So werden wir Männer-Versteher

Amerikanische Psychologen haben einen Leitfaden für den Umgang mit dem Mann herausgegeben.

Mit diesem Video möchte die American Psychological Association Jungen und ihren Eltern zeigen, dass es gesund ist, Emotionen zu zeigen – Jungs dürfen weinen. Teaserbild: Pexels/ Video: Youtube

Aleksandra Hiltmann@thisisAleksa

Zum ersten Mal ihrer Geschichte gibt die American Psychological Association einen Leitfaden für den psychologischen Umgang mit Männern und Jungen heraus. Dreizehn Jahre wurde daran gearbeitet, Forschung aus 40 Jahren fand darin Eingang. Das Resultat birgt Sprengkraft: «Traditionelle Männlichkeit» gefährde die Gesundheit. Wie das?

Die Forschenden gehen dabei von einer «Traditionelle Maskulinitäts-Ideologie» (Traditional masculinity ideology) aus. Diese assoziieren sie mit Anti-Weiblichkeit, Leistung, Abenteuer, Risiko und Gewalt. Zudem mit der Vermeidung, Schwäche zu zeigen.

Dies schade sowohl der psychischen als auch der physischen Gesundheit von Jungen und Männern und wirke sich negativ auf die Gesellschaft aus. Denn: Die traditionelle maskuline Ideologie behindere die psychologische Entwicklung von Jungen und Männern, schränke ihr Verhalten ein und führe zu Konflikten betreffend Geschlechterrollen.

Männer und Jungen würden zwar dazu tendieren, Privilegien und Macht aufgrund ihres Geschlechts zu haben, aber, so schreiben die Psychologen in ihrem Leitfaden: Sie seien auch überproportional betroffen von Disziplinierungsmassnahmen und Leistungsdruck. Das führe unter anderem dazu, dass sie schneller entlassen werden oder von der Schule fliegen. Weiter würden Männer überdurchschnittlich stark unter psychologischen Problemen leiden, weltweit gesehen, dreieinhalb Mal so oft, wie Frauen Suizid begehen.

Leiden, Leid verursachen, keine Hilfe holen

Auch die physische Gesundheit leide mehr als bei Frauen. Männer hätten eine geringere Lebenserwartung, wiesen häufiger Herzprobleme auf. Es seien auch zu 77 Prozent Männer, die Opfer von Tötungsdelikten werden in den USA. Zu 90 Prozent seien sie dort allerdings auch Täter, was die Forschenden zu einem weiteren Punkt bringt: Traditionelle Männlichkeit gefährdet nicht nur die psychische und physische Gesundheit von Männern selbst, sondern auch jene ihres Umfeldes, etwa durch Gewalt oder Drogenkonsum. Auch Homophobie, Frauenfeindlichkeit und Aggression, Mobbing und sexuelle Belästigung stellen die Psychologen in Zusammenhang mit der traditionellen Männlichkeits-Ideologie.

Gleichzeitig würden Jungen und Männer aufgrund ihrer zugeschriebenen und verkörperten Rolle zu wenig oder keine adäquate Hilfe aufsuchen, annehmen oder erhalten.

Mit dem Leitfaden wollen die amerikanischen Psychologen ihre Fachkolleginnen und Fachkollegen für das Problem sensibilisieren. Ziel: Männliche Patienten sollen eine individuelle Behandlung erhalten, die nicht geleitet ist von schädlichen Rollenbildern. Dazu gehört laut der American Psychology Association etwa, dass Psychologen anerkennen, dass Männlichkeit konstruiert sei und auf sozialen, kulturellen und kontextuellen Normen beruhe. Oder etwa, dass sich soziale Identitäten über das Leben eines Mannes hinweg wandeln könnten. Es gilt, dies auch den männlichen Patienten zu vermitteln, ebenso wie diese zu motivieren, sich mit Verhaltensmustern in der Familie auseinanderzusetzen oder mit der eigenen Gesundheit.

Alle Empfehlungen des Leitfadens können Sie hier nachlesen: APA GUIDELINES for the Psychological Practice with Boys and Men

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