Dorf zankt sich um berühmtes Château

Das romantische Schloss Chambord an der Loire soll zum Luxuspalast für Reiche ausgebaut werden. Dagegen regt sich erbitterter Widerstand.

Bald ein Luxushotel? Schloss Chambord an der Loire. (Archivbild)

Bald ein Luxushotel? Schloss Chambord an der Loire. (Archivbild)

(Bild: Keystone)

Um das weltberühmte Schloss Chambord an der Loire ist ein erbitterter Krieg entbrannt, die Gegner stehen sich unversöhnlich gegenüber. Anlass des Zwists sind ehrgeizige Ausbaupläne für das unter König Franz I. im 16. Jahrhundert erbaute prachtvolle Gebäude, das jährlich rund 700'000 Besucher aus aller Welt anzieht. Kritiker sehen darin den Versuch, aus dem Schloss mit seinem ausgedehnten Jagdgebiet eine Art «Chambordland für Reiche» zu machen.

Ein neues «Gutshaus», ein Konzertsaal und ein Luxushotel sollen künftig noch mehr Touristen zu dem Schloss locken, das 1930 vom französischen Staat aufgekauft wurde. Ausserdem sollen die Gärten neu angelegt werden - nach den Originalplänen des Architekten Jules Hardouin Mansart aus dem 17. Jahrhundert.

Dorf mit 132 Einwohnern

Vehement gegen dieses Projekt setzt sich der Bürgermeister des Dörfchens Chambord, André Joly, zur Wehr. Er wird unterstützt von einigen alteingesessenen Gastwirten und Händlern unterstützt. Das streitbare Gemeindeoberhaupt hat allerdings ein Problem: Das Dorf Chambord mit seinen 132 Einwohnern gehört zur Domäne des Schlosses. Der Bürgermeister ist somit eine Art König ohne Land, das eigentliche Sagen in Chambord hat Schloss-Generaldirektor Jean D'Haussonville.

In seinem von Baumaschinen umzingelten Rathaus macht Joly, der bei der Gemeindewahl im März erneut antreten will, seinem Ärger Luft. Hinter den Plänen stünden «Herren» aus der Hauptstadt Paris, eine «Kaste von Parlamentariern». Diese wollten sich den Zugang zu dem begehrten Jagdpark des Château Chambord sichern, wettert der Bürgermeister.

Auseinandersetzung erreicht Parlament

Inzwischen hat die Auseinandersetzung von der Provinz aus auch das französische Parlament erreicht. Im Senat wollten Unterstützer von Joly kürzlich in einem Änderungsantrag feststellen lassen, dass der Bürgermeister von Chambord «voll über die Rechte verfügt», die dieses Amt vorsieht. Doch der Antrag wurde von der Senatsmehrheit abgelehnt.

Bereits im Juli 2012 hatte der Staatsrat, das höchste Verwaltungsgericht Frankreichs, die Befugnisse des Bürgermeisters klar eingegrenzt: Er ist zuständig für die wenigen Strassen des kleinen Dorfes, die Wasserleitungen - und den Friedhof.

Für Joly ist klar: Er ist Opfer eines Komplotts. Generaldirektor D'Haussonville habe einflussreiche Unterstützer, die vor allem eines verbinde - ihre Jagdleidenschaft. Diese «Jäger-Lobby» umfasse «alle politischen Lager», empört sich der Bürgermeister.

In der Tat sind Einladungen zu den prestigeträchtigen Jagden im 50 Quadratkilometer grossen Park des Schlosses sehr begehrt. Wer zu dem gesellschaftlichen Halali-Ereignis eingeladen wird, bestimmt D'Haussonville.

Kündigung der Mietverträge

Für die Bewohner und Händler der Gemeinde Chambord, von denen keiner Eigentümer seines Hauses oder seines Geschäfts ist, gibt es «Nutzungsverträge» - die ihnen weniger Schutz gewähren als herkömmliche Mietverträge. Einige von ihnen werden Chambord sogar verlassen müssen. Zu ihnen gehört der Pächter des Hotels «Grand Saint Michel», das bisher Zimmer und Verpflegung zu durchaus erschwinglichen Preisen anbietet.

Doch das Hotel soll vergrössert und gründlich modernisiert werden, der bisherige Pächter soll für seinen Rückzug eine Entschädigung von drei Millionen Euro erhalten. Diese ungewöhnlich grosszügige Summe bestärkt die Kritiker um Bürgermeister Joly in ihrem Verdacht: Geplant sei eine Art «Chambordland», das sich nur noch Reiche leisten könnten.

D'Haussonville weist dies zurück. «Die Zeiten haben sich geändert», betont der ehemalige Berufsdiplomat. Die Verbesserung des Hotelangebots sei für Chambord «von strategischem Interesse».

Noch bleibt den Gegnern des Projekts eine Hoffnung: die UN-Kulturorganisation UNESCO. Sie hat das Schloss Chambord als Weltkulturerbe eingestuft - und alle Ausbaupläne müssen daher von der UNESCO überprüft werden.

mrs/AFP

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