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Das Auto als neue Herausforderung

Zukünftig werden die Benzinmotoren vermutlich in den Museen zu sehen sein.

In Basel fahren die Polizisten bereits mit Elektroautos durch die Stadt.
In Basel fahren die Polizisten bereits mit Elektroautos durch die Stadt.
Pino Covino

Was man nicht alles mitmacht, wenn man alt wird. Als Bub erlebte ich eine für die damalige Zeit besondere Attraktion. Onkel Emil besuchte uns in Zollikofen mit dem Auto, Marke «Adler» aus Deutschland. Die Nachbarn rannten ans Gartentörli: ein Auto, was für eine Sensation.

Später, bei der Gewerkschaft in Basel, diskutierten wir im Vorstand über Umweltschutz. Mit Kritik am Auto. Der CO2 versaue das Klima. Da explodierte Kollege Karl, Obmann der Bauarbeiter. Er meldete sich nur selten zum Wort. Nun tat er es richtig wütend. Was war in den gefahren?

Wörtlich legte er los: «Ihr Sauhunde, jetzt, wo ich mir eine kleine Ferienwohnung in Landquart leisten kann und über das Wochenende hinfahre, wollt ihr mir mein Auto vermiesen.» Dann schwang er verbal die Keule: «Das Auto bedeutet für mich Freiheit, die lasse ich mir von euch nicht nehmen.» Machte die Faust, stand auf und verliess die Sitzung.

Öffentlicher Verkehr wird bis 2040 verdoppelt

In der Schweiz sind vier Millionen Personenwagen registriert. Das Gesetz für Nationalstrassen hat den Jahrgang 1958. Für etliche Dutzend Milliarden Franken ist das Autobahnnetz gebaut worden, das nie fertig sein wird. Vor noch nicht langer Zeit ist die Jura-Autobahn von Boncourt bis Biel nach 16 Jahren Bauzeit eingeweiht worden. Ständig müssen Strecken saniert oder ausgebaut werden. Die Schweiz leistet sich in Europa, gemessen an der Fläche und Einwohnerzahl, das dichteste und wohl auch teuerste Autobahnnetz.

Der öffentliche Verkehr der Schweiz ist europäische Spitze. Weil er flächendeckend funktioniert, nicht bloss durch Städteverbindungen.

Der Verband öffentlicher Verkehr hat kürzlich ein Projekt vorgelegt, den öffentlichen Verkehr bis ins Jahr 2040 zu verdoppeln. Konkret heisst das, das Schienennetz erweitern, neues Rollmaterial und Ausbau des Fahrplans.

Verbucht wird das auf dem Konto als Beitrag zum Klimaschutz. Der öffentliche Verkehr ist klimafreundlicher als das Auto.

Der Benzinmotor wird genau so enden wie die Dampfmaschine: im Museum

Die Autoindustrie steckt in einem Umbruch. Und das weltweit. Der Tesla-Konzern als Beispiel. In Basel Alltag, weil die Polizei Tesla-E-Autos fährt. Das macht Furore. Beim Börsengang an der Wall Street hat Tesla die Marke 100 Milliarden US-Dollar überschritten.

Der VW-Gigant als grösster Autokonzern der Welt ist damit überholt worden. Dieser Wert ist nicht real, sondern basiert auf Erwartungen. Dass Tesla einlöse, was sein Boss Elon Musk verspreche. Ob ihm das gelingen wird, ist umstritten.

Für Musk ist eines klar: «Der Benzinmotor wird genau so enden wie die Dampfmaschine: im Museum.»

Bei diesem globalen Konkurrenzkampf geht es darum, wer ist vorne, wer hinkt nach? China wird allgemein favorisiert. Die europäische Autoindustrie, die deutsche als wichtigste voran, liegt zum Teil im Rückstand. Es geht um Roboter- und E-Autos. Um elektrisch fahrende und selbst gesteuerte.

Das autonome Auto ist unterwegs

Beim E-Auto ist die Batterie das Hauptproblem. Sie macht einen Drittel der Wertschöpfung aus. «Der Wettlauf um eine europäische Produktion scheint bereits verloren» («Der Spiegel», 26. 10. 2019). Die Batterien kommen aus Südkorea und aus China.

Sebastian Thurn ist in Deutschland der Vordenker für autonomes Fahren. Deutsche Ingenieure seien stark für Bremssysteme, Motoren, Federung, «aber nicht für künstliche Intelligenz. Aber gerade darin liegt die grosse Frage für die Zukunft.»

Der Google-Konzern ist neu im Autogeschäft. Ingenieure testen bereits Robotaxis. Immer fährt ein Aufpasser mit. Bloss alle 18 000 Kilometer brauchte er einzugreifen. Google ist also gut in Fahrt. BMW, Daimler, VW testen vorläufig bis 8000 Kilometer.

Die Autobauer werweissen, wann selbstfahrende Autos auf dem Markt sind. 2025 oder 2050? Die Spannweite der Ungewissheit ist enorm. Das autonome Auto ist unterwegs. Wann es das Ziel erreichen wird, bleibt die Frage.

Der ehemalige SP-Präsident Peter Bodenmann ist schon lange am Ball: «In Zukunft braucht es in der Schweiz nicht mehr vier Millionen Autos, sondern maximal noch eine Million.» Wieso? Das Roboterauto wird man leasen, wenn man es braucht. Nicht mehr kaufen. Das wird die übliche Option sein: Weniger Autos wären für das Klima Balsam.

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