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Ein Deutscher, gefangen in Bern

Seit zwanzig Jahren lebt Peter Wilk in der Schweiz. Seit er damals vergass, seine Papiere zu verlängern, versucht der Deutsche den Behörden seine Staatsangehörigkeit zu beweisen. Eine unendliche Geschichte.

Wüsste man es nicht besser, man würde die Geschichte von Peter Wilk für eine von Franz Kafkas absurden Erzählungen halten: Der Mann ist Deutscher, kann es aber nicht beweisen. Er steckt in der Schweiz fest, Schweizer könnte er aber nicht werden, weil ihm eben die Papiere fehlen.

Doch von vorne. Peter Wilk kommt 1989 in die Schweiz. Zuerst nur um Freunde in Bern zu besuchen, wie «Welt» online berichtet. Der Tontechniker entscheidet sich zu bleiben; er findet sogar eine Anstellung auf seinem Beruf.

Nach zwei Jahren in Bern läuft Wilks Pass ab, etwas später sein Personalausweis. Er bemerkt von alledem nichts und versäumt es, neue Papiere zu beantragen. Wilk konnte nicht ahnen, was die Konsequenzen seiner Nachlässigkeit sein würden.

Unendliche Geschichte

Was jedes Jahr Tausenden Bürgern passiert, ist Peter Wilk zum Verhängnis geworden. Er ist heute gewissermassen ein staatenloser Deutscher, so «Die Welt».

Versäumte Passverlängerungen werden laut der Zeitung in Deutschland höchstens mit einer kleinen Busse geahndet, sind aber für die betroffene Person nicht weiter problematisch. Lebt der oder die Betreffende im Ausland, wird es schon aufwändiger. Die Botschaft verlange in solchen Fällen jeweils eine Geburts- oder Abstammungsurkunde, um zu untersuchen, ob der Antragssteller tatsächlich aus Deutschland stamme. Dauern kann das Verfahren zwischen zwei Wochen und einem Jahr.

Bei Peter Wilk hingegen wurde die Angelegenheit zu einer unendlichen Geschichte, berichtet «Die Welt» online. Der Tontechniker wurde wegen seines Problems 1993 zum ersten Mal auf der deutschen Botschaft in Bern vorstellig. Bei der dortigen Passstelle beantragte er neue Papiere. Doch wie ein anonymer Informant der Zeitung erzählte, erhielt die Botschaft von Peter Wilk nie die nötigen Papiere.

Vergeblicher Papierkrieg

Er habe einfach nicht gewusst, wie er alles beschaffen sollte meint Wilk gegenüber der Zeitung. Unzählige Male sei er auf dem Passbüro gewesen. «Die Gespräche waren immer dieselben», so Wilk.

Vor sechs Jahren nahm sich der Mann schliesslich einen Anwalt. Dieser versorgte die Botschaft mit einem dicken Dossier, bestehend aus Kopien von Wilks altem Pass, einem Auszug aus dem Familienbuch, seiner Wehrdienstbescheinigung, einem polizeilichen Führungszeugnis und der Meldebescheinigung seiner Eltern. In sämtlichen Urkunden war Peter Wilks deutsche Staatsangehörigkeit vermerkt. Der Botschaft, so «Welt» online, reichte dies aber nicht.

Sie wollte von Wilk einen klaren Beweis. Gegenüber der Zeitung meint der anonyme Botschaftsmitarbeiter: «Er hat sehr lange in der Schweiz gelebt, ohne gültige Papiere. Allein das gibt Anlass zu zweifeln, ob er noch Deutscher ist.»

Abgelehnte Klage

Vor einem Jahr war Wilk schliesslich so verzweifelt, dass er eine Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland verfasste. Doch das Verwaltungsgericht Berlin erklärte diese im Februar 2011 für unzulässig, so «Die Welt». Der heute 50-Jährige hätte die Ausstellung eines neuen Reisepasses zuerst schriftlich bei der Botschaft beantragen müssen.

Gegenüber der Zeitung gibt Peter Wilk das Versäumnis zu. Doch, so der anonyme Informant, die Tatsache, dass die Botschaft Wilks mündlichen Antrag selbst mit dem Nachreichen von erforderlichen Dokumenten ablehnte, sei problematisch. Denn, es gebe klare Regeln, wie ein solcher Fall behandelt werden müsse. Die Vertretung in der Schweiz hätte Wilk helfen oder die benötigten Papiere sogar in seinem Namen beantragen können.

Land aus der «Tagesschau»

Seit 2002 besitzt Peter Wilk eine Aufenthaltsgenehmigung in der Schweiz, schreibt «Welt» online. Ohne gültigen Ausweis wolle er das Land nicht verlassen, so Wilk, auch nicht um wegen mangelnder Urkunden Behörden in Deutschland aufzusuchen. Zu gross sei die Gefahr, dass er nicht mehr einreisen könne.

Und immerhin findet sein Leben seit über zwei Jahrzehnten in der Schweiz statt. Deutschland sei für ihn nur noch ein Land aus der «Tagesschau», sagt Peter Wilk zur «Welt».

Seine Chancen, neue Papiere zu erhalten, bestünden laut dem «Welt»-Informanten nach wie vor: «Herr Wilk sollte einfach noch einmal zur Botschaft gehen.»

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