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Grossaktionär ThieleLufthansa-Sanierung dürfte fünf bis sechs Jahre dauern

Mit einem «schmerzhaften Weg» rechnet Lufthansa-Grossaktionär Heinz Hermann Thiele bei der Sanierung der deutschen Fluggesellschaft. Er fordert harte Sparmassnahmen.

«Das wird für alle Beteiligten ein schmerzhafter Weg – wie schmerzhaft, das kann heute keiner sagen»: Lufthansa-Grossaktionär Heinz Hermann Thiele zur Lufthansa-Sanierung.
«Das wird für alle Beteiligten ein schmerzhafter Weg – wie schmerzhaft, das kann heute keiner sagen»: Lufthansa-Grossaktionär Heinz Hermann Thiele zur Lufthansa-Sanierung.
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Er traue es Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr und seiner Mannschaft zu, diese Aufgabe zu schultern und die Lufthansa mittelfristig wieder zu einer starken Airline zu machen
Er traue es Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr und seiner Mannschaft zu, diese Aufgabe zu schultern und die Lufthansa mittelfristig wieder zu einer starken Airline zu machen
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Ein Lufthansa-Flugbegleiter trägt während einer Demonstration vor der Lufthansa-Zentrale am Frankfurter Flughafen ein Plakat mit der Aufschrift «Save our souls». Die Aktionäre des Unternehmens entschieden bei der ausserordentlichen Hauptversammlung darüber, ob sie den Staat für rund 300 Millionen Euro als Anteilseigner einsteigen lassen wollen oder nicht.
Ein Lufthansa-Flugbegleiter trägt während einer Demonstration vor der Lufthansa-Zentrale am Frankfurter Flughafen ein Plakat mit der Aufschrift «Save our souls». Die Aktionäre des Unternehmens entschieden bei der ausserordentlichen Hauptversammlung darüber, ob sie den Staat für rund 300 Millionen Euro als Anteilseigner einsteigen lassen wollen oder nicht.
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Lufthansa-Grossaktionär Heinz Hermann Thiele erwartet, dass die Sanierung der deutschen Fluggesellschaft fünf bis sechs Jahre dauern wird. «Das wird für alle Beteiligten ein schmerzhafter Weg – wie schmerzhaft, das kann heute keiner sagen.»

Dies erklärte Thiele der «Bild am Sonntag». Er traue es Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr und seiner Mannschaft zu, diese Aufgabe zu schultern und die Lufthansa mittelfristig wieder zu einer starken Airline zu machen, hiess es zudem.

Das Management werde nunmehr einen Restrukturierungsplan entwerfen. Dies werde «nicht ohne harte Einschnitte abgehen, denn wir wissen nicht, wie sich die gesamte Wirtschaft und der Luftverkehr künftig entwickeln», sagte Thiele. Die Nachfrage nach Flugreisen werde sicherlich wieder zunehmen, «zunächst aber auf ein geringeres Niveau als vor Corona».

Alles auf den Prüfstand

Thiele fordert vom Lufthansa-Management harte Sparmassnahmen: «Aufgrund der umfangreichen Kredite die verzinst und getilgt werden müssen, reichen Personal- und Sachkostenreduzierung nicht aus. Es müssen auch Beteiligungen von Tochtergesellschaften auf den Prüfstand», forderte er. Es müsse alles angeschaut werden, «was nicht für den absoluten Kernbetrieb für die nächsten Jahre erforderlich ist, wie zum Beispiel das Catering-Geschäft in Europa oder Teile der Lufthansa-Technik».

Seine Motivation, mit 15,5 Prozent bei Lufthansa einzusteigen, war laut Thiele kein Geschäftssinn, sondern Patriotismus und jahrzehntelange Verbundenheit mit der Marke: «Ich fliege seit 50 Jahren mit Lufthansa und habe fast immer auf allen Flügen die besten Erfahrungen gemacht. Erstklassige Maschinen, exzellenter Service, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.»

Zeit der Ungewissheit

Zu seinem künftigen Einfluss bei Lufthansa sagte Thiele dem Blatt: «Gegenwärtig habe ich keine Absicht, mein Aktienpaket zu erhöhen – ich schliesse das allerdings auch nicht aus.» Er könnte sich auch vorstellen, als Ankeraktionär um ein Verwaltungsratsmandat zu bemühen.

Die Aktionäre des schwer von der Coronavirus-Krise getroffenen Luftfahrtkonzerns hatten am Donnerstag grünes Licht für das neun Milliarden Euro schwere Rettungspaket des Bundes gegeben. Thieles Zustimmung galt lange Zeit als ungewiss, er kündigte erst nach langem Zögern sein Ja zu dem Hilfsprogramm an. Er stiess sich vor allem an der vorgesehenen Beteiligung der deutschen Regierung und wollte den Rettungsplan für die angeschlagene Fluggesellschaft nachverhandeln.

SDA