Zum Hauptinhalt springen

Kommen jetzt die Strom-Hulks?

Fertig Hanteln stemmen: Mit Elektrostimulation die Fitness steigern – das boomt. Doch Wissenschaftler raten ab.

Pumpen ist angesagt: In einem Fitnessstudio in Oerlikon. (27. April 2006)
Pumpen ist angesagt: In einem Fitnessstudio in Oerlikon. (27. April 2006)
Keystone
Strom für wohldefinierte Bauchmuskeln: EMS-Nutzer in Aktion.
Strom für wohldefinierte Bauchmuskeln: EMS-Nutzer in Aktion.
Youtube
Konventionelle Laufband-Ertüchtigung: Eine Instruktorin mit ihrer Klasse in New York. (14. November 2014)
Konventionelle Laufband-Ertüchtigung: Eine Instruktorin mit ihrer Klasse in New York. (14. November 2014)
Reuters
1 / 3

In einer körperbewussten Stadt wie Zürich wimmelt es abends von Sporttaschenträgern, sie gehen «pumpen». Drei Studiobesuche pro Woche sind nötig, so die übliche Meinung, will man richtig Muskeln aufbauen.

Zugleich hat eine Methode Zulauf, die raschere Wirkung verspricht: die Electrical Muscle Stimulation, kurz EMS. Elektroden werden auf den Körper gesetzt, Strom fliesst, Muskeln ziehen sich zusammen, Muskelfasern werden aktiviert. In den Trams ist EMS-Werbung dauerpräsent, auf TeleZüri läuft ein Werbespot. Der Film zeigt einen Hipster, der kurz an den Strom andockt und dann Kaffee trinken geht, während ein beleibter Mann mühsam Hanteln stemmt. Die Botschaft: Wer heute noch konventionell pumpt, ist blöd.

Eine 20-minütige Einheit EMS-Training pro Woche entspreche in der Effizienz und Effektivität drei Trainingseinheiten konventionellen Krafttrainings, sagt Simon Schrämli, Geschäftsführer und Gründer des EMS-Anbieters Bionic. Schrämli betreibt allein in der Stadt Zürich vier EMS-Studios. Eine einzelne Lektion kostet 99 Franken, ein Jahres-Abo mit 52 Lektionen gut 2500 Franken. «Mütter, Manager oder auch Ärzte» seien typische Kunden, sagt Schrämli – «Leute mit hohem Pflichtenpensum».

Besser Velo fahren

Die medizinischen Experten sind skeptisch. Nicola Maffiuletti leitet das Human Perfomance Lab der Zürcher Schulthess Klinik, das sich mit Muskelaufbau von Sportlern beschäftigt. Die Elektrostimulation sei sinnvoll nach Unfällen oder Operationen: «Hier gibt es grosses Potenzial und eine wissenschaftliche Begründung.» Bei den Ganzkörperstimulationen, wie das die Fitnesscenter anbieten, sei das hingegen nicht der Fall. Für Maffiuletti sind die Methoden von Bionic und Co. nicht bloss wenig hilfreich («nur einzelne Muskeln werden aktiviert»), sondern auch fahrlässig. «Die Ganzkörper-EMS wurde zu früh eingeführt, man weiss wissenschaftlich noch zu wenig darüber.» Es seien diverse Fälle festgestellt worden, bei denen gesunde Personen «grosse Muskelschäden» erlitten hätten. Nicht einmal für jene Gestressten, die Schrämli anspricht, sei EMS eine gute Lösung. Dagegen hätten sich altbekannte Tätigkeiten wie Velofahren, Sprinten oder Rudern als sehr effektiv erwiesen.

Christina Spengler, Professorin für Bewegungs- und Sportwissenschaft an der ETH, sieht das ähnlich. Es gebe keine Studie, die «eine klare Überlegenheit des Trainings mit Elektrostimulation» beweise. Um Klarheit zu bekommen, unter welchen Bedingungen ein Zusatz von Elektrostimulation einen klaren Vorteil bringe, brauche es viel mehr gut kontrollierte Studien. Zudem kämen bei EMS wichtige Aspekte zu kurz, besonders die Ausdauer und Koordination. Auch Spengler verweist auf die Gefahren der EMS: Die Muskelschäden könnten gross sein, «was sich auch auf andere Organe wie Herz- oder Nierenfunktion negativ auswirken kann».

Trotz der anhaltenden wissenschaftlichen Kritik: Der Boom geht weiter, die Nachfrage ist offensichtlich da. Bionic-Chef Schrämli hat grosse Ziele: Bis zu zehn neue Schweizer Studios sollen in den nächsten drei Jahren eröffnet werden, allenfalls in Oerlikon oder Altstetten, erklärt er. Zudem will er dieses Jahr nach England und Skandinavien expandieren.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch