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Schön sein oder sein lassen, das ist hier die Frage

«Entdecken Sie neue Entfaltungsmöglichkeiten»: Die Werbung für Schönheitseingriffe erreicht ein neues, offensives Level.

Faltenglättung im Warenhaus: Die Pallas-Kliniken werben derzeit für ihre neu eröffnete Filiale im Zürcher Jelmoli. Foto: Urs Jaudas
Faltenglättung im Warenhaus: Die Pallas-Kliniken werben derzeit für ihre neu eröffnete Filiale im Zürcher Jelmoli. Foto: Urs Jaudas

«Zürich wird schöner.» Mit diesem verheissungsvollen Slogan fing es an. Der Satz prangte im Hauptbahnhof auf einem knallroten Plakat, auf dem sich eine makellose Nymphe in eine laszive Pose warf. Natürlich macht das neugierig. Und weckt Sehnsüchte. Wie wird man denn jetzt schöner? Und warum ausgerechnet Zürich? Und nicht Olten? Oder Würenlos? Ein paar Wochen später tauchten weitere Plakate auf: «Bügeln Sie die letzten 20 Jahre aus», heisst es da im Imperativ, oder «Entdecken Sie neue Entfaltungsmöglichkeiten».

Es handelt sich um Werbeplakate für ästhetische Eingriffe im Kaufhaus Jelmoli. Ja, richtig: Faltenunterspritzung im Warenhaus. Die Pallas-Kliniken, spezialisiert auf Verjüngungen und Verschönerungen jeglicher Art, haben Anfang September eine Filiale in diesem Zürcher Shoppingzentrum eröffnet – ein schweizweites Novum. Neuerdings kann man sich zum neuen Herbstoutfit also auch gleich ein neues Gesicht besorgen, bevor man noch schnell etwas zum Znacht einkauft. Alles im gleichen Gebäude, alles ohne Voranmeldung. Eigentlich praktisch, wäre die sogenannte Lifestyle-Medizin nicht per se grenzwertig.

Pallas-Kliniken sind wenig zimperlich

Dass es trotzdem Millionen von Menschen tun und schon Teenager mit künstlich dicken Lippen umherlaufen, ist das eine. Das andere, wie man dafür wirbt. Die Pallas-Kliniken sind da wenig zimperlich. Ihre PR-Kampagne für Schönheitseingriffe suggeriert, Fett absaugen sei so selbstverständlich wie Zähne putzen. Und Falten aufspritzen so alltäglich wie Brot kaufen. Kurzum: Wer heute makelhaft bleibt, ist ein Loser – und erst noch selber schuld.

Die Botschaft wirkt clever, allerdings nur auf den ersten Blick. Es sind nämlich nicht «neue Entfaltungsmöglichkeiten», die Mittvierziger scharenweise zum Schönheitsdoktor treiben. Es ist die pure Angst vor dem Alter, die Panik, nicht mehr zu genügen. Dasselbe gilt für die angeblich Zeitgeistigen, die selbstbewusst «die letzten 20 Jahre ausbügeln». Sie gehen eben nicht mit der Zeit, sondern versuchen, sie krampfhaft zurückzudrehen. Wer genau ist jetzt hier der Loser?

Sagen wir es so: Echte Helden brauchen keine Schönheitskliniken.

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