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Wie sich Berater durch den Arbeitsalltag schummeln

Fast ein Drittel der Mitarbeiter einer grossen Beratungsfirma täuschen den Workaholic nur vor. Das zeigt eine Studie aus den USA.

24-Stunden-Betrieb: Der Canary-Wharf-Komplex in den Londoner Docklands.
24-Stunden-Betrieb: Der Canary-Wharf-Komplex in den Londoner Docklands.
Reuters

Unternehmensberatern eilt ihr Ruf voraus. Er lautet ungefähr so: 24 Stunden erreichbar auf allen Kanälen, den ganzen Tag im Büro oder auf Dienstreisen, kaum Schlaf.

Dass dieser Ruf nicht immer der Realität entspricht, hat Erin Reid, eine Juniorprofessorin der Boston University, in einer Studie herausgefunden. Sie untersuchte zwar nicht die ganze Beratungsbranche, sondern befragte lediglich 115 Mitarbeiter einer grossen internationalen Beratungsfirma mit Sitz im amerikanischen Boston, analysierte Mitarbeiterbewertungen und andere mitarbeiterbezogene Daten der Personalabteilung.

Das sind Reids Erkenntnisse, die sie in der Wissenschaftszeitschrift Organization Science veröffentlichte:

  • Viele Mitarbeiter arbeiteten lang und waren immer erreichbar. Sie taten, was das System und ihre Vorgesetzten von ihnen verlangten und wurden dafür honoriert.
  • Andere Mitarbeiter wehrten sich, sie forderten flexiblere Arbeitszeiten oder verlangten weniger Dienstreisen. Dafür erhielten sie von ihren Chefs schlechte Noten.
  • 31 Prozent der männlichen und 11 Prozent der weiblichen Berater täuschen lediglich vor, beschäftigt zu sein.

Wie machen sie das?

  • Sie suchen sich Kunden in der Nähe ihrer Arbeitsorte, um weniger reisen zu müssen.
  • Sie gehen früher in den Feierabend, verheimlichen dies aber gegenüber ihren Chefs.
  • In den Ferien machen sie früh am Morgen und spät am Abend einige Telefonate, bleiben im Firmennetz eingeloggt – und erwecken so den Anschein, als würden sie kontinuierlich arbeiten.
  • Junge Eltern vereinbaren, einander zu decken, sodass sie alle weniger Zeit im Büro verbringen müssen.

Frauen sind ehrlicher – zu ihrem Nachteil

Frauen gehen anders vor als Männer. Weibliche Berater kommunizieren ihre Abwesenheit, sie fordern gegenüber ihren Chefs geregeltere Arbeitszeiten oder mehr Freizeit. Die Folge: Sie erhielten häufiger schlechte Bewertungen – obwohl sie gleich viel und gleich gut arbeiteten als Mitarbeiter, die den Workaholic nur vortäuschten.

Mit viel Zeit im Büro und Dauerverfügbarkeit trumpfen Mitarbeiter aus Sicht ihrer Vorgesetzten auf – auch wenn ihre Leistungen dadurch nicht unbedingt besser sind.

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