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SenfkornLieber ein glückliches Huhn auf dem Teller als täglich Elend in der Pfanne

Dank Corona ist nun endlich auch wieder einmal die deutsche Billigfleisch-Produktion ein Thema. Ein Thema, das alle Schweizer Einkaufstouristen interessieren muss.

Ein ganzes Huhn schmeckt viel besser als diese langweiligen Pouletbrüste.
Ein ganzes Huhn schmeckt viel besser als diese langweiligen Pouletbrüste.
Foto: Yvain Genevay

Hin und wieder wird spätabends auf dritten deutschen Fernsehkanälen in unappetitlichen Reportagen gezeigt, wie in Deutschland Tiere gemästet werden, damit sie in den Discountläden als Billigfleisch verkauft werden können: Schweine, die bis zur Schlachtung zu Tausenden auf engstem Raum vegetieren, Truthähne, die sich mit ihren Riesenbrüsten kaum noch auf den kurzen Beinen halten können.

Dank Corona ist Deutschlands Billigfleisch-Produktion nun auch in der Primetime wieder ein Thema. Trotz EU kann es sich Deutschland immer noch erlauben, eine der schlimmsten Fleischproduktionen des Kontinents zu unterhalten. Und niemand scheint willens zu sein, den deutschen Konsumenten das Ein-Euro-Huhn oder das Schweinefilet für ein paar Euro zu verwehren. 60 Kilogramm Fleisch verzehren die Deutschen pro Jahr und Kopf. Knapp 50 Kilo sind es in der Schweiz, obwohl wir die mit grossem Abstand höchsten Fleischpreise der Welt haben.

Dennoch sehe ich in den Auslagen der Fleischabteilungen meistens nur die besten Stücke im Angebot – eben das, was die Kunden mögen: Filets, Nierstücke, Entrecotes, Pouletbrüste, alles fettfrei. Vielleicht hat uns Corona auch die Freude am Kochen nachhaltig zurückgebracht, denn zum besten Fleisch gehören eben auch die billigsten Stücke. Für ein Ragout ist das Fleisch an den Rindshaxen immer noch das Beste und Saftigste. Ein Kilogramm kostet etwa 20 Franken. Es muss bei uns jedoch vorbestellt werden. Die Haxen werden in kleine Würfel geschnitten, angebraten und mit der gleichen Menge intensiv gedünsteten, in Streifen geschnittenen
Zwiebeln in Rotwein und Bouillon während dreier Stunden sanft geschmort. Gewürzt wird je nach Belieben mit Knoblauch, Estragon, Salz, Pfeffer, Paprika, Tomatenmark, Rindsfonds. Ausprobieren. Herrlich. Und auch ein ganzes Huhn schmeckt viel besser als diese langweiligen Pouletbrüste. Wie heisst es doch bei Elfie Casty in einem ihrer Bücher zum Thema Sonntagshuhn: Lieber hin und wieder ein glückliches Huhn im Topf als täglich ein Stück Elend auf dem Teller.

12 Kommentare
    markusberger1957

    Und noch besser - ein glückliches Portmonaie