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Mit Blick auf die AltstadtLiestal erhält ein Vorstadtensemble

Zwischen Bahnhof und Stedtli wird für 76 Millionen Franken ein ganzes Quartier mit Wohnungen, Geschäftsflächen und einer Tiefgarage gebaut.

Liestal erhält ein neues Vorstadtgesicht – das Lüdingebäude wird aber bleiben.
Liestal erhält ein neues Vorstadtgesicht – das Lüdingebäude wird aber bleiben.
Foto: Google-Streetview

Es ist der nächste Schritt der Aufwertung in Liestal: An zentraler Lage zwischen Landratsgebäude, Bahnhof, Kantonsgericht und der Rheinstrasse wird in den kommenden Jahren ein «Vorstadtensemble» aus drei Häuserzeilen mit rund 135 hochwertigen Wohnungen sowie Gewerbeflächen an der Rhein- und der Schützenstrasse gebaut. Das Ufer des angrenzenden Orisbachs wird zur Erholungszone umgestaltet, an der Stelle der dortigen Parkfelder sind rund 80 öffentliche Einstellplätze in der geplanten Tiefgarage vorgesehen.

Vor fast genau einem Jahr veräusserte die Familie Lüdin ihr 6000 Quadratmeter grosses Areal an die SIAT Immobilien AG aus Zug, eine Tochterfirma der Credit Suisse Asset Management AG. Zusammen mit der Stadt Liestal und dem Kanton Basel-Landschaft wurde dann ein städtebauliches Richtprojekt definiert. Auf dem in der Vergangenheit gewerblich genutzten Areal soll demnach die Geschichte des Ortes weitergeschrieben werden. Ausdrücklich erwünscht waren ausserdem verschiedene Architektursprachen.

Eine offene Siedlung

Die mit der Arealentwicklung beauftragte First Site Invest AG lud acht hochkarätige Architekturbüros aus Basel, Zürich und New York zu einem Projektwettbewerb ein. Sämtliche Vorschläge wurden von einer zehnköpfigen Jury unter dem Vorsitz des ehemaligen Zürcher Hochbauamtsdirektors Peter Ess nach einem umfassenden Kriterienkatalog bewertet. Jurymitglied Gerhard Läuchli erklärt: «Die drei wichtigsten Kategorien waren die Gestaltung, die Gesamtkonzeption und dann die Wirtschaftlichkeit.» Neben hochwertigem Wohnraum sollten auch Flächen für Läden und kleineres Gewerbe einfliessen.

Das einstimmig gewählte Siegerprojekt «Altstadtblick» des Zürcher Architekturbüros Steib Gmür Geschwentner Kyburz Partner AG führe mit seiner Höhenstaffelung zu einer überraschenden Weitsicht aus den Wohnungen an der Bahnhofstrasse, hält die Jury fest. Zwischen drei Häuserzeilen entstehen zwei öffentlich begehbare und vor Lärm geschützte Gassen, durch die man das neue Quartier Richtung Stedtli queren kann. Diese drei Häuserzeilen seien schlüssig aufeinander abgestimmt und erhielten einen eigenen Charakter entsprechend ihrer städtebaulichen Bedeutung, heisst es weiter. «Die Bezeichnung Quartier ist bewusst gewählt», sagt Peter Ess. Es sollte keine abgeschlossene «Siedlung» entstehen.

Das Ensemble der beiden alten Vorstadthäuser und des «Lüdin-Hauses» aus den 50er-Jahren an der Rheinstrasse 3 bleibt bestehen, was dem Ort seine «spezifische Identität verleiht und die Entwicklung der Vorstadt lesbar macht», heisst es in der Bewertung des Projekts. Auf dieser Basis soll nun ein Quartierplan entwickelt werden. Auf Ende 2023 ist der Baustart geplant. Das endgültige architektonische Erscheinungsbild ist noch nicht definiert.

Gehobenes Wohnen im Zentrum

Nach der Fertigstellung der Überbauung Grammet ist das «Lüdin-Areal» die konsequente Weiterführung der Aufwertungsstrategie der Kantonshauptstadt. Stadtpräsident Daniel Spinnler kann auf Anfrage noch keine Auskunft geben, wer dereinst in die gehobenen Wohnungen einziehen wird. Es entstehe Raum für urbanes Wohnen, wo sowohl Familien, Berufstätige als auch ältere Personen leben könnten. «Die Nachfrage ist vorhanden, die letzte Prognose für das Bevölkerungswachstum wurde gerade übertroffen», sagt er.