Das Klima ist für alle da

Ein SP-Politiker reiste mit dem Flugzeug nach Berlin. Ist das heuchlerisch?

Wenige sollen aufs Fliegen verzichten, damit alle profitieren können? Das geht auf verschiedenen Ebenen nicht auf.

Wenige sollen aufs Fliegen verzichten, damit alle profitieren können? Das geht auf verschiedenen Ebenen nicht auf.

(Bild: iStock)

Aleksandra Hiltmann@thisisAleksa

Stellen Sie sich vor, das Klima ist gerettet. Jahrhundertelang haben einige auf vieles verzichtet, um CO2 zu verringern, die Müllflut einzudämmen und unsere Welt mit erneuerbaren Energien zu versorgen. Auch jene, die nicht mitgeholfen haben, profitieren. Sie alle leben auf dem geretteten Erdball, obwohl sie ihren CO2-Verbrauch nicht eingeschränkt haben, nicht auf den Zug umgestiegen sind, nicht weniger konsumiert haben. Wieso wir uns das vorstellen sollten?

Die Leitung des Zürcher Gemeinderates trifft sich gerade in Berlin zu einer Weiterbildung und zum Teambuilding. Die Verkehrsmittel, welche die einzelnen Politikerinnen und Politiker wählten, störten SVP-Nationalrat Mauro Tuena. Es sei typisch, dass die Linken für den Klimawandel demonstrieren, aber selbst fliegen würden.

Aber es kann nicht die Aufgabe linker und grüner Politiker oder ebenso denkender Parteimitglieder und Menschen sein, das Klima zu retten. Das liegt nicht in der Eigenverantwortung Einzelner, wie zum Beispiel des von Tuena angefeindeten SP-Gemeinderates. Natürlich wäre es besser gewesen, er hätte auch den Zug genommen. Doch der Fall zeigt, wie schwierig es selbst für Pro-Klima-Engagierte ist, nie schwach zu werden. Das heisst erstens: Anstatt mit dem Finger auf andere zu zeigen, sollte man sich auf höherer Ebene für entsprechende Gesetze starkmachen. Die braucht es, um den entscheidenden Unterschied herbeizuführen. Beispielsweise könnte man über Flugkontingente nachdenken. Wenn man radikal sein möchte, kann man die Fliegerei auch ganz verbieten, vielleicht noch wenige Ausnahmen gewähren, für Rettungseinsätze oder Geschäftsreisen.

Dann zeigt der Fall zweitens, Gesetze hin oder her: Es ist die Aufgabe aller. Alle brauchen eine funktionierende Umwelt, alle packen mit an. So hat sich ja Zürich als Ziel die 2000-Watt-Gesellschaft auf die Fahne geschrieben und nicht die Linken und Grünen des Zürcher Gemeinderats.

Nun könnte man argumentieren, dass für einige Personen in der SVP der Klimawandel keine klare Sache ist. Gibt es ihn? Ist der Mensch schuld daran? Klimaskeptiker sähen im CO2 somit kein Problem und auch keinen Anlass, vom Fliegen abzusehen und schon gar nicht, dahingehend Gesetze zu erlassen.

Jedes seriöse Klimaforschungsinstitut konstatiert: Den Klimawandel gibt es, und er ist grösstenteils menschengemacht. Auch wenn das noch nicht so im SVP-Parteiprogramm anerkannt ist, gibt es schon heute SVP-Politiker und -Politikerinnen, die diese Tatsache nicht weiter ignorieren.

Also gehen wir das Problem doch pragmatisch an. Wir atmen alle dieselbe Luft, wir alle sind vom Klimawandel betroffen. Die Arbeit, ihn abzubremsen, können wir nicht einfach an wenige Engagierte abschieben.

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