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Neue AusstellungLeuchtende Farben, dunkle Parallelwelten

Das Cartoonmuseum Basel widmet dem flämischen Comiczeichner und Illustrator Brecht Evens die Ausstellung «Night Animals». Der weltweit gefragte Künstler hat diese grosse Werkschau mehr als verdient.

Brecht Evens hält seine vielschichtigen Arbeiten oft in leuchtenden Farben.
Brecht Evens hält seine vielschichtigen Arbeiten oft in leuchtenden Farben.
© Brecht Evens Les Rigoles 2019

Hätte Brecht Evens nicht die Luca School Of Art in Gent besucht, so wäre aus ihm wohl ein konventioneller Comiczeichner geworden. Schliesslich hatte der 1986 im flämischen Hasselt geborene Künstler bereits für diverse Comicmagazine gearbeitet und auch eigene Graphic Novels veröffentlicht, bevor er seine Ausbildung zum Illustrator antrat – der Karrierestart war ihm längst gelungen.

Unter dem Einfluss seines Lehrers und Mentors Goele Dewanckel entwickelte sich Evens aber zu einem Eklektiker, der die Konventionen des eigenen Genres hinterfragt. In seinen vielschichtigen Arbeiten gibt es keine Sprechblasen, keine Panels und auch keine klaren Konturen. Evens’ in leuchtenden Aquarellfarben gemalte Parallelwelten scheinen schon fast auf das Papier auszulaufen, auf das sie gedruckt sind.

Internationales Aufsehen erregte der Flame erstmals 2010 mit dem Comicband «Am falschen Ort», der aus seiner Abschlussarbeit heraus entstanden war. Seither ist sein Œuvre schier unüberschaubar geworden. Mit der Ausstellung «Night Animals» versucht das Cartoonmuseum Basel nun, dem Werk des 34-Jährigen eine erkennbare Form zu geben.

So sind einzelne Ausstellungsräume den Publikationen «Die Amateure», «Panther» und «Les Rigoles» gewidmet, die schon in viele Sprachen übersetzt wurden. Über Storyboards, Vorstudien und Skizzen zu diesen Werken erhalten die Ausstellungsbesucherinnen und -besucher Einblick in Evens’ kreativen Prozess.

Louis Vuitton als Auftraggeber

Längst hat sich der Belgier weit über die Welt des Comics hinaus entfaltet. Heute arbeitet er als Illustrator für renommierte Tageszeitungen wie «Libération», «The Guardian» und die «New York Times». In Antwerpen und Brüssel sind Evens’ Malereien ausserdem als Fresken an Hauswänden zu bewundern.

2016 wurde der Künstler gar vom Luxuslabel Louis Vuitton zur Mitarbeit angefragt. Damals gab das Modehaus einen Titel aus seiner Travel-Book-Reihe bei Evens in Auftrag. Der nahm seine Wahlheimat Paris gleich als Sujet. Und gab sich bei dieser prestigeträchtigen Arbeit ganz persönlich. Eines der Werke für Louis Vuitton, das derzeit im Cartoonmuseum Basel hängt, zeigt die Aussicht von Evans’ Pariser Atelier. Der Blick in Richtung Sacré-Cœur wirkt aber nicht wie eine Postkartenansicht, sondern wie ein Blick in eine finstere Innenwelt.

Den Blick aus seinem Fenster machte Brecht Evens zum Motiv für seine Arbeit für das Modehaus Louis Vuitton.
Den Blick aus seinem Fenster machte Brecht Evens zum Motiv für seine Arbeit für das Modehaus Louis Vuitton.
© Brecht Evens, «Vue de ma fenêtre, nuit», 2016

Zeitgleich mit der Eröffnung der Ausstellung «Night Animals» ist der Band «Idulfania» beim Christoph-Merian-Verlag erschienen. In diesem Comic-Strip setzt sich Evens auf humorvolle Art und Weise mit den Versuchungen der Macht auseinander. «Idulfania» erschien zwischen 2009 und 2011 in der belgischen Zeitung «Brussel Deze Week», jetzt ist er zum ersten Mal in Buchform erhältlich.

Brecht Evens verarbeitet auch düstere Zeiten in seinen Arbeiten – so etwa mit dem Motiv des Panthers. Manche Bilder erinnern hingegen an die Werke von alten Meistern wie Hieronymus Bosch.
Brecht Evens verarbeitet auch düstere Zeiten in seinen Arbeiten – so etwa mit dem Motiv des Panthers. Manche Bilder erinnern hingegen an die Werke von alten Meistern wie Hieronymus Bosch.
© Brecht Evens, «Panthère», 2014

Bei allen Erfolgen, den der Illustrator feiern konnte, hat der gefragte Künstler auch harte Zeiten durchgemacht. Mitte der 2010er-Jahre erlebte Evens eine manisch-depressive Phase, aus der er allerdings auch Inspiration zu schöpfen wusste: Einige seiner späteren Arbeiten erinnern an die gemalten Höllenfahrten des Hieronymus Bosch.

Zufall wird das kaum gewesen sein, kennt sich Evens doch bestens in der Geschichte der Malerei aus. Er gibt denn auch zu, Elemente von anderen Malern übernommen und weiterentwickelt zu haben. In seiner Arbeit erkenne man tatsächlich Motive von Pieter Bruegel und Cézanne, sagt Museumsleiterin und Ausstellungskuratorin Anette Gehrig, die diese Anlehnungen im Rahmen von «Night Animals» denn auch thematisiert.

Trotz seiner vielen unterschiedlichen Interessen und Arbeitsbereiche ist Brecht Evens seiner ursprünglichen Liebe zum Comic treu geblieben. Im November veröffentlicht er einen neuen Band, für den die Welt des Peter Pan Motive liefert.

Cartoonmuseum, Brecht Evens «Night Animals», bis 31. Januar 2021, www.cartoonmuseum.ch

Brecht Evens: «Idulfania», Christoph-Merian-Verlag, 2020, 26 Fr.