Zum Hauptinhalt springen

«Verbote von religiösen Symbolen sind kontraproduktiv»

Religiöse Symbole provozieren Debatten und Gerichtsurteile. Staatsrechtler Andreas Kley plädiert im Interview für religiöse Toleranz.

Nach der Kopftuch-Debatte von Heerbrugg wartet man auf den Bundesgerichtsentscheid im Fall von zwei albanischen Mädchen in Bürglen TG. Ihnen hatte die Schule das Kopftuch verboten. Wie wird das höchste Gericht entscheiden? Ich glaube nicht, dass es ein Kopftuchverbot unterstützt. Das ginge in Richtung eines laizistischen Staates, der die Religion bekämpft. Das Kopftuch bedeutet ja keine funktionelle Störung des Schulunterrichts. So wenig ein chinesisches Mädchen den Unterricht stört, so wenig tut das ein Mädchen mit Kopftuch.

Und eine Lehrperson? In Kriens LU gibt eine Kindergärtnerin zu reden, die mit Kopftuch unterrichtet. Bei religiösen Symbolen stellt sich immer die Frage, wer sie in die Öffentlichkeit bringt. Macht das der Kanton, die Schulgemeinde, die politische Gemeinde oder eine staatliche Behörde, so ist das etwas ganz anderes, als wenn eine Privatperson das macht. 1998 bestätigte das Bundesgericht ein Kopftuchverbot für eine Lehrerin in Genf. Als Repräsentantin des Staates oder der Gemeinde muss sich eine Lehrerin viel neutraler und zurückhaltender benehmen als Schülerinnen.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.