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Comeback einer teuflischen Droge

Billig und ohne Probleme auf der Strasse oder im McDonald's zu kriegen: Die USA haben Angst vor dem bereits überwunden geglaubten Heroin.

«Ich bin ein Heroinsüchtiger», sagte Philipp Seymour Hoffman zwei Wochen vor seinem Tod auf die Frage, was er denn so beruflich mache. Die Frage gestellt hatte John Arundel, der Herausgeber des Magazins «Washington Life», dieser hatte Hoffman am Sundance Film Festival Ende Januar getroffen, erzählte Arundel dem amerikanischen Nachrichtensender CNN.

Zwei Wochen später ist der grandiose, weil vielseitige Schauspieler tot, er ist vermutlich an einer Überdosis Heroin gestorben. Die US-Boulevard-Medien rekonstruieren seine letzten Schritte, wollen wissen, dass Hoffman noch 1200 Dollar aus dem Geldautomaten geholt haben soll.

Hohe Zuwachsrate

Doch hinter dem Einzelschicksal Hoffmans steckt noch eine weitere Geschichte. Die des Heroins: Eigentlich längst überwunden geglaubt, findet das halbsynthetische Opioid den Weg zurück in die breite Gesellschaft. Die Zahl der Heroinkonsumenten in den USA hat sich seit 2007 beinahe verdoppelt, die Zahl stieg von 373'000 auf 669'000, berichtet die amerikanische Drogenbehörde SAMHSA. Von ihnen gelten 467'000 als abhängig - fast doppelt so viele wie noch im Jahr 2002.

In New York kann man sich die Droge praktisch an jeder Strassenecke besorgen, erzählen Drogenexperten, Kurierdienste bringen das Gift gar an die Haustür. In Boston wurde kürzlich eine McDonalds-Mitarbeiterin verhaftet, weil sie zum Happy Meal am Drive-in-Schalter unter dem Decknamen «Spielzeug» Heroin verkaufte.

Doch nicht nur die Zunahme der Konsumenten beschäftigt die Drogenexperten, auch die damit verbundenen Todesfälle beunruhigen: Die Zahl der tödlichen Überdosen hat ebenso stark zugenommen, vor allem im Nordosten des Landes. Die Behörden beobachten eine auffällige Zunahme an Todesfällen von Philadelphia über Baltimore nach Pittsburgh. So starben in Philadelphia 251 Junkies im Jahr 2011 an einer Überdosis Heroin, 2010 waren es noch 138. Die Droge ist noch gefährlicher, seit ihr das Schmerzmittel Fentanyl untergemischt wird.

«So pur, so billig»

«Heroin hat den Nordosten im Griff», sagt James Hund von der Drogenfahndungsbehörde (DEA) gegenüber Bloomberg. Einerseits sei es so pur, dass es sofort süchtig mache, andererseits dermassen billig, dass es sich alle Gesellschaftsschichten leisten können. Zehn Dollar kostet das Tütchen auf der Strasse. Die DEA führt den tiefen Preis auf die steigende Produktion aus Mexiko zurück. So haben die Drogenpolizisten an der Grenze zu Mexiko im Jahr 2012 1855 Kilo Heroin beschlagnahmt – das ist eine Zunahme von 232 Prozent im Vergleich zu 2008.

Zentrum des erneuten Heroin-Booms ist New York. Die Zahl der tödlichen Heroinüberdosen stieg zwischen 2010 und 2012 um 84 Prozent auf 283. Polizeirazzien gehören zur Tagesordnung, so hob das DEA letzte Woche eine Heroinmanufaktur aus: In der Drogenküche beschlagnahmten die Fahnder 13 Kilo Heroin im Wert von acht Millionen Dollar.

Hunderttausende Tütchen waren mit Namen wie «iPhone» oder «Government Shutdown» beschriftet und für Dealer im gesamten Nordosten der USA vorgesehen. Der Fund zeige deutlich, wie lukrativ das Geschäft geworden sei, sagt Bridget Brennan, New Yorks Drogen-Sonderbeauftragte gegenüber ABC News. «Eine Beschlagnahmung dieser Grösse sollte allen die Augen öffnen über das Ausmass des Heroinproblems, mit dem wir konfrontiert sind.»

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