Wieso sind Katzen herzig?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktoren die am häufigsten gegoogelten Fragen.

Niedliche Tiere wecken bei uns Menschen den Beschützerinstinkt, auch Katzen.

Niedliche Tiere wecken bei uns Menschen den Beschützerinstinkt, auch Katzen.

(Bild: iStock)

Aleksandra Hiltmann@thisisAleksa

Wieso Katzen herzig sind? «Darum», könnte ich Ihnen antworten, und meine 764 Katzenfotos zeigen, die ich in den letzten Jahren von unseren zwei Vierbeinern geschossen habe. Oder ich könnte Ihnen erzählen, wie herzerwärmend es ist, wenn sich ein Wesen, kaum betreten Sie die Wohnung, vor Ihnen auf den Boden wirft und den flauschigen Bauch zum Kraulen hinhält und es anschliessend die ganze Nacht bei Ihnen im Bett schläft und sie am Morgen weckt, weil es wieder gestreichelt werden will. Das ist herzig. Aber gehen wir die Sache wissenschaftlicher an, evolutionsbiologisch.

Schon Sauriererbabys waren herzig, hat man herausgefunden. Wieso? Weil sie ins sogenannte Kindchenschema fielen. Grosse Augen, hohe Stirn, kleine kurze Nase. Das spricht in uns Menschen Schlüsselreize an – wir wollen das Wesen beschützen. Katzenbabys passen wunderbar ins Kindchenschema.

Was aber, wenn der Nachwuchs erwachsen ist? Dann sieht der Saurier nicht mehr so herzig aus. Die Katze aber schon. Ihr Kopf ist immer noch rund, ihre Nase immer noch kurz und ihre grossen Kulleraugen blicken einen frontal an – das funktioniert für den Jöh-Effekt besser als seitlich gerichtete Augen.

Kindchenschema, Hormone, Biophilie unter Säugern – darum sind Katzen herzig.

Nun stellt sich aber die Frage: Wieso sind Katzen herziger als andere Tiere, zum Beispiel Hunde? Wer wäre hier ein besserer Ansprechpartner als Dennis C. Turner. Er gilt als Katzenpapst. Weltweit. Der gebürtige Amerikaner wohnt seit 46 Jahren in der Schweiz. Er ist Verhaltensbiologe und Tierpsychologe. Sein Spezialgebiet: Das Verhalten von Hauskatzen und die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Er sagt: «Katzen sind herziger als Hunde, weil Hunde eine längere Schnauze haben» – gleich weniger Kindchenschema.

Weiter sei das weiche Fell ein Pluspunkt. Streicheln wir eine Katze, schüttet unser Körper das Hormon Oxytozin aus. Es wird auch als «Kuschelhormon» oder «Bindungshormon» bezeichnet und spielt in der Beziehung zwischen Mutter und Kind eine wichtige Rolle. Es senkt unter anderem den Puls und reduziert Stress. Wir fühlen uns gut. Nacktkatzen haben das Nachsehen. Kein Fell. Nicht so herzig. Kein Streicheln.

Die Bindung zwischen flauschigen Katzen und Menschen werde zusätzlich gestärkt durch die Tatsache, dass alle Säugetiere seien, so Turner. Biophilie ist das Stichwort. Der Drang des Menschen, sich mit anderen Lebensformen zu umgeben, vor allem jenen, die uns ähnlich sind, Säugetieren, Katzen. Diese lösen bei uns Empathie aus. Das ist angeboren. Darum sind Katzen herzig.

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