Wüstentour

Von einer unvergesslichen Fahrrad-Tour durch die sengende Mittagshitze der Wüste, Schmerzen an den Beckenbodenknochen und lachenden Beduinen.

Mit dem Rad durch Sand zu fahren, ist in etwa so, wie durch Honig zu laufen. Oder durch Schaum­gummiwände zu rennen.

Mit dem Rad durch Sand zu fahren, ist in etwa so, wie durch Honig zu laufen. Oder durch Schaum­gummiwände zu rennen.

(Bild: Keystone)

Endlich Sommerferien! Ich erinnere mich an mein letztjähriges Ferienabenteuer: Die Tour wurde als gemütliches Radeln im Naturschutzgebiet verkauft. Sieben Grad frischer als am Strand, wunderschönes Naturschutzgebiet, dem Meer entlang, Rückweg gemütlich mit Rückenwind und Besuch einer Beduinen-Siedlung. Für die ganze Familie machbar. Bei diesem Verkaufsmonolog, den Eistee in der rechten Hand und die Ventilatoren im Hotel von der anderen Seite, sah ich vor meinem geistigen Auge die Grossmutter im schattigen Wäldchen spazieren fahren, ganz romantisch – dieses Bild hat mich dazu bewogen, mich anzumelden, um mitzufahren. Denn das klang bei mir nach grad so viel Abenteuer, wie ich verkraften konnte. Ein bisschen verwegen, aber machbar.

Ich habe keine Ahnung, warum ich nicht gedacht habe: Moment! Schattige Baumallee? Wir sind mitten in der Wüste. Moment! Rückweg Rückenwind? Also vorher kommt der flott von vorne! Und: Wie sieht ein Naturschutzgebiet, verdammt, in der Wüste aus? Bestimmt raschelt es da nicht im Blätterwald, der einem elegant ein kühles Lüftchen zufächelt. Aber dazu kommen wir später.

Wie durch Honig zu laufen

Der Sattel meines Bikes hat sich von Anfang an in meine Beckenboden­knochen verkeilt und meine vorderen Teilchen gnadenlos zerquetscht. Und das auf einer «Strasse», die eine einzige Holperpartie war. Die Schläge in meinen Hintern erfolgten im Zehntelsekunden-Takt. Und es war heiss! So heiss, dass sieben Grad kühler nichts, aber gar nichts wettmachten! Jeder Stein und jede Delle, jedes Loch und jede Vertiefung in der Strasse (also sie war einfach Sand wie die übrige Wüste) bohrte sich ohne Gnade in mein Gesäss. Jetzt war mir auch klar, warum die anderen nicht nur wie Fahrradprofis aussahen, sondern tatsächlich welche waren: Mit dem Rad durch Sand zu fahren, ist in etwa so, wie durch Honig zu laufen. Oder durch Schaum­gummiwände zu rennen. Und das nicht nur für ein paar Minuten, einen ganzen Tag lang!

Nun zum Begriff Naturschutzgebiet: Das hier sah streng nach absoluter Wüste aus. Also kein Schatten. Der Wind von vorne und die Vorträge über eine winzige vertrocknete Wurzel von Heinz, dem Fremdenführer, mitten in der brütenden Mittagshitze. Ich ­konnte mich nicht entscheiden, was schlimmer war: stehen zu bleiben in der Hitze oder das Fahren im Sand.

So gehen wir den eigenen inneren Bildern auf den Leim. Oder die ­Verkäuferin dieser Tour war echt gut. Und die Beduinen kamen bei unserem Anblick nicht aus dem Lachen heraus.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt

Loading Form...