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Grosse Hysterie um einen alten Mann

In Deutschland ist die Begeisterung für Schauspieler Bud Spencer gross. Sie ist gar so gross, dass in einem Städtchen ein Streit um seine Person entbrannte, der schliesslich ganz Deutschland in seinen Bann zog.

Nach ihm wird ein Freibad benannt, jedoch kein Strassentunnel: Bud Spencer.
Nach ihm wird ein Freibad benannt, jedoch kein Strassentunnel: Bud Spencer.
AFP

Es fing an mit einem harmlosen Aufruf: Die Gemeinde Schwäbisch Gmünd im deutschen Baden-Württemberg bat seine Einwohner, Namensvorschläge für einen neu gebauten Autotunnel einzureichen.

Die Initianten zeigten sich zunächst erfreut über die rege Beteiligung der Bevölkerung. Diese liess ihrer Fantasie freien Lauf und zuletzt standen 80 Namen zur Auswahl. Darunter befanden sich ausgefallene Wortschöpfungen wie der «Jogi-Löw-» oder «Bud-Spencer-Tunnel», wie Spiegel online schreibt. Aufgrund ihrer mangelnden Ernsthaftigkeit waren diese jedoch im Vornhinein zum Scheitern verurteilt. So dachte man.

Populäre Facebook-Gruppe

Letztendlich kam es anders. Denn die Namensgebung zu Ehren des italienischen Haudegens traf offenbar den Nerv der Zeit. Der «Bud-Spencer-Tunnel» stieg innert kürzester Zeit zum einsamen Spitzenreiter auf und übertrumpfte ernst gemeinte und wohlklingende Vorschläge wie «Salvatortunnel», «Lindenfirsttunnel» bei Weitem. Ganz zum Ärger der Gemeinde, die mit ihrem Vorgehen die Bevölkerung demokratisch einbinden wollte, sich nun aber mit einer Spassguerilla konfrontiert sah.

Der Anfang dieser Bud-Spencer-Tunnel-Hysterie machte die Gründung einer gleichnamigen Facebook-Gruppe. Tausende schlossen sich dieser an. Es folgten Berichterstattungen im staatlichen Fernsehen und Demonstrationen durch die Gemeinde Schwäbisch Gmünd. Aus einem trockenen Stück Lokalpolitik entstand eine Debatte, die ganz Deutschland in seinen Bann ziehen sollte. Zwischenzeitlich war der Server der Gemeinde überlastet, weil sich noch nie so viele Leute auf die Seite des 60'000-Seelen-Städtchens verirrten.

Statt Tunnel gibt es nun ein Freibad

Schliesslich meldete sich auch noch der Haudegen selbst zu Wort: Carlo Pedersoli alias Bud Spencer liess über einen deutschen Verlag verlauten, dass er sich geehrt fühle, er jedoch nicht daran glaube, dass der Tunnel nach ihm benannt würde. Der 81-Jährige sollte Recht behalten: Der Gemeinderat der Stadt sprach sich am Mittwoch in einer Sitzung dafür aus, dem Regierungspräsidium Stuttgart einen regionalen Namen für den Tunnel vorzuschlagen. Der Stadt Schwäbisch Gmünd zufolge hatten sich so viele Besucher und Medienvertreter für die Gemeinderatssitzung für das Treffen angemeldet, dass es kurzerhand vom Sitzungssaal des Rathauses ins Congress-Centrum Stadtgarten verlegt werden musste.

Somit ist eine Idee gestorben, für die sich Tausende aussprachen. Wohl auch um die aufgebrachte Spencer-Fraktion zu besänftigen, entschied sich der Gemeinderat zu einem Kompromiss. Anstelle des Tunnels soll nun ein Freibad nach dem Actionhelden benannt werden – ein Frei-Bud sozusagen. Spencer begrüsste seinem Verlag zufolge die Entscheidung. Sein Verlag teilte mit, dem Filmstar sei es «sogar lieber», wenn das Schwimmbad seinen Namen trage. Der Tunnel solle nach Spencers Ansicht eher den Namen eines Deutschen oder eines regionalen Wappens tragen. «Aber das Schwimmbad, in dem ich wirklich geschwommen bin, kann gern «Bud Spencer» heissen, sagte Spencer. (Anm. der Redaktion: Spencer war früher Profischwimmer). Scheint ganz so, als ob nun alle Parteien glücklich sein können.

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