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«Medienhäuser sägen mit der schlechten Bezahlung an dem Ast, auf dem sie sitzen»

In den vergangenen Tagen wurden Fälle bekannt, bei denen Journalisten medienethische Richtlinien überschritten haben. Ein Experte zeigt sich überrascht, dass auch grosse Medienhäuser involviert sind.

In den letzten Tagen wurden drei Fälle bekannt, bei denen Journalisten gegen berufsethische Regeln verstossen haben. Wie beurteilen Sie diese? Es ist in erster Linie eine Frage der Transparenz; man muss sein Publikum über die Zusammenhänge aufklären. Doch selbst wenn man dies tut: Solche Machenschaften bringen einen leicht in ein Fahrwasser, bei dem es schwierig ist, seine Glaubwürdigkeit zu bewahren. Man kann beispielsweise nicht am einen Tag ein bezahltes Porträt über einen Politiker schreiben und am nächsten die Person kritisch beurteilen.

Warum werfen diese vergleichsweise kleinen Fälle solch hohe Wellen? Es geht hier tatsächlich nicht um grosse Beträge, aber es wurden grundsätzliche Prinzipien verletzt, und es ist gut, wenn die Branche selbst darauf aufmerksam macht. Denn interessant ist ja auch, wie sich Berufskollegen beispielsweise über Social-Media-Kanäle geäussert haben: Da gibt es doch tatsächlich Stimmen, die finden, dass man die Sache nicht so hochspielen solle. Es wird argumentiert, dass doch viele Journalisten in ihrer Karriere mal kleinere Zuwendungen annehmen. Ich bin da anderer Meinung: Wenn man damit anfängt, die Sache zu relativieren, vergisst man die Bedeutung, wofür diese Prinzipien stehen: nämlich für das wichtigste Gut im Journalismus, die Unabhängigkeit.

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