Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser auf die neueste Version, oder wechseln Sie auf einen anderen Browser wie ChromeSafariFirefox oder Edge um Sicherheitslücken zu vermeiden und eine bestmögliche Performance zu gewährleisten.

Zum Hauptinhalt springen
Werbung
Weiter nach der Werbung

«Was auf meinem Grabstein stehen soll? Lieber du wärst tot als ich»

Fenster runter, Arm raus: FJW mit seinem Porsche Carrera 911, Baujahr 1984, dark blue, 231 PS und 250 km/h Höchstgeschwindigkeit, vor der Paris Bar in Berlin-Charlottenburg.
Weiter nach der Werbung

BaZ Sie sind der bekannteste Kolumnist Deutschlands.

Haben Sie heute schon geschrieben?

Und wenn Sie eine Kolumne schreiben müssten? Wir haben jetzt halb drei. Wären Sie schon fertig?

Das heisst, Sie schauen morgens in die Zeitungen und denken sich: Die Waldbrände – das ist mein Thema? Oder gehen Sie schon mit einer Idee ins Bett?

Und wenn der Tag kein Thema hergibt?

Verdammen Sie sich manchmal, diese Verpflichtung eingegangen zu sein, täglich eine Kolumne zu schreiben?

Wie werfen Sie den Maschinenraum an?

Ausser freitags.

Einem Roman?

Was soll das sein?

Ja.

Kommen Sie gut voran?

Sind Sie nicht zufrieden damit?

Sie haben kürzlich über die Waldbrände in Griechenland geschrieben. Da lautete der erste Satz: «Das schlimmste Wort für Feuer ist die Hölle, der Ort der Qual, wo alle Sünder schmoren.»

Und der letzte: «Warum hat uns Gott dieses Feuer gegeben?» Das klingt natürlich gut, aber wahrscheinlich war es ganz profane Brandstiftung.

Leiden Sie wirklich mit, wenn Sie diese Tragödie beschreiben, oder ist das Pose? Erzeugen Sie mit Ihren sprachlichen Mitteln einfach eine Stimmung, die Sie selbst gar nicht empfinden?

Weshalb das biblische Motiv?

Stört es Sie nicht, dass Sie auf dem beschränkten Platz, den Sie mit der Kolumne haben, vieles nur antippen und kaum etwas erklären können?

Manchen tun diese Zeilen offenbar weh. Die TAZ schrieb einmal über Sie: «Gerne gönnen wir uns morgens seine Kolumne als erste Zärtlichkeit des Tages. Oder als erste Ohrfeige.»

Und die Kritik in den sozialen Medien? Schauen Sie manchmal nach, was da über Sie geschrieben wird?

Was ist das schönste Lob, das Sie für Ihre Briefe erhalten haben?

Den verstorbenen FAZ-Herausgeber»…

Gibt es Themen, über die Sie keine Briefe schreiben?

Im «Brief an Deutschland» schreiben Sie, Ihre Heimat sei Ihnen mit dem Grundgesetz geschenkt worden.

Erinnern Sie sich an die Flucht mit Ihrer Mutter?

Gibt es Geräusche, die Sie aufschrecken lassen?

Wie fanden Sie die Flüchtlingspolitik von Angela Merkel im Herbst 2015? Diese Willkommenskultur?

Kann man diesen Fehler wiedergutmachen?

Welchen Brei?

Verschluckt sich Deutschland gerade?

Kennen Sie Angela Merkel?

Reagiert sie auf Ihre Briefe?

Was wird von ihr bleiben?

Probleme sehen Sie keine?

Sind Sie eigentlich ein offener Mensch?

Stimmt es, dass Sie nur Weisswein trinken?

Kein Bier, kein Rotwein?

Weshalb trinken Sie keinen Rotwein? Schmeckt er Ihnen nicht? Oder bringt er die dunklen Seiten zum Vorschein?

Wahrscheinlich höchstens verkatert.

Es soll vorkommen, dass Sie zum Weinhändler Klemke hier um die Ecke gehen und «sechs Flaschen Weisswein, eine gekühlt» bestellen…

Was trinken Sie? Riesling? Sauvignon?

Das haben wir aufgeschnappt. Se non è vero, è ben trovato.

Schreiben Sie nüchtern, oder benützen Sie manchmal Literatenwasser, um das Ganze schön fliessen zu lassen?

Wo trinken Sie am liebsten?

Sie sagten einmal, Sie sässen in der Paris Bar immer mit dem Gesicht zur Tür und warteten, dass die Frau Ihrer Träume eintrete…

Kann man sagen, dass Sie gar nicht anders können, als alleine zu leben?

Man sagt über Hemingway, dass er nur einen neuen Roman schreiben konnte, wenn er eine neue Frau hatte.

Denken Sie manchmal, Sie hätten mehr aus Ihrem Talent machen können?

Haben Sie noch Träume?

Warum nicht?

Sie mögen Hunde?

Der Hund soll Selbstmord begangen haben, weil er von Ihnen getrennt war?

Für die Geschichte wäre es besser, er hätte sich aus Sehnsucht umgebracht.

Erinnern Sie sich an Ihre Träume als junger Mann?

Und Ihre Bilanz?

Wann?

Wie sieht Ihr Tag dort aus?

Erzählen Sie mal.

Finden Sie die gut?

Das machen Sie alles allein…

Was lesen Sie?

Wie geht es weiter?

Weshalb nur eine halbe Flasche?

Ein perfekter Tag?

Wie sind Sie auf St-Tropez gekommen?

Haben Sie noch Kontakt zu Bekannten aus diesen Tagen?

Diese Gefahr besteht bei Ihnen nicht?

Was wäre schlimmer?

Was wäre die Handlung?

Sind Sie schon Mitglied?

Denken Sie an den Tod?

Es muss ja nicht gerade heute sein…

Kannten Sie ihn gut?

Erwähnte er nicht, dass er aus dem Leben scheiden wolle?

Was soll einmal auf Ihrem Grabstein stehen?

Und?

Ernsthaft?

Sie sind auch erst 75. Da stirbt sichs nicht so leicht…

Klar.

1947, 1960, 1976.

Beunruhigt Sie das?

Und still rocking…

Nein, Sie. Sie schreiben ja noch jeden Tag. Das muss man auch erst einmal schaffen: so zu leben und die Sprache nicht zu verlieren.

Was würde passieren, sollten Sie die Kolumne verlieren?

Wie wird es enden?