Missionare und Irrlichter im Gaga-Modus

Wer mit dem Hokuspokus von Uriella und ihrer Nachfolgerin nichts anfangen kann, dem bietet der Klimahype eine unterhaltsame Ersatzreligion.

Greta Thunberg wurde kürzlich zur Frau des Jahres gekürt und wurde für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, bevor es wohl bald nach Rom in den Vatikan zur Heiligsprechung durch den Papst geht.

Greta Thunberg wurde kürzlich zur Frau des Jahres gekürt und wurde für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, bevor es wohl bald nach Rom in den Vatikan zur Heiligsprechung durch den Papst geht.

(Bild: Keystone)

Anfangs der Siebzigerjahre stürzte Hedwig Bertschinger vom Pferd, schlug sich den Kopf auf und wurde zum Sprachrohr Gottes, weil sie von diesem Zeitpunkt an mit dem Heiland sprechen konnte. Sie gründete eine Sekte und nannte sich fortan Uriella, verkaufte ihr Badewasser und predigte den Weltuntergang sowie die Evakuierung ihrer Glaubensgemeinschaft mit Ufos zu fremden Himmelskörpern.

Uriella starb jedoch kürzlich völlig profan und ohne ausserirdischen Beistand. Als Nachfolgerin von Uriella sehen viele die 17-jährige Christina von Dreien. Die tingelt zusammen mit ihrer Mutter durch die Lande, predigt obskure Heilslehren und nimmt das menschliche Dasein als Komplexität von Quantenphysik, Neuropsychologie und Spiritualität wahr. Na so was!

Wer mit diesem Hokuspokus nichts anfangen kann, dem bietet der Klimahype eine unterhaltsame Ersatzreligion. Dazu passt die 16 Jahre alte schwedische Schülerin und Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg, welche zusammen mit ihrem Vater quer durch Europa pilgert. Greta leidet unter dem Asperger-Syndrom, eine Entwicklungsstörung, bei der Inselbegabungen symptomatisch sind. Ob eine solche auf einen Aspekt fokussierte Eigenschaft geeignet ist, die komplexen klimatischen Zusammenhänge zu verstehen, ist zu bezweifeln.

Pippi-Langstrumpf-Geschichten

Unter diesem Gesichtspunkt ist wohl auch ihre Aussage zu verstehen, wonach die Menschheit wegen der Klimaveränderung in Panik geraten sollte. Nur sollte eine mit wissenschaftlich strittigen Ursachen behaftete Problematik definitiv nicht im Zustand einer Panikattacke gelöst werden.

Greta Thunberg wurde kürzlich zur Frau des Jahres gekürt und wurde für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen, bevor es wohl bald nach Rom in den Vatikan zur Heiligsprechung durch den Papst geht. Man fühlt sich unweigerlich an die Pippi-Langstrumpf-Geschichten der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren erinnert, wo die Romanfigur auch schon mal eine Pille gegen das Erwachsenwerden schluckte.

Kriminalitätsnotstand ausrufen

Damals bei Uriella und heute bei Christina von Dreien oder bei einer anderen Sekte steht es jedermann frei, die Verkündungen zu glauben und dafür Geld aus dem Fenster zu schmeissen. Bei der Klimareligion ist es komplexer, weil der Obolus nicht individuell zu leisten ist, sondern dafür unsere Steuergelder verbraten werden.

Dass das rot-grüne Basel als erster Kanton den Klimanotstand ausgerufen hat, ist nicht weiter verwunderlich. Im Moment sprechen alle noch von Absichtserklärungen, wobei es wohl bald zu handfesten Verordnungen und Verboten kommen wird. Da der Kanton Basel-Stadt die schweizweit höchste Kriminalitätsrate aufweist und nationaler Spitzenreiter bei den Gewaltdelikten ist, wäre es angebrachter gewesen, den Kriminalitätsnotstand auszurufen. Mit Blick auf die nationalen Wahlen ist vielen Politikerinnen und Politikern dringend zu mehr Entspannung geraten, haben wir doch alle den sauren Regen, das Waldsterben und sogar den Borkenkäfer überlebt.

Markus Melzl ist ehemaliger Kriminalkommissär und Sprecher der Staatsanwaltschaft Basel-Stadt.

Basler Zeitung

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