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Papst beklagt Ich-Bezogenheit und Beschleunigung

Benedikt XVI. hat in Rom den Segen «Urbi et Orbi» erteilt. Trotz schnellerer Fortbewegung und zeitsparender Geräte bliebe immer weniger Zeit für Gott, aber auch für Kinder, Arme und Fremde, sagte er.

«Entscheidender Schritt zu Frieden und Sicherheit»: Patriarch Fuad Twal umarmt Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas in der Weihnachtsmesse in Bethlehem. (25. Dezember 2012)
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AFP
War im Fernsehen in 3D zu sehen: Die britische Königin Elizabeth II. bei der Aufzeichnung ihrer traditionellen Weihnachtsansprache. (7. Dezember 2012)
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Reuters
Auch das gibt es: Pinguine mit Weihnachts-Kleidchen und eine Wärterin im Hakkeijima Sea Paradise von Yokohama, Japan. (19. Dezember 2012)
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AFP
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Vor Tausenden Gläubigen hat Papst Benedikt XVI. auf dem Petersplatz in Rom seinen Segen «Urbi et Orbi» gespendet. In seiner traditionellen Weihnachtsbotschaft betete er am zweiten Feiertag für ein Ende des Blutvergiessens in Syrien und Frieden im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern.

Die Bevölkerung Syriens sei zutiefst verletzt und geteilt durch einen Konflikt, der nicht einmal die Wehrlosen verschone und unschuldige Opfer hinwegraffe, sagte Benedikt.

«Noch einmal rufe ich dazu auf, das Blutvergiessen zu beenden, die Hilfeleistungen für die Flüchtlinge und Evakuierten zu erleichtern und auf dem Weg des Dialogs eine politische Lösung für den Konflikt zu verfolgen», sagte der 85-Jährige.

Friedensappell

An die Konfliktparteien im Nahen Osten appellierte der Papst, den Mut zu finden, allzu vielen Jahren der Kämpfe und Spaltungen ein Ende zu setzen und mit Entschiedenheit den Verhandlungsweg einzuschlagen.

Mit Blick auf die nordafrikanischen Länder, insbesondere Ägypten, äusserte der Papst in seinem Weihnachtssegen die Hoffnung, dass sie nach dem Arabischen Frühling «Gesellschaftsformen aufbauen, die auf die Gerechtigkeit und auf die Achtung der Freiheit und der Würde jedes Menschen gegründet sind».

Sorge um Christen in aller Welt

Ausserdem äusserte sich das Oberhaupt der katholischen Kirche besorgt über die Lage in Mali, dessen Norden von Islamisten beherrscht wird, sowie Nigeria und Kenia, wo vor allem Christen immer wieder Opfer von Anschlägen werden.

Auch auf den Mitte November eingeleiteten Führungswechsel in China ging der Papst ein. Die neue Führung in Peking solle es den Religionen erlauben, ihren Beitrag beim «Aufbau einer solidarischen Gemeinschaft» zu leisten.

In den vergangenen Jahren hatte es immer wieder Spannungen zwischen dem Vatikan und der Volksrepublik gegeben. Die Katholiken in China sind gespalten in eine Kirche, die dem Vatikan die Treue hält, und eine Kirche, die der kommunistischen Führung in Peking nahesteht.

«Urbi et Orbi»

Nach der Weihnachtsbotschaft erteilte der Papst den apostolischen Segen «Urbi et Orbi» – der Stadt und dem Erdkreis. Vor Zehntausenden Menschen auf dem Petersplatz und Millionen Fernsehzuschauern in aller Welt verlas er in 65 Sprachen Weihnachtsgrüsse.

Schon in der Mitternachtsmesse im Petersdom am Heiligen Abend hatte Benedikt für Frieden im Nahen Osten gebetet. Benedikt rief zu einem Ende der Gewalt und einem friedlichen Miteinander von Christen und Muslimen in der ganzen Region auf.

Zu wenig Platz für Gott

Zugleich beklagte der Papst die Ich-Bezogenheit in westlichen Ländern. «Je schneller wir uns bewegen können, je zeitsparender unsere Geräte werden, desto weniger Zeit haben wir», sagte er.

Das betreffe auch unser Denken und Fühlen. «Wir sind so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass kein Raum für Gott bleibt. Und deshalb gibt es auch keinen Raum für die anderen, für die Kinder, für die Armen und Fremden.»

Die Mitternachtsmesse war wie in den Vorjahren früher als sonst angesetzt, um dem Pontifex mehr Ruhe vor der Weihnachtsbotschaft zu gönnen. Als die zweistündige Messe zu Ende ging, wirkte der 85-Jährige erschöpft.

Messe in Bethlehem

Auch in Bethlehem stand der Nahost-Friedensprozess im Mittelpunkt: Der lateinische Patriarch Fuad Twal hofft nach der Aufwertung Palästinas zum Beobachterstaat durch die Vereinten Nationen auf neue Impulse in dem Konflikt.

Allein Gerechtigkeit und Frieden im Heiligen Land könnten zu einem regionalen und globalen Gleichgewicht führen, sagte der höchste Repräsentant des Vatikans im Heiligen Land bei der Mitternachtsmesse in der Geburtskirche in Bethlehem.

Patriarch Fuad Twal: Kraftanstrengungen für den Frieden

Vor Pilgern aus aller Welt hat zuvor der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fuad Twal, in Bethlehem zu besonderen Kraftanstrengungen für Frieden im Nahen Osten aufgerufen. Er fordere alle «Politiker und Gutwilligen» auf, sich «inmitten des Leidens im Nahen Osten» entschlossen für Frieden und Versöhnung einzusetzen, sagte er.

«Nur Frieden und Gerechtigkeit im Heiligen Land» könne für Stabilität in der Region und der Welt sorgen, sagte Twal in der Nacht zum Dienstag in seiner Predigt in der Mitternachtsmesse.

Neue Impulse im Nahostkonflikt erhofft sich der 72-jährige aus Jordanien stammende Würdenträger durch die Aufwertung Palästinas bei der UNO. Die Anerkennung Palästinas durch die Vereinten Nationen als Nicht-Mitgliedstaat mit Beobachterstatus «muss ein entscheidender Schritt in Richtung Frieden und Sicherheit für alle sein.»

Beten für Menschen in Konfliktgebieten

Twal forderte dazu auf, für die Menschen in Syrien, «die unaufhaltsam ohne Gnade sterben», zu beten. «Lasst uns für das ägyptische Volk, das für eine nationale Einheit, für Freiheit und Gleichheit kämpft, beten. Lasst uns für die Einheit und Versöhnung in Libanon, im Irak, im Sudan und in anderen Ländern der Region und der ganzen Welt beten.»

Zu der Messe in der Katherinen-Kirche neben der Bethlehemer Geburtskirche waren unter anderem Palästinenserpräsident Mahmud Abbas, sein Ministerpräsident Salam Fajjad sowie der jordanische Aussenminister Nasser Dschaudeh gekommen.

Prozession von Jerusalem nach Bethlehem

Tausende Christen aus aller Welt nahmen am Montag an den traditionellen Weihnachtsfeierlichkeiten im Heiligen Land teil. In Bethlehem kam am Nachmittag eine Prozession unter Leitung Twals an und wurde dort feierlich von christlichen Würdenträgern in Empfang genommen.

Die Wagenkolonne mit etwa 40 Fahrzeugen war aus Jerusalems Altstadt in das wenige Kilometer entfernte Bethlehem gefahren. Auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche in Bethlehem feierten Christen die Ankunft der Prozession. Mit Dudelsäcken und Trommeln zogen palästinensische Pfadfinder durch die Strassen der historischen Stadt, bevor Chöre aus aller Welt Weihnachtslieder sangen.

Nach christlicher Überlieferung ist Jesus in der Grotte geboren worden, die sich unter dem Altar der Kirche aus dem 6. Jahrhundert befindet. Nach Angaben der palästinensischen Tourismusministerin Rula Maaja sind in diesem Jahr etwa 15'000 Pilger aus aller Welt zu Weihnachten nach Bethlehem gekommen.

sda/dapd/kle/mw

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