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Wohnen ohne Stil

Designblogs postulieren schon länger einen fröhlichen Mischmasch beim Wohnen. Das Buch «Undecorate» stilisiert jetzt das Chaos.

Christiane Lemieux hat sich drei populäre Prinzipien zurechtgelegt: 1. Perfektion wird überschätzt. 2. Cleverness ist wichtiger als Geld. 3. Geschmack toppt Aufwand. Die Amerikanerin betreibt in New York ein florierendes Einrichtungsgeschäft namens Dwell Studio, hat einen eigenen Wohn-Blog (wo sie aktuell gerade Flaggen als das ultimative Emotionsstück im Wohnzimmer propagiert), und ist nun auch unter die Autoren gegangen – Undecorate, wie der Bildband heisst, zeigt 20 illustre Wohnungen aus ganz Amerika. Die Bewohner haben alle dieselbe Vorliebe: Sie folgen keinem bestimmten Einrichtungsstil, sondern würfeln zusammen, was ihnen gefällt, und das sieht auch noch erstaunlich gut aus.

Amerikanischen Zeitungen, allen voran die «New York Times», feierten dieses jüngste Werk des eklektischen Amateurdesigns vor kurzem enthusiastisch als Ausdruck einer ganzen Gesellschaft: «Die Rezession der letzten drei Jahre hat einen erstaunlichen, privaten Einfallsreichtum hervorgerufen, das Fussvolk hat den Experten die Schau gestohlen!» Das tönt, als habe im Wohnen der individuelle Ausdruck über bürgerliches Gefälligkeitsstreben und professionellen Glanz gesiegt. Doch von einer anarchischen Bewegung, von einem demokratischen Design, das sich Autoritäten wie Innenarchitekten und Designern verweigert und auf schicke Wohn-magazine pfeift, sind die Beispiele weit entfernt.

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