur zu Hause sitzen, sondern rausgehen und sich die Kleider … Sie ahnen, was jetzt kommt.

Ich habe lange versucht, eine positive Seite an diesem Virus zu erkennen. Okay, wir waren in letzter Zeit solidarisch miteinander. Und wir haben dem Bundesrat gehorcht. Dafür sind wir von ihm sogar gelobt worden. Wow! Natürlich sind wir jetzt alle optimistisch und haben uns viel vorgenommen für die Zeit danach. Falls diese Krise jemals ausgestanden sein sollte, also auch wirtschaftlich, psychisch und so.

Aber dann, wenn wirklich alles vorbei ist, dann wird alles besser. Wir werden die «systemrelevanten» Berufsgruppen mehr achten und ehren und sie besser entlöhnen. Wir werden Sorge tragen zur Umwelt, zu den Tieren, letztlich zu uns allen. Wir werden in Harmonie leben.

Ach, warum kann ich nicht recht daran glauben? Weil ich Indizien habe, die dagegensprechen. Denn auch meine letzte Hoffnung, dem Virus etwas Gutes abzugewinnen, wurde zerstört. Ich habe nämlich geglaubt, dass die Menschen aus Angst vor Corona sich nicht mehr ausziehen in aller Öffentlichkeit. Man weiss ja nicht, wo das Virus überall herumkrabbelt. Aber ich habe mich geirrt. Jetzt ziehen die Leute zwar Masken und Handschuhe an, aber den Rest aus! Die dicken Bäuche, die behaarten Rücken, die orangen Füsse ...

Überhaupt ist mir aufgefallen, dass wir uns in den Lockdown-Wochen stilmässig etwas gehen liessen. Bei den Frisuren, klar, ging ja nicht anders. Aber auch bei der Kleidung. Liegt wahrscheinlich am Homeoffice. Wenn man den ganzen Tag im Trainer verbringt, kann man im Schlabberlook auch noch schnell ein Brot holen. Gut aussehen muss man dieser Tage sowieso nicht. Man lernt ja niemanden kennen. Und wenn, dann wird weder geflirtet noch geknutscht. Knutschen mit zwei Meter Abstand ist auch irgendwie unsexy, oder? Das gilt auch für Paare: Muss man für seinen Partner attraktiv sein? Ach was, der kann jetzt eh nicht abhauen!

Aber vielleicht liegt die schlechte Kleidung auch daran, dass wir uns im grenzenlosen Gehorsam an all die nationalen und internationalen Weisungen gehalten und unsere schönen Kleider mit 60 Grad und mehr gewaschen haben – um das Virus abzukochen. Habe ich mit meiner BVB-Uniform auch gemacht. Täglich. Zuerst hat dann das Hemd gespannt. Vorne am Bauch. Nach dem zweiten Waschgang haben die Knöpfe beim Anziehen Raketenstarts simuliert. Seit der dritten Wäsche kann ich die Hose als Hotpants benutzen, was ja, wie erwähnt, nicht auffällt. Nur die Krawatte passt definitiv nicht mehr. Sie würde mich erdrosseln. Deshalb verwende ich sie jetzt als Schuhbändel.

Probst Philipp.  Foto © Nicole Pont
Probst Philipp. Foto © Nicole Pont
1 Kommentar
    Patricia Gawlick, Muttenz

    Ach diese wunderbaren Kolumnen des BVB Fahrtenschreibers. Ich liebe sie und freue mich jedesmal drauf. Eine perfekte Antipode zum Bünzletum und der Lichtblick unter der BaZ-Kolumnisten. Bin sehr froh das Herr Probst bleiben durfte. Ohne diese Kolumnen wäre die hartlangweilige Coronazeit nur halb so schön. Herrlich, immer wieder zig Lacher. Damit grüße ich Hotpants tragend aus Muttenz und hoffe auf 1000 weitere Fahrtenschreiber. PS: Zu einem der letzten Probstkolumnen noch folgendes. Ich hoffe doch sehr das lange Haare bei Männern wieder "en vouge" werden, nicht nur weil es ultrahot ausschaut. Dafür können die Hipsterbärte, in Zeiten der Maske, langsam aber entgültig und für immer mal in der Versenkung verschwinden.