Zum Hauptinhalt springen

Migranten verprügeln ihre Kinder häufiger

Einwanderer setzen häufig auf Schläge als Züchtigung. Eine Studie zur Gewaltanwendung in der Erziehung.

Andrea Sommer
Massiv verprügelt. Jedes dritte Migrationskind erleidet schwere Gewalt.
Massiv verprügelt. Jedes dritte Migrationskind erleidet schwere Gewalt.
Igor Stevanovic

In der Schweiz sind Kinder und Jugendliche oft Opfer von Gewalt. Die Täter sind ihre Eltern. Dies zeigt eine neue Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW), über die der Sonntagsblick exklusiv berichten durfte. Laut der Studie mussten 41 Prozent der Befragten Züchtigungen wie Ohrfeigen, hartes Anpacken oder Stossen erdulden. Massive Gewalt, also Faustschläge, Tritte oder Prügel erlitten 22 Prozent der Jugendlichen. Für die Studie wurden 8'317 Schüler aus 595 Klassen in Berufsschulen, Fachmittelschulen, Gymnasien und Übergangsschulen in zehn Kantonen anonym befragt.

Die Herkunft der Eltern ist entscheidend

Ob Eltern ihren Kindern Gewalt antun, hängt laut den Forschern zum einen von ihrer finanziellen Lage ab. Kinder aus Familien, die von Arbeitslosengeld oder von der Sozialhilfe lebten, berichteten doppelt so häufig von schwerer Gewalt wie Kinder aus wohlhabenden Familien. Zum andern ist die Herkunft der Eltern entscheidend. Einwanderer setzen laut der Studie weit häufiger schwere Gewalt als Erziehungsmittel ein, als dies Schweizer Eltern tun. Vor allem bei Familien aus afrikanischen Ländern, aus Brasilien und aus dem arabischen Raum ist schwere Gewalt weit verbreitet. Mehr als 45 Prozent der Schüler aus solchen Familien berichteten davon.

Statistisch am auffälligsten sind Eltern aus Sri Lanka. Jeder zweite dieser Jugendlichen gab an, von seinen Eltern massiv verprügelt worden zu sein. Zudem wollen 50 Prozent dieser Jugendlichen Gewalt zwischen ihren Eltern beobachtet haben. Weshalb ausgerechnet Eltern aus Sri Lanka derart gewalttätig sind, können die Forscher der ZHAW zwar nicht sagen. Sie kommen jedoch zum Schluss, dass sich dies nicht allein mit der finanziellen und sozialen Lage erklären lässt.

Ein neues Gesetz solls richten

Solche Erkenntnisse münden häufig in die Forderung nach neuen Gesetzen. Die Autoren der Studie schlagen vor, jegliche körperliche Gewalt von Eltern gegen Kinder und Jugendliche sei gesetzlich zu verbieten. Eine Forderung, die auch der Sonntagsblick postwendend übernahm. Und die Zürcher SP-Nationalrätin Chantal Galladé, die sich unlängst erfolglos für ein Ohrfeigenverbot starkgemacht hatte, nahm die Meldung ebenfalls dankbar auf und twitterte: «Die Schweiz hat einen gewaltsamen Erziehungsstil.»

Die Schweiz? Tatsächlich? Laut der Studie gehört Gewalt vor allem bei Migranten zum Erziehungsstil. So lag der Anteil gewaltfrei erzogener Jugendlicher bei Schweizern bei rund 43 Prozent. Bei Jugendlichen aus afrikanischen Ländern nur bei rund 23 Prozent. Wobei anzufügen ist, dass Schweizer Kinder und Jugendliche meist leichteren Formen von Gewalt wie Ohrfeigen, hart Anpacken oder Stossen ausgesetzt waren. Von schwerer Gewalt berichteten «nur» rund elf Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler. Bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund hingegen ist der Anteil jener, die von ihren Eltern schwere Gewalt erlebten, mit rund 32 Prozent fast dreimal so hoch.

Bedingte Strafen für Entführer

Ob ein neues Gesetz Kinder und Jugendliche tatsächlich besser vor ihren gewalttätigen Eltern schützt, darf bezweifelt werden. Für Tätlichkeiten und Körperverletzung sieht das Gesetz Strafen vor, und häusliche Gewalt gilt als Offizialdelikt und muss von Amtes wegen verfolgt werden. An sich würde das geltende Recht also ausreichen – es sei denn, es wird so milde umgesetzt wie kürzlich vom Bezirksgericht Weinfelden.

Dort standen im Juni vier Männer vor Gericht. Die Anklage lautete auf Entführung, Freiheitsberaubung, Drohung, Nötigung und Tätlichkeiten – verübt an drei Minderjährigen.

Auslöser war, dass sich zwei der Jugendlichen ineinander verliebt hatten, was dem Vater des Mädchens nicht gepasst hatte. Nachdem Kontaktverbote und Gespräche nichts fruchteten, soll der Vater gemeinsam mit Freunden den jungen Romeo und dessen zwei Kollegen zuerst entführt und dann den Freund seiner Tochter mit Gürtel, Holzlöffel und Fäusten verprügelt haben. Ausserdem wurde er gemäss Anklage mit dem Tod bedroht, falls er zur Polizei gehe. Alle, sowohl die Beschuldigten als auch die Opfer, stammen aus Sri Lanka.

Es braucht entschlossene Richter

Das Gericht befand drei der Männer zwar für schuldig und verurteilte sie wegen mehrfacher Freiheitsberaubung, Entführung und Nötigung. Dies dürfte die Täter jedoch nicht sonderlich beeindrucken – denn die Freiheitsstrafen von 15, zwölf und zehn Monaten wurden allesamt bedingt ausgesprochen. Zum Schutze geschlagener Kinder bräuchte es wohl eher entschlossene Richter als neue Gesetze.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch