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Nada will nicht

Sie ist erst elf Jahre alt und lieber tot als verheiratet.

In einem Video, das bis heute Morgen auf Youtube mehr als sieben Millionen Mal angeklickt wurde, erzählt die elfjährige Nada al-Ahdal aus dem Jemen, weshalb sie von zu Hause weggelaufen ist. Sie ist energisch, aufgebracht, deutlich. Es geht um ihre Zukunft und auch um die Zukunft vieler gleichaltriger Mädchen. Sie sagt: «Lasst uns unsere Träume verwirklichen, und tötet sie nicht.» Ohne Träume scheint ihr das Leben nicht mehr lebenswert.

Ihre Eltern wollten die Elfjährige mit einem Landsmann verheiraten, der als Gastarbeiter in Saudiarabien arbeitet. Eine gute Partie. Er hat einen Job und somit etwas Geld, das Nadas Eltern, die auf dem Land leben, offenbar nötig haben. Ihm haben sie ihre Tochter versprochen.

Aber Nada will nicht. Meistens haben Mädchen im Jemen aber keine Wahl. Gemäss Human Rights Watch sind Zwangsheiraten im Land weitverbreitet. Rund ein Sechstel aller Mädchen werden dort schon vor ihrem 15. Geburtstag verheiratet und etwa die Hälfte, bevor sie 18 sind. Weltweit, so schätzt die Weltgesundheitsorganisation, werden jedes Jahr rund 14 Millionen minderjährige Mädchen verheiratet.

Der Onkel, ihre Rettung

Im Video erzählt Nada, wie auch ihre Tante gegen ihren Willen hätte verheiratet werden sollen. Weil sie für sich keinen Ausweg sah, zündete sie sich selber an und starb. Einige Kinder, sagt Nada, hätten sich auch ins Meer geworfen. Mädchen zu verheiraten, sei «kriminell, einfach kriminell».

Nada hatte eine Wahl – oder zumindest das Glück, einen Onkel zu haben, der sich für sie einsetzt. Gemäss Medienberichten lebte sie, seit sie drei Jahre alt ist, immer wieder bei ihm. Als die Eltern Nada über die bevorstehende Hochzeit informierten, floh sie zu ihm in die Hauptstadt Sanaa. Der Onkel, ein Fernsehtechniker, soll auch das Video mit Nada aufgenommen und auf Youtube gestellt haben. Das war am 8. Juli. Und noch fand das Video kaum Beachtung auf Youtube.

Anders dann ab dem 21. Juli. Wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt, hat das Middle East Media Research Institute (Memri) eine englische Übersetzung für das Video angefertigt und ebenfalls online gestellt. Von da an wurde das Video zum Quotenhit.

Propaganda des 21. Jahrhunderts

Am Video wird jedoch Kritik geübt: Hinter Memri stehen bekannte Neokonservative der USA, einst Kriegstreiber für George W. Bush. Kenner zweifeln nicht an der Echtheit des Videos, bezeichnen es aber als Propaganda des 21. Jahrhunderts, was Memri betreibe: gezielt extreme Stimmen übersetzen und in Umlauf bringen und damit ein einseitiges Bild der islamischen Welt verbreiten.

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