Wieso hat Tarzan keinen Bart?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktoren die am häufigsten gegoogelten Fragen.
Nichts wäre für Tarzan schlimmer, als für einen Affen gehalten zu werden.

Nichts wäre für Tarzan schlimmer, als für einen Affen gehalten zu werden.

(Bild: Keystone Keystone)

Pascal Blum@pascabl

Nun, er hätte sich in den Lianen verfangen, nicht? Tatsächlich lässt sich diese Frage einfach beantworten: Tarzan trug keinen Bart, weil er sich regelmässig rasierte. Das Kind eines englischen Lords, das irgendwo in Afrika seine Eltern verlor und dann von der Affenmutter Kala aufgezogen wurde, war eine von Edgar Rice Burroughs erfundene Figur, die erstmals 1912 in der Geschichte «Tarzan of the Apes» im Magazin «The All-Story» auftauchte. Burroughs machte sich durchaus Gedanken zum Unterschied zwischen Mann und Tier:

«Zwar hatte Tarzan auf den Bildern in seinen Büchern Männer mit sehr viel Haar um die Lippen und auf Wangen und Kinn gesehen, dennoch hegte er bestimmte Befürchtungen. Fast täglich wetzte er sein scharfes Messer und schabte und schnitzelte an seinem jungen Bart herum, um dieses entwürdigende Merkmal des Affentums zu beseitigen.»

So lernte Tarzan, sich zu rasieren, «zwar grob und mit Schmerzen», aber es ging. Dem brutalen Kolonialistenspross, der Piraten, Amazonen und Exemplare gefährdeter Tierarten tötete, war nichts so unangenehm wie die Vorstellung, er könnte für einen Affen gehalten werden (in der Original-Story war er anfangs nackt).

Lange vor der Erfindung des Rasierklingen-Fernsehspots strengte sich da also ein Trampel an, als Mensch wahrgenommen zu werden. Zwar war Tarzan nicht das Beste, was ein Mann sein kann, aber immerhin. Bei Burroughs war er «stolz auf seine glatte Haut, denn sie bezeugte, dass er einer mächtigen Rasse entstammte».

Solches Herrendenken lässt sich ganz gut mit Familienunterhaltung verbinden; 1999 skatete etwa ein zart rasierter Disney-Tarzan über Lianen. Sehr glatt wirkte auch der fünffache Schwimm-Olympiasieger Johnny Weissmüller, der 12-Mal den Tarzan darstellte und sich am Ende selbst für den weissen Affen hielt.

Im Buch «Tarzan, My Father» von Weissmüllers Sohn erfährt man einen weiteren Grund dafür, wieso Tarzan als bartlos in Erinnerung bleibt. 1926 besuchte Johnny Weissmüller im MGM-Studio Douglas Fairbanks, der gerade seine Brust rasiert bekam. «Wenn du je mal ins Filmgeschäft einsteigen willst, Johnny, dann stell sicher, dass du jedes Haar von deinem Körper wegrasierst», riet Fairbanks. «Haare sehen auf der Leinwand schmutzig aus. In Wahrheit sind sie schmutzig, und sie stinken, und sie sind wahrscheinlich nicht einmal hygienisch.»

Sein Vater, schreibt Johnny Weissmüllers Sohn, sei nicht sicher gewesen, was das Wort «hygienisch» bedeutete. Aber er habe gegrinst und zustimmend genickt.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt