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Selfie für Allah, Ärger für die Sittenwächter

«Wer Selfies macht, widersetzt sich dem Propheten»: Islamische Religionsführer sind empört über die jüngste Leidenschaft der Mekka-Pilger. Doch #hajj2014 ist nicht aufzuhalten.

Die quaderförmige Kaaba: Sie beherbergt den Schwarzen Stein, der von den Pilgern während des Hadschs berührt und siebenmal umrundet werden muss.  (4. Oktober 2014)
Die quaderförmige Kaaba: Sie beherbergt den Schwarzen Stein, der von den Pilgern während des Hadschs berührt und siebenmal umrundet werden muss. (4. Oktober 2014)
Reuters
Angereist sind auch in diesem Jahr Millionen Pilger. (4. Oktober 2014)
Angereist sind auch in diesem Jahr Millionen Pilger. (4. Oktober 2014)
Reuters
Reihenweise entstehen neue Hoteltürme: Die Stadt verändert sich rasend schnell.
Reihenweise entstehen neue Hoteltürme: Die Stadt verändert sich rasend schnell.
Reuters
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Wie jedes Jahr pilgern Millionen Muslime nach Mekka. Doch etwas ist diesmal anders. Unter islamischen Gelehrten geht die Angst um, die Pilger könnten die Heiligkeit Mekkas beflecken.

Die Ängste der Religionswächter gründen aber nicht etwa auf einer möglichen Ausbreitung des Ebola-Erregers oder des gefährlichen Coronavirus MERS unter den Muslimen aus aller Welt, die sich seit Donnerstag in der heiligen Stadt Mekka aufhalten. Sie fürchten auch nicht eventuelle Anschläge von islamischen Extremisten.

Was ihnen Unbehagen bereitet, nennt sich #hajjselfie und verbreitet sich derzeit auf Facebook, Twitter und dem Bilderdienst Instagram. Unter dem Hashtag #hajjselfie oder auch #hajj2014 veröffentlichen Pilger auf sozialen Netzwerken ihre Selbstporträts während des Hadschs, der wichtigsten Pilgerfahrt im Islam.

Tausendfach finden sich Bilder von in weisse Gewänder gehüllten Muslimen - mal am Rande der Heiligen Moschee von Mekka, mal im Reisebus auf dem Weg zur Unterkunft, vor allem aber unmittelbar vor der heiligen Kaaba.

Die quaderförmige Kaaba beherbergt den Schwarzen Stein, der von den Pilgern während des Hadschs berührt und siebenmal umrundet werden muss. Doch mit dem Selfie-Trend scheint neben der Umrundung nun auch das Porträt zur Pflicht zu werden.

Auf Instagram sind Bilder zu sehen, auf denen sich ganze Familien oder Gruppen vor der Kaaba drängen, damit auch ja alle ins Bild passen. Profis bringen gar Teleskophalterungen oder Weitwinkelkameras mit, um grössere Bildausschnitte zu erreichen.

Posieren statt beten

«Es scheint, als sei das einzige Ziel des Hadsch, nur noch Erinnerungsfotos zu machen anstatt zu beten», wetterte der Gelehrte Scheich Abdul Rassak al-Badr in der saudi-arabischen Tageszeitung «Arab News». Er habe Muslime gesehen, die nur so täten, als würden sie beten - in Wahrheit hätten sie vor dem Sonnenuntergang posiert. «Und dann kommen sie nach Hause und sagen: Schaut, da war ich am Berge Arafat!»

Auch der saudi-arabische Prediger Scheich Assim al-Hakim kritisierte die Selfie-Obsession der Pilger als Eitelkeit. Prophet Mohammed habe nach einer Überlieferung gesagt, er wünsche sich den Hadsch ohne jegliche Prahlerei. «Wer also Selfies und Videos von sich macht, widersetzt sich dem Wunsch unseres Propheten.»

Und der ehemalige Grossmufti von Ägypten, Ali Guma, beschimpfte in einem Fernsehinterview die Selfies schlicht als «Clownerie».

Der Hadsch ist eine der fünf Glaubenssäulen des Islam. Jeder fromme Muslim, der gesund ist und es sich leisten kann, sollte einmal im Leben nach Mekka pilgern. In diesem Jahr nehmen nach Angaben des saudischen Hadsch-Ministeriums 1'388'246 ausländische Wallfahrer an dem Ritus teil, aus Saudiarabien selbst dürfte eine weitere Million Pilger hinzukommen.

Der Trend zum Hadsch-Selfie hat aber längst eine Gegenbewegung hervorgerufen: Pilger fotografieren Pilger, die sich beim Pilgern fotografieren - um deren Frevel für die sozialen Netzwerke festzuhalten.

SDA/ldc

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