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Nuthouse oder White House

Wenn US-Präsident Donald Trump und ehemaliger FIFA-Präsident Sepp Blatter leiden, leidet Christus mit.

Sepp Blatter und Donald Trump sind eng mit Christus verbunden.
Sepp Blatter und Donald Trump sind eng mit Christus verbunden.
Keystone

Was verbindet Sepp Blatter, den ehemaligen Fifa-Boss, mit Donald Trump, dem Präsidenten der USA? Beide sind Auserwählte und unschuldig Verfolgte. Von Gott auf die Erde geschickt, um die Menschheit von dem Bösen zu erlösen. «Ich habe gelitten, auch Christus hat gelitten», erklärte Blatter nach seinem Rücktritt, «aber jetzt geht es mir wieder gut.»

In einem Interview mit dem Sender Fox News gestand US-Energieminister Rick Perry, er habe Trump gesagt, er sei der «Auserwählte» und ihn in eine Reihe mit biblischen, ebenfalls «fehlbaren» Persönlichkeiten gestellt: König David, Saul, Salomon. «Ich sagte, wenn man ein gläubiger Christ ist, dann versteht man Gottes Plan für die Menschen, die uns auf diesem ­Planeten, in unserer Regierung, lenken und richten.»

Gleicher Meinung ist Trumps Pressesprecherin Sarah Sanders: «Ich denke, Gott ruft uns alle, um verschiedene Rollen zu verschiedenen Zeiten ­einzunehmen», sagte sie im ­christlichen Sender CBN News. «Und ich denke, er wollte, dass ­Donald Trump Präsident wird.»

«Damit kann ich nicht nur als schlau, ­sondern als Genie gelten … und als sehr stabiles Genie obendrein!»

Selbstverständlich hat Gott seinen irdischen Diener auch mit überdurchschnittlichen geistigen Gaben ausgestattet. «Die beiden grössten Aktivposten in meinem ganzen Leben waren geistige Stabilität und wirklich schlau zu sein», erklärte Trump im Januar 2018. «Ich wurde vom SEHR erfolgreichen Geschäftsmann zum Top-Fernsehstar und dann zum Präsidenten der Vereinigten Staaten (beim ersten Versuch). Ich meine, damit kann man nicht nur als schlau, ­sondern als Genie gelten … und als sehr stabiles Genie obendrein!»

Für Trumps Intelligenz gibt es harte wissenschaftliche Belege. Ronny Jackson, sein Leibarzt, ein Notfall­mediziner und Konteradmiral, der auch schon Barack Obama medizinisch betreut hatte, hat «keinerlei Bedenken, was seine geistigen Fähigkeiten anbelangt». Jackson prüfte beim Präsidenten zunächst Hirn­nerven, Reflexe, Gleichgewicht, Kraft und Sensibilität. Zur Einschätzung der kognitiven Fähigkeiten verwendete er den sogenannten MoCa-Test (Montreal Cognitive Assessment), der auch in der Memory Clinic der Universitären Altersmedizin Felix Platter angewendet wird. Der Test besteht aus acht Unterbereichen, in denen es um Kurzzeitgedächtnis, zeitliche Orientierung, Abstraktion und Aufmerksamkeit geht. Konkret musste Trump beispielsweise gezeichnete Tiere wie einen Löwen, ein Nashorn und ein Kamel benennen, sich fünf Wörter fünf Minuten lang merken, die Gemeinsamkeit von Orange und Banane finden und Datum, Wochentag und Ort nennen. Auch sollte er eine Uhr zeichnen, auf der es zehn Minuten nach elf ist. Der Test dauert insgesamt etwa zehn Minuten und verlief nach Aussage des Leibarztes erfolgreich. Trump sei geistig gesund und für das Amt des amerikanischen Präsidenten ausreichend gerüstet.

Mit seinen Leistungen bezüglich Gedächtnis, Orientierung und ­Aufmerksamkeit würde er es in einer durchschnittlichen Basler Sekundarschule mit grösster Mühe noch in den E-Zug schaffen.

Wer nach Belegen für die Qualifikation von Donald Trump sucht, wird jetzt in einem aktuellen Buch der beiden «Washington Post»-­Journalisten Philip Rucker und Carol Leonnig fündig: «Trump gegen die Demokratie. A VERY STABLE GENIUS».

Nach der Lektüre ist klar: Der MoCa-Test taugt nicht zur Beurteilung der geistigen Ressourcen des Präsidenten. Mit seinen Leistungen bezüglich Gedächtnis, Orientierung und ­Aufmerksamkeit würde er es in einer durchschnittlichen Basler Sekundarschule mit grösster Mühe noch in den E-Zug schaffen.

Weil der Präsident aus Prinzip keine Akten studiert, lassen seine Mitarbeiter 13 × 18 cm grosse «Spickzettel» in Form von Karteikarten herstellen, wie sie meine Töchter zum Lernen von Franzi-Wörtern benutzen. Für ein geplantes Telefonat nach Putins Wahlsieg wurden auf den Karten nicht nur Stichworte zu Gesprächsthemen notiert, sondern auch in Grossbuchstaben: «NICHT ZUM WAHLSIEG GRATULIEREN.» Eine Warnung, die Trump dann allerdings in den Wind schlug.

Von der Geschichte seines ­Landes weiss Trump wenig

Noch dürftiger sind seine Geografiekenntnisse. Als der indische Premierminister Narendra Modi Bedenken in Bezug auf Chinas aggressiver Vorgehensweise in der Region vortrug, antwortete Trump, «es ist ja nicht so, als würde China direkt vor ihrer Grenze stehen», winkte er beruhigend ab. Eine hanebüchene Einschätzung angesichts der Nachbarschaft beider Staaten.

Auch von der Geschichte seines ­Landes weiss er wenig. Beim Besuch der Gedenkstätte auf Pearl Harbor soll der mächtigste Mann der Welt seinen damaligen Stabschef John Kelly gefragt haben: «Hey, John, worum gehts hier? Was besichtigen wir gerade?» Er schien keine Ahnung von dem Angriff der japanischen Kampfbomber auf die US-Truppen im Jahr 1941 zu haben, der immerhin zum Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg führte.

Wer das Buch gelesen hat, wird ­wieder einmal dankbar sein für die Art Politiker, die unser Gemeinwesen regieren. Auch wenn sie vielleicht langweiliger sind als ein Präsident, den sein eigener Rechtsberater ­ungestraft «Rassist», «Hochstapler» und «Betrüger» nennen darf.

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