Die Zahl der Drillingsgeburten nimmt zu

Heute kommen laut einer Studie 40 Prozent mehr Drillinge zur Welt als noch vor 20 Jahren – vor allem wegen künstlicher Befruchtung. Die Forscher warnen vor dem Risiko solcher Schwangerschaften.

Nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland häufig: Frühgeborene Drillinge in Nürnberg.

Nicht nur in der Schweiz, auch in Deutschland häufig: Frühgeborene Drillinge in Nürnberg.

(Bild: Keystone)

Forscher um Romaine Arlettaz Mieth vom Universitätsspital Zürich trugen die Zahl der Drillings-, Vierlings- und Fünflingsgeburten in der Schweiz in den Jahren 2005 bis 2008 zusammen. Die Resultate verglichen sie mit zwei früheren Untersuchungen, die sie in den Jahren 1985 bis 1988 respektive 1995 bis 1998 durchgeführt hatten.

Insgesamt gab es von 2005 bis 2008 in der Schweiz 105 Drillings-, zwei Vierlings- und eine Fünflingsgeburt, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin «Swiss Medical Weekly» schreiben. Das ist zwar nur ein Bruchteil der insgesamt rund 75'000 Lebendgeburten, die es nach Angaben des Bundesamts für Statistik in der Schweiz jedes Jahr gibt.

Embryonentransfer

Doch gemessen an der Anzahl Lebendgeburten sind Drillinge heute rund 40 Prozent häufiger als noch vor 20 Jahren, wie die Forscher schreiben. Bei den Vierlings- und Fünflingsgeburten sind die Zahlen so gering, dass Vergleiche schwierig sind. Vierlingsgeburten scheinen aber gegenüber den 1980er-Jahren etwas seltener geworden zu sein.

Der Hauptgrund für die starke Zunahme der Drillingsgeburten liegt gemäss den Forschern in künstlichen Befruchtungsmethoden. Rund drei Viertel der Drillingsschwangerschaften und alle Vierlings- und Fünflingsschwangerschaften in der aktuellen Untersuchung waren das Resultat eines solchen Eingriffs.

Etwa die Hälfte der Drillingsschwangerschaften ist auf eine In-Vitro-Fertilisation (IVF) zurückzuführen. Es ist seit Jahren bekannt, dass es nach einer IVF mehr Mehrlingsschwangerschaften gibt. Dabei ist die Wahrscheinlichkeit umso höher, je mehr befruchtete Embryonen in die Gebärmutter transferiert werden.

Hormonbehandlung

Zu ungefähr einem Viertel aller Mehrlingsschwangerschaften kam es nach einer Ovulationsinduktion – also einer Hormonbehandlung, die Ärzte oft als ersten Schritt verordnen, wenn bei einer Frau der Nachwuchs ausbleibt. Laut den Forschern zeigen die hohen Zahlen, dass die Schweiz die künstliche Befruchtung noch nicht richtig unter Kontrolle hat.

Denn Mehrlingsschwangerschaften sind laut ihnen ein Problem: Sie gehen einher mit einer ganze Reihe von Komplikationen. Die in der Studie untersuchten Babys waren allesamt Frühgeburten – Drillinge zum Beispiel waren bei der Geburt im Mittel in der frühen 33. Schwangerschaftswoche. Ihr Geburtsgewicht betrug im Durchschnitt 1614 Gramm.

Künstlich beatmet

Das häufigste Gesundheitsproblem der Neugeborenen war Atemnot. 70 Prozent litten daran – und 64 Prozent mussten während einer mittleren Behandlungszeit von sechs Tagen beatmet werden. Die Rate dieser Probleme habe in den letzten 20 Jahren nicht abgenommen, schreiben die Forscher.

Künstliche Befruchtungen sollten in der Schweiz deshalb nur von anerkannten Spezialisten durchgeführt werden, fordern die Forscher. Diese müssen entscheiden, ob eine Schwangerschaft überhaupt möglich und welche Behandlung angebracht sei. Zudem ist es an ihnen, die Patienten korrekt über Risiken und Konsequenzen der Behandlung zu informieren.

miw/sda

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