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Never Mind the Markets: Gamestop-HypeLeerverkäufe haben einen Nutzen

Kampf den Hedgefonds: Warum der aktuell gefeierte Sieg der Kleinanleger ein Nachspiel haben wird.

Furchtlos? Unlogisch! Oder warum soll es nur fair sein, auf steigende Aktienkurse zu setzen?
Furchtlos? Unlogisch! Oder warum soll es nur fair sein, auf steigende Aktienkurse zu setzen?
Foto: Timothy A. Clary (AFP)

Es erschien als Geschichte von gut gegen böse. Kleinanleger haben grosse Hedgefonds in die Knie gezwungen, die darauf gewettet hatten, dass der Aktienkurs des Videospiele-Anbieters Gamestop fällt. Wie war das möglich? Die Hedgefonds haben Aktien des Unternehmens ausgeliehen und am Markt in der Erwartung verkauft, sie günstiger zurückzukaufen. Massenhafte Käufe durch die Internetgemeinde haben aber zu einem Kursanstieg geführt.

Ein teurerer Rückkauf der Aktien beschert den Hedgefonds herbe Verluste. Die Rückkäufe aus Not haben die Kurse erst recht nach oben katapultiert und die Einbussen der Fonds explodieren lassen. Das nennt man einen Short Squeeze.

«Leute, die auf sinkende Kurse setzen, mag man nicht», berichtet ein Schweizer, der sich am Vorgehen der Kleinanleger beteiligt hat. Das dürften die meisten so sehen. Doch Hedgefonds und Leerverkäufe spielen eine nützliche Rolle. Sie sorgen bei Übertreibungen für nötige Korrekturen, und sie bieten Anlegern die Möglichkeit, sich gegen einen Kurssturz abzusichern. Und warum soll es nur fair sein, wenn Aktien ansteigen – unabhängig vom wirtschaftlichen Wert der Unternehmen, auf die sie lauten?

Wer das Nachsehen haben wird

Ein Aktienmarkt lässt sich mit einer umfassenden Meinungsumfrage vergleichen, in der die Teilnehmer mit eigenem Geld für ihre Meinung zum Wert von Unternehmen einstehen. Die Verteufelung der Spekulation auf sinkende Kurse ist gleichbedeutend mit einer Verurteilung von Zweifeln an der vorherrschenden Meinung. Denn diese wird an den Börsen durch die aktuellen Aktienkurse ausgedrückt. Wenn sich Zweifel nicht mehr in Aktienkursen niederschlagen können, ist die Gefahr von irrationalen Übertreibungen besonders gross. Und dann droht am Ende der Absturz zurück zur Realität mit einem bösen Erwachen und hohen Kursverlusten.

Und wie sieht das beim Deal um Gamestop aus, dessen Aktienkurs seit vergangenem August von 5 auf 325 Dollar gestiegen ist? Das Unternehmen schreibt seit 2018 ausnahmslos Verluste von mehreren Hundert Millionen Dollar. Das Geschäftsmodell von Gamestop mit dem Verkauf von Videospielen steht infrage, weil die Leute Spiele direkt herunterladen können. Zweifel an der Zukunft des Unternehmens lassen sich also gut begründen und damit auch Wetten auf einen Kursverlust. Ein Teil der Kleinanleger dürfte deshalb am Ende ebenfalls einen hohen Preis für sein aktuell gefeiertes Verhalten bezahlen.

56 Kommentare
    Reini Bauer

    Anscheinend haben Leerverkäufe einen marktwirtschaftlichen Nutzen. Dazu muss man sich nur von jemand anderem dessen Aktien ausleihen. Damit bleibt alles im Lot.

    Aber die Hedge Fonds waren sich ihrer Sache so sicher, dass sie weiter gingen.

    "Weil sie überzeugt waren, dass das Unternehmen untergeht und die Aktien am Ende wertlos werden, haben sie deutlich mehr Aktien verkauft, als überhaupt existieren: Dazu waren Naked Shorts nötig» – nackte Leerverkäufe."

    Nackte Leerverkäufe sind dann definitiv nicht mehr nützlich ausser für die Absahner.

    Somit muss hier niemand jammern, dass die Robin Hoods den 'getürkten' Markt sprengen.