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Des Schweizers liebste Weihnachtsguetsli

Samichlaus statt Santa Claus, Tannenbäume statt Halloween-Fratzen: Bei den Weihnachtsguetsli setzen Schweizer nach wie vor auf Tradition. Die Detailhändler wissen das – und passen ihr Sortiment entsprechend an.

Immer noch hoch im Kurs: Zimtsterne sind bei Migros & Co. Verkaufsrenner.
Immer noch hoch im Kurs: Zimtsterne sind bei Migros & Co. Verkaufsrenner.
Keystone

Anglizismen schleichen sich in den schweizerdeutschen Wortschatz, Halloween-Fratzen verdrängen das Räbeliechtli. Bei den Weihnachtsguetsli allerdings wollen die Konsumenten nichts Neues aus dem Westen. Sie sollen schmecken und aussehen wie zu Grossmutters Zeiten. Für Experten ist das ein typisches Zeichen der Zeit.

«Der Trend geht im Moment wieder hin zu antiken Sujets oder zum Retro-Look», sagt Matthias Bachmann, Geschäftsführer der Confiserie Bachmann, mit 14 Filialen in Luzern, Stans und Zug einer der grössten Produzenten im Raum Zentralschweiz.

So zieren Glocken, Sterne und klassische Weihnachtssujets die Gebäcke. Bis zum 6. Dezember ist der Samichlaus gefragt. «Danach kommt die Zeit der Engel. Die Tradition ist da strikt», sagt Bachmann. Der amerikanische Santa Claus habe sich bis heute nicht durchgesetzt.

Auch bei der Confiserie Sprüngli ist Hiesiges hoch im Kurs. «Gerade zur Weihnachtszeit sehnt man sich nach alten Traditionen und Gebräuchen», sagt Sprüngli-Chef Tomas Prenosil. «Unser Weihnachtskonfekt wird noch heute nach den Original Sprüngli-Hausrezepten in Handarbeit gefertigt.»

Ein Bär steht für Tradition

Selbst der neuere Schokoladen-Bär von Lindt & Sprüngli, dem man objektiv wenig weihnächtlichen Ursprung nachweisen kann, will an die Tradition erinnern. Er soll die Käuferschaft an die Kindheit zurückdenken lassen, an den Teddybären unter dem Tannenbaum, wie eine Unternehmenssprecherin ausführt.

Die Botschaft scheint anzuklingen: Das Schokoladetier wird dieses Jahr alleine in der Schweiz etwa zwei Millionen Mal über den Ladentisch gehen, weltweit werden es fast 50 Millionen sein.

Dass Confiseure und Bäcker gerade an Weihnachten den Geschmack des Kunden treffen, ist substanziell: Bei Bachmann etwa macht das Weihnachtsgeschäft rund 12 Prozent des Umsatzes aus. Alleine Lebkuchen werden zirka 5 Tonnen produziert.

Süddeutsche Lebkuchen finden Absatz

Bei der Manufaktur Emmentaler Backwaren, die sowohl den Detailhandel wie beispielsweise Coop, Manor oder Loeb als auch das Gastgewerbe beliefert, ist die Produktionsmenge zwischen August und Dezember wegen den Weihnachtsguetsli vier Mal so hoch wie in den übrigen Monaten.

«Engel, Stern und Tannenbaum in allen Varietäten» sind gemäss Geschäftsinhaber Hans Freudiger die gefragtesten Lebkuchen- und Schokoladensujet.

Dass gerade bei klassischen Artikeln amerikanische Sujets nicht gefragt sind, bestätigt auch Hermann Bühlbecker, Alleininhaber des deutschen Bäckerei Lambertz. Er ist mit seinem Unternehmen nach eigenen Angaben deutscher Marktführer und exportiert rund 10 Prozent der Produktion in die Schweiz. Insbesondere süddeutsche Lebkuchen der Marken Weiss und Haeberlein & Metzger seien in der Schweiz gefragt.

Schweizer essen 900 Tonnen Guetsli

Was für das Dekor gilt, gilt auch für den Geschmack: Klassiker wie Mailänderli, Zimtsterne und Chräbeli sind bei der Migros die Verkaufsrenner. Zudem wurde letztes Jahr eine Million Kilogramm Lebkuchen verkauft.

Auch bei Coop greifen die Kunden am liebsten zu den gemischten traditionellen Weihnachtguetsli, gefolgt von den Spitzbuben. 900 Tonnen Guetsli verkauft der Detailhändler jeweils; inklusive dem Herbstsortiment. Bei den Teigs ist bei beiden Detailhändlern sowie auch bei Denner jener für Mailänderli der meistverkaufte.

Sehnsucht nach Ursprung

Dass gerade an Weihnachten traditionelle Produkte und Sujets gefragt sind, sieht Konsumpsychologin Mirjam Hauser vom Forschungsinstitut Gottlieb Duttweiler als Bestätigung der aktuellen Strömung. «Im Essverhalten werden traditionelle Werte hochgehalten», sagt sie. Sie hat eine Studie zum Lebensmittelkonsum verfasst und herausgefunden, dass beim Essen Assoziationen mit Tradition, Gemütlichkeit und Vertrautheit sowie Verlässlichkeit wichtig sind.

Die tatsächliche Esskultur steht dazu zwar oftmals im Widerspruch: Für Mahlzeiten bleibt im Alltag wenig Zeit, die Auswahl ist riesig, man isst schnell und alleine – der Markt für frische Fertigprodukte (Convenience Food) boomt.

Weil Marketingstrategen die Sehnsüchte der Konsumenten aber nur allzu gut kennen, werden viele neue Produkte so gestaltet, dass sie Gemütlichkeit und Tradition suggerieren.

SDA

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