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Terrortunnelblick

Wie in ganz Europa die Vorurteile gegenüber Israel und den Juden zunehmen ist beschämend. Schlussendlich finanzieren wir allerdings den Terror.

Erkennbar ist die Grenzmauer zwischen Israel und Libanon. Genau dort wollten die Hisbollah einen Tunnel graben.
Erkennbar ist die Grenzmauer zwischen Israel und Libanon. Genau dort wollten die Hisbollah einen Tunnel graben.
Keystone

Die Luft ist voll von Staub, aufgewühlt durch das Wirken massiver Bagger, das eine klare Sicht auf die Szenerie beinahe verunmöglicht. Aber natürlich werden dadurch die Sinne nicht vernebelt, dafür ist der Fall zu klar: Die israelische Armee arbeitet im Grenzgebiet zum Libanon auf Hochtouren an der Zuschüttung von mindestens vier Tunneln, mit denen die Terrororganisation Hizbollah auf israelisches Territorium eindringen wollte.

Nicht einmal die Uno, ansonsten ein beachtlich engagierter Partner, wenn es um die Denunziation Israels geht, wollte ob dieser Eindeutigkeit das bekannte Lied der Schuldumdrehung anstimmen. Die Terrortunnel, die laut UN Watch – einer Nichtregierungsorganisation mit aussergewöhnlichem Leistungsausweis, wenn es um das oft skandalöse Verhalten der Vereinten Nationen geht – offensichtlich von Iran orchestriert und grosszügig finanziert wurden, sind ein weiterer klarer Beweis, wie sehr die einzige Demokratie im Nahen Osten weiterhin akuter Gefahr ausgesetzt ist. Das ist, nun ja, keine neue Erkenntnis – und doch überrascht es immer wieder, wie gleichgültig damit umgegangen wird.

Schlimmer noch; wie in Europa die Ressentiments gegenüber Israel und Juden zunehmen, ist nicht nur beängstigend, sondern vor allem beschämend. In Frankreich hat die Massenflucht von Juden nach Israel schon vor Jahren begonnen, in Deutschland plappern die Politiker noch immer davon, «dass Israels Sicherheit deutsche Staatsräson sei», während die Jerusalem Post glaubhaft berichtet, dass Kanzlerin Angela Merkel die rumänische Regierung aufgefordert hat, ihre Botschaft nicht nach Jerusalem zu verlegen. Der Verdacht, die für Deutschland lukrativen Beziehungen mit Iran nicht zu gefährden, liegt nahe. Gerade darum, weil die deutsche Regierung sich noch immer nicht zu den Vorwürfen äussern will.

Angst vor Übergriffen

Zeitgleich äussern Juden immer mehr Sorge, sich in der Öffentlichkeit als solche erkennbar zu zeigen – aus Angst vor Übergriffen. In Berlin sind mehrere Fälle bekannt geworden, dass jüdische Kinder die Schule wechseln mussten, weil sie, mehrheitlich von Muslimen, massiv angegangen wurden. Manche haben sogar das Land verlassen. Dass Deutschland – und auch die Schweiz – gleichzeitig Millionen von Euro und Franken an das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten (UNRWA ) zahlen, obschon dieses Geld für Renten von Terroristen und antisemitische Schulbücher, die stetig radikaler werden, verwendet wird, ist eine atemberaubende, fassungslos machende Pointe.

Es wird gerne weggeschaut

Wir finanzieren den Terror. Und kaum einen interessierts: Es wird gerne weggeschaut bei dieser Problematik – aus Überzeugung, aus Unwissen? Als hätten wir den Tunnelblick. Wir machen uns damit mitschuldig. Die Politiker hören das nur ungern, aber gerade die mit Antisemitismus provokant unkritisch umgehende Linke fühlt sich ertappt.

In der BaZ schrieben sich zuletzt SP-Vertreter die Finger wund; sie wollten zeigen, wie sehr sie sich für die Juden einsetzen. Ihre Argumente waren so lausig, dass sich auch der Roland Stark darüber enervierte: «Ach, hätten sie doch geschwiegen!» (BaZ vom 19.12.18). Den ehemaligen SP-Partei- und Fraktionspräsidenten, den ich für seine klaren Meinungsbeiträge sehr schätze, auch wenn ich nicht immer mit ihnen übereinstimme, schrieb aber auch: «Die» SP ist nicht judenfeindlich. Das mag sein. Aber wie viele Genossen erheben ihre Stimme wirklich für die Juden, wie sie es sonst für Minderheiten in vorauseilendem Gehorsam so gerne tun?

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