Der Klimakater

Die Aktivisten von Climate Justice haben mit ihrer Blockade von UBS und CreditSuisse der gesamten Klimabewegung Sympathien gekostet. Solche Mitglieder wünscht man niemandem.

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Nina Jecker

Jeder hat diesen einen Bekannten, der einen Witz immer ein bisschen zu weit ins Schmutzige zieht. Einen Drink zu viel kippt. «Always one step too far», immer einen Schritt zu weit.

Die Aktivisten von Climate Justice sind ebenfalls einen Schritt zu weit gegangen. Mit ihrer Blockade von UBS und CreditSuisse haben sie die gesamte Klimabewegung Sympathien gekostet. Und das in der Zeit von Greta Thunberg, Flugscham und einer grün geschminkten FDP. Noch nie war das Klimabewusstsein in den Köpfen der breiten Masse so gross, der kollektive Wunsch, das Richtige zu tun, so stark. Die Freitagsmärsche der streikenden Schüler wurden von allen Seiten bejubelt; endlich wieder eine ­engagierte ­Jugend, freuten sich die Demonstranten von früher.

Polizisten genauso schlimm wie CO2

Und dann kommen die verkleideten Clowns von Climate Justice – und ziehen das Ganze ins Lächerliche. Sie nerven, indem sie in ihren Kostümen um Polizeiautos herumtanzen, die Seitenspiegel provozierend zum Schminken benutzen und sich vor Grossbanken anketten. Polizisten scheinen fast genauso schlimm zu sein wie CO2.

Bewegungen verlaufen meist in Wellen. Ablehnung, grosse Begeisterung, Übersättigung. Die Klimasache hat das letzte Stadium schon fast erreicht. Doch es war rechtzeitig gelungen, die Euphorie politisch zu nutzen. In fast jedem Parlament im Land wurden Klimavorstösse durchgewunken. In Basel-Stadt hat der Grosse Rat sogar den Klimanotstand ausgerufen. Die Bewegung hätte unglaubliche Chancen gehabt.

Solche Mitglieder wünscht man keiner Bewegung

Die Aktivisten vom Montag haben die Stimmung kippen lassen. Es war leicht, sogar trendy, die engagierten Schüler zu hypen. Aber es fällt schwer, die immer gleichen Demonstranten zu mögen. Ausserdem weiss keiner so recht, wofür sie kämpfen.

Sind es dieselben, die vor dem Schlachthof eine Mahnwache ab­hielten? Oder gegen Syngenta ­marschierten? Polizeigewalt, ­Repression, Paygap, Belästigung, Kapitalismus? Man bekommt den Verdacht, es sind nicht Klima-, ­sondern einfach ­Aktivisten. ­Demonstrieren zum Spass– und always one step too far.

Solche Mitglieder wünscht man keiner Bewegung. Denn diese haben nur Erfolg, wenn die Bevölkerung mitzieht. Und nicht, weil ein paar Verkleidete sich zum eigenen Vergnügen daneben benehmen. Der letzte Montag, das war der Drink zu viel. Kopfweh nach der Party.

Basler Zeitung

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