Sollen Paare ihre Passwörter austauschen?

Hintergrund

Die Beziehungsfrage mit Sicherheitsrisiko: Darf er ihr Blackberry einsehen? Sie an seinen Facebook-Account ran? Wir haben die Antworten.

«Ich hacke das Passwort meines Partners! Aber meins erfährt er nicht!» Paar an getrennten Computern.

«Ich hacke das Passwort meines Partners! Aber meins erfährt er nicht!» Paar an getrennten Computern.

Zur Beantwortung der Passwort-Frage gilt es bei Paaren zunächst ein paar Umstände abzuklären. Etwa: Gab es den Account, der zur Diskussion steht, schon vor dem Partner? Was ist, wenn praktischerweise jemand kurz die Mails checkt für einen? Oder andersrum und kalauriger, was, wenn Passwörter tatsächlich sind wie Unterwäsche: Wechsle sie oft, teile sie nicht mit Freunden, lass sie nicht herumliegen?

Ob Sommerfrage oder sicherheitsrelevant, es gibt ganz generelle Umfragen. Eine Website – www.gutefrage.net – zeigt, dass bloss 32 Prozent fürs Teilen sind, derweil eine Minderheit von 4 Prozent meint: «Ich hacke das Passwort meines Partners! Aber meins erfährt er nicht!» Auch eine Haltung.

Es droht neuerdings eine Avatar-Affäre

Auf Slate.com figuriert die Frage, ob man Passwörter mit dem Partner teilen soll, in der Rubrik «Digital Manners» – es geht um mehr als um Informationsaustausch. Passwörter zu kennen, heisst ja nicht in jedem Fall automatisch, sie zu benützen. Und es gibt den nicht so aussergewöhnlichen Fall, dass man vielleicht dürfte, aber nicht will. Es geht, so betrachtet, vielmehr um Stil – eines der obersten Gebote in guten Zeiten, leider oft etwas zweitrangig in schlechten Zeiten. Wer steht schon immer stilsicher ewig ungelöste Fragen, amouröse Zweifelsfälle und Vertrauenskrisen durch? Was ist, wenn sich eine «Avatar-Affäre» abzeichnet? Wie viel Haltung bleibt, wenn sie einem gebieten müsste, sein Tagebuch, ihre Mails eben nicht zu öffnen? Obschon man den Schlüssel dazu in den Händen hält.

Früher hörte man ohnehin mit: ein Telefon für die ganze Familie, nur wenn ein Gast den Apparat benutzte, verliess man den Raum. Ist es heute, da jeder überall ungestört eins zu eins kommuniziert – und jeder anonyme Mensch mithört –, tatsächlich ein Zeichen der Liebe, die Liebsten am Nachrichtenstrom teilhaben zu lassen? Also via Passwort einerseits jemandem diesen Zugang zur Privatsphäre zu gewähren, anderseits diesen gewährt zu bekommen, und gleichzeitig die Grösse zu haben, die Zone dann doch nur höchstens auf explizite Einladung zu betreten? (Lesen Sie auch: Weshalb Frauen sich auf Facebook langweilen)

Abmachungen treffen – aber nicht zu viele

Bekanntlich führt Liebe, so sie denn irdisch wird, zu Abmachungen. Dabei gibt es ein paar Kleinigkeiten zu klären. Experten schlagen den neuen Dreischritt vor: Wollen wir gemeinsame Kinder, ein gemeinsames Konto, gemeinsame Passwörter? Wer findet, Privatsphäre muss sein, hat mit den ersten beiden genug zu tun.

Deshalb unsere Antwort: Gemeinsame Passwörter sind überflüssig. Zum einen verlangen die eigenen Codes schon mehr als genug Management und Memorierungsleistung. Zum anderen hält, wer nicht alles teilen will – auch nicht sein E-Leben– nichts von Wir-teilen-alles-Pseudonähe. Wozu denn all die wunderbaren Erfindungen wie E-Mails und Handys? Privatsphäre schützt den Partner und einen selbst, alles andere ist viel zu schwer zu handhaben. Bei geteilten Passwörtern sind Fauxpas wegen der komplizierten Zugangsberechtigung geradezu vorgegeben.

Ausserdem – noch hat uns der Sommer – empfehlen selbst professionelle Netznutzer gelegentliche Unerreichbarkeit und etwas mehr Offline-Leben– dies erreicht man besser ohne Passworttausch.

Und welches ist Ihre ganz persänliche Meinung? Hier gehts zur Diskussion.

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baz.ch/Newsnet

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