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Wollten die Eltern Nada wirklich verheiraten?

Das Video der 11-jährigen Jemenitin Nada ging um die Welt: Sie erzählte darin, wie sie vor einer Zwangsheirat flüchtete. Ihre Eltern widersprechen ihr nun aber.

Die Geschichte der elfjährigen Nada al-Ahdal ist empörend. In einem auf Youtube veröffentlichten Video erzählte sie, wie sie vor einer drohenden Zwangsheirat flüchtete. Doch ist die Geschichte auch wahr? Vertreter der jemenitischen Menschrechtsorganisationen Seyai und Yemeni Women Union (YWU) sagten gegenüber dem Fernsehsender al-Jazeera, Teile der Darstellung des Mädchens seien falsch. Nach einem Treffen mit den Eltern seien sie zum Schluss gekommen, dass eine Zwangsheirat gar nie zur Diskussion gestanden habe, die Familie habe einzig und allein einen Heiratsantrag erhalten.

In Nadas Schilderung im Video klang dies anders: Obwohl sie seit ihrem dritten Lebensjahr bei ihrem Onkel Abdel Salam al-Ahdal gelebt habe, sei sie nach einem Besuch bei ihren Eltern verschwunden. Ihr Onkel gab in einem Interview an, erst als er eine Anzeige wegen Kindesentführung eingereicht habe, habe ihr Vater gestanden, dass sie mit einem erwachsenen Mann verheiratet werden solle. Nada drohte im Video, sie bringe sich lieber um, als zwangsverheiratet zu werden.

Stunt oder Selbstschutz der Eltern?

Die bisher bekannten Fakten lassen mindestens zwei Möglichkeiten offen: Sagen die Eltern tatsächlich die Wahrheit, könnte es sich beim Video um eine Art Stunt handeln. Wie al-Jazeera berichtet, wurde das Video von Ziad Abdul-Jabbar aufgenommen und ins Internet gestellt, einem Produzenten einer Kindershow im Fernsehen, in der Nada regelmässig auftrat.

Genauso gut denkbar ist aber, dass die Eltern des Mädchens die Angelegenheit aus Selbstschutz unter den Tisch kehren möchten und ihnen die Mitarbeiter des Hilfswerks auf den Leim gingen. Nach Angaben der Präsidentin der YWU, Ramzia al-Eryani, habe sich das Mädchen in der Obhut der Organisation befunden, während die Angelegenheit «geklärt worden» sei. Inzwischen sei es wieder bei seinen Eltern.

Häufige Kinderheirat

In der westlichen Welt verbreitet wurde das Video von der US-amerikanischen Organisation Memri (Middle East Research Institute), die dem neokonservativen Flügel zugerechnet und der vorgeworfen wird, gezielt Videos mit extremen politischen Ansichten zu verbreiten, um so die öffentliche Meinung über den Nahen Osten zu beeinflussen. Wie andere Videos hatte die Organisation auch Nadas Video mit Untertiteln versehen und auf dem eigenen Youtube-Kanal veröffentlicht. Auch das Videointerview mit Nadas Onkel wurde von Memri veröffentlicht. Der Jemen ist von politischem Interesse für die USA, weil das US-Militär dort wiederholt Drohnenangriffe fliegt, um mutmassliche Terroristen zu bekämpfen.

Ungeachtet der Echtheit des Videos und seiner politischen Instrumentalisierung ist die Zwangsverheiratung von Kindern im Jemen tatsächlich ein Problem: Gemäss Angaben der Unicef sind 11 Prozent aller 15-jährigen Mädchen bereits verheiratet, während es bei den 18-jährigen 32 Prozent sind. Das International Center for Research on Women kam sogar zum Schluss, dass 48 Prozent aller Kinder im Jemen vor 18 verheiratet werden.

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