In diese Whatsapp-Gruppe gehe ich nicht

Von Veganer-WGs, Tieressern und einer bescheuerten Gartenmach-Whats­app-Gruppe. Und davon, wie man mit Handygesprächen ein Zugabteil unterhält.

Die Begeisterungsstürme bei Whatsapp-Gruppenchats (von Facebook) halten sich je nach Chat-Thema in Grenzen.

Die Begeisterungsstürme bei Whatsapp-Gruppenchats (von Facebook) halten sich je nach Chat-Thema in Grenzen.

(Bild: Keystone)

Patrick Tschan

Da ich mit und nicht in Basel lebe, ­benutze ich oft die S3, um mich in Basel aufzuhalten. In der S3 kriegt man so einiges zu sehen und hört allerhand mit – falls man nicht ­ständig die Stöpsel in den Ohren hat.

Eine etwa 30-jährige Frau, alternativ angehaucht:«Ja, ich kaufe Peperoni, Bio, aus Südspanien, von unterbezahlten illegalen Migranten gepflückt, damit der Konsi uns das ganze Jahr über Bio-Peperoni, -Auberginen, -Tomaten und -Zucchetti anbieten kann, ja bring ich alles auch, ja auch die gefüllten Champignons für dich, ja, habe ich, aber ich nehme mir eine Bratwurst, du auch? Klöpfer? Gut, bringe beides.

Jetzt haben wir alles zusammen für die neue Veganer- und Vegetarier-WG und uns Tieresser. Du, was ich noch sagen wollte, ich melde mich gleich wieder von dieser Whatsapp-Gruppe ab. Auch wenn das Ärger geben wird, heute Abend beim Hausfest mit der WG. Moment, die Verbindung ist schlecht. Ja, hörst du mich? Gut, ja, in diese Whatsapp-Gruppe gehe ich nicht, ich steige aus. So etwas Bescheuertes, eine Gartenmach-Whats­app-Gruppe.

Whatsapp-Gruppe von Facebook

Bisher haben immer wir den Garten gemacht, aber gut, wenn die Neuen da auch ­mitmachen wollen, bitte, aber dafür brauchts keine Whatsapp-Gruppe. Denen geht es doch nur ums Kontrollieren. Wie? Ja, ums Kontrollieren: Wann hast du im Garten gearbeitet, wie viel Wasser hast du den Tomaten gegeben, mehrmals zwei Liter? Wie viel den Zwiebeln, den Bohnen und dem Jasmin, wer hat Torferde gekauft, warum diese, wir haben doch Biogemüseerde abgemacht und so weiter und so fort. Die rechnen doch alles gegen­einander auf, das haben sie schon bei ihrer Einzugseinladung gemacht, weisst du noch, als sie Geld wollten, weil wir so viel Wein getrunken ­hatten?

Und dann werden sie uns sicher vorschreiben, wo wir die veganen Setzlinge kaufen sollen, zu welcher Mondphase was gepflanzt werden soll, hundert Meldungen dieser Art pro Tag … nein … da mache ich nicht mit, in diese Whatsapp-Gruppe gehe ich nicht. Ich melde mich gleich ab, ich will keine Kontrolle, wir werden genug ­kontrolliert. Whatsapp wird ja auch kontrolliert. Wem gehört das eigentlich? Facebook – siehst du, ich lasse mir doch nicht über so eine Whatsapp-Gruppe von Facebook meinen Garten kontrollieren.»

Basler Zeitung

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