Kinder für den Klimaschutz

Es sollte zum Denken und Handeln aufrütteln, dass Kinder auf die Strasse gehen, um die Zerstörung der Umwelt aufzuhalten.

Schüler und Schülerinnen gehen vermehrt auf die Strassen um gegen die Zerstörung der Umwelt zu demonstrorieren.

Schüler und Schülerinnen gehen vermehrt auf die Strassen um gegen die Zerstörung der Umwelt zu demonstrorieren.

(Bild: Keystone)

In mehreren Ländern demonstrieren Kinder gegen die Bedrohung einer Zerstörung des natürlichen Lebensraums. Jugendliche sind schon in den 1970er-Jahren auf die Strasse gegangen, um gegen die Aufrüstung der Menschheit mit Kernwaffen zu protestieren.

Heute könnte man die Furcht vor einer Nuklearkatastrophe in Verbindung bringen mit der neu in das Bewusstsein gedrungenen Bedrohung durch einen Zusammenbruch der Biosphäre. Beide Gefahren bedrohen gleichermassen die Existenz der Menschen, wobei die rasch voranschreitende Zerstörung der Natur zu dringenderer Besorgnis führt.

Die Kinder, die heute auf die Strasse gehen, verlangen schnellere und effizientere Massnahmen seitens der Politik, um die Zerstörung der Umwelt aufzuhalten. Diese Bewegung ist ein Phänomen, das zum Denken und Handeln aufrütteln sollte.

Die Kinder haben erfahren, dass ihre Zukunft erschwert werden könnte, wenn mit der Natur nicht schonender umgegangen wird. Sie haben verstanden, dass Hungersnöte, Trockenheit, Artensterben und neue Epidemien ihr Leben bedrohen könnten.

Was schlagen die Kinder für die Sicherung ihrer Zukunft vor? Im Prinzip haben sie nicht die Möglichkeit für konkrete Vorschläge und können nur ihre tiefe Angst ausdrücken. Sind die Politiker nicht auch ratlos gegenüber der Frage, wie ein nahender Zusammenbruch der Ökosysteme aufgehalten werden könnte?

Viele Massnahmen werden schon getroffen, die aber bei Weitem nicht genügen. Schon nur für das Problem der Umweltverschmutzung mit Plastik scheint keine Lösung gefunden werden zu können. Noch weniger Hoffnung kann man sich auf die Einhaltung der Vorgaben für die Eindämmung der Erderwärmung machen, in Anbetracht der Komplexität der Verursachung des CO2-Ausstosses. Technische Massnahmen müssen entwickelt werden, können aber schwerwiegende Eingriffe in die gesellschaftliche Struktur nicht ersetzen.

Intervention der Kinder ist eine Problematik

Das bisherige Versagen der Menschheit im Kampf gegen den Klimawandel kann darauf zurückgeführt werden, dass verantwortliche Vorgänge, wie die Übervölkerung der Erde oder «der Wettlauf der Menschheit mit sich selbst» (Konrad Lorenz), nicht in Betracht gezogen werden.

Diese beiden fundamentalen Ursachen werden mit Gewissheit von den Kindern kaum in Erwägung gezogen. Ebenso wenig können sich die Kinder und die Politiker eine Gesellschaft vorstellen, welche den Gleichgewichten der Natur Rechnung trägt. Eine Gesellschaft, in welcher Arbeit und Belohnung sinnvoller verteilt würden und der Besitz nicht mehr die Rolle eines goldenen Kalbs spielte, ist ebenfalls eine fremde Idee.

Die Intervention der Kinder zeigt die ganze Tiefe der Problematik des Klimaschutzes. Technische Massnahmen sind zwar dringend und wünschenswert, werden aber das Problem nicht lösen können, solange die Rolle des Menschen nicht in ihren Ursprüngen verstanden wird und die Bereitschaft entwickelt wird, im Verhältnis zur Natur Mass und Gleichgewicht wiederzufinden.

René Bloch ist Psychiater und lebt in Therwil. Dieser Text erschien in der BaZ unter der Rubrik Einspruch

Basler Zeitung

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