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Warum habe ich keine Freunde?

In dieser Rubrik beantworten unsere Redaktorinnen und Redaktoren häufig gegoogelte Fragen.

Zeit, aber keine Kumpels? Das kann vorkommen. Und lässt sich ändern. (Bild: Getty Images)
Zeit, aber keine Kumpels? Das kann vorkommen. Und lässt sich ändern. (Bild: Getty Images)

Auf den sozialen Netzwerken gibts den Hashtag #nonewfrieds. Nutzer posten darunter Gruppenfotos von jungen, gut gelaunten Menschen, die sich offenbar seit dem Sandkasten kennen und auch 20 Jahre später eine super Zeit miteinander verbringen. Botschaft: «Was kümmert mich die Welt da draussen, ich machs mir hier mit meinen alten Kumpels gemütlich.»

Nun überlegen Sie vielleicht, ob Ihr Bekanntenkreis genügend Leute für ein Gruppenbild hergäbe. Nicht? Mit diesem Problem sind Sie nicht allein. Im Gegenteil. Mit Freunden verhält es sich ähnlich wie mit Kleidungsstücken: Ab und zu muss man einige aussortieren, von manchen kann man sich nicht trennen, und andere kommen abhanden, ohne dass man genau weiss, wie. Manchmal auch die treuen Begleiter, die immer und überall dabei waren. Sie merken das vielleicht, wenn Sie sich am Sonntagnachmittag spontan auf einen Kaffee verabreden wollen und ein Handy voller Kontakte haben, aber niemanden, den Sie einfach so anrufen könnten.

Viele Freunde zu haben, ist offenbar ein Privileg der Jugend. Den grössten Knick erfährt die Freundeskurve laut Forschern, wenns auf die 40 zugeht. Wenn die meisten Menschen Kinder bekommen und Karriere machen und das Schmiermittel jeder menschlichen Beziehung fehlt: Zeit.

Warum aber schliessen Junge leichter Bekanntschaften? Abgesehen vom Zeitfaktor, ist die Antwort banal: Es ist oft Zufall, mit wem wir uns anfreunden. Was vertraut ist, erscheint uns sympathischer. Also auch der Kumpel, der jeden Tag in der Schule neben einem sitzt. Irgendwann wird er halt zum besten Freund. Weil wir in jungen Jahren planlos und nicht wählerisch sind und gemeinsam viel durchmachen. Denn es ist ja schon so: Richtige gute Freunde sind jene, die uns in absolut unvorteilhaften Situationen erlebt haben (und uns trotzdem noch mögen). Wem ich mich komplett verkatert oder verheult zeigen kann, der scheint es ernst zu meinen.

Was tun, um die Löcher im sozialen Netz zu stopfen, die sich im Lauf des Lebens nun mal ergeben? Eigentlich einfach: Zufall durch Planung ersetzen. Also die Nachbarin auf ein Glas Wein einladen, den netten Vater aus dem Babyschwimmkurs zum Sport mitnehmen. Und, klar, Zeit investieren. Ungewohntes wagen. Ab und zu lunchen mit der Bürokollegin macht noch keine neue Freundin. Das erfordert natürlich Überwindung. Man will ja nicht lästig sein oder verzweifelt wirken. Oder so, als wäre man auf Aufriss aus. Aber keine Sorge: Auf Instagram gibts auch den Hashtag #newfriendships, und die Leute auf diesen Bildern sehen nicht so aus, als wären sie alle in ihren Zwanzigern.

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