Blutwurstrassismus

Horst Seehofer wird kritisiert, weil die an der Islamkonferenz servierten Blutwürste den deutschen Kulturrassismus aufzeigen würden. Diese abstruse Debatte lenkt jedoch von den richtigen Problemen ab.

Horst Seehofer brachte Menschen zusammen, die den Islam unterschiedlich interpretieren.

Horst Seehofer brachte Menschen zusammen, die den Islam unterschiedlich interpretieren.

(Bild: Keystone)

Es war ein wunderbares, ja opulentes Buffet, das die Veranstalter der Deutschen Islamkonferenz in Berlin ihren Besuchern offerierten. 13 verschiedene Speisen wurden angeboten, Vegetarisches und Fleischiges, einiges davon halal, anderes nicht. Unter anderem gab es auch Blutwurst, was durchaus ungewöhnlich sein mag, mehr aber nicht. Wichtig war ja der Anlass, an dem Muslime diskutierten, wie sie zu ihrer Religion stehen und wie dies in Deutschland vereinbar ist, vereinbar sein muss. Erstmals hatte Innenminister Horst Seehofer nicht nur konservative Verbände eingeladen, sondern auch Kritiker wie Seyran Ates, Ahmed Mansour und Hamed Abdel-Samad, die sich für einen säkularen Islam aussprechen.

Seehofer gebührt dafür Lob. Nach seiner Aussage, dass «der Islam nicht zu Deutschland gehört», die zwar eindeutig einen Punkt getroffen, aber noch viel mehr Hysterie und Rassismus-Vorwürfe ausgelöst hat, ist ihm der «Islam für Deutschland» immer noch ein Bedürfnis. Dass er nun wiederum mit Diskriminierungsvorwürfen konfrontiert ist: Es ist ein beängstigendes Zeichen.

Der Vorwurf, die Blutwürste zeigten den klassischen deutschen Kulturrassismus auf, ist schon ziemlich dreist. Dabei tat Seehofer das Richtige: Er brachte Menschen zusammen, die den Islam unterschiedlich interpretieren, entfachte eine wertvolle Debatte. Daran gibt es nichts auszusetzen.

Blutwürste lenken von wahren Problemen ab

Aber Seehofer in der Rolle des Vermittlers? Das passt vielen nicht in ihr Weltbild. Dass sich vor Ort kein Teilnehmer, auch kein muslimischer, beschwert hatte, wird galant übersehen. Die Blutwürste müssen jetzt einfach als Schande herhalten. Um von den wahren Problemen abzulenken? Die gibt es nämlich.

Und während sich die Vernünftigen nun bemühen, die Unvernünftigen zu besänftigen («Essen und essen lassen»), bleibt der wahre Skandal im Verborgenen: Es wird kaum erwähnt, dass Ates oder Abdel-Samad nur mit Leibwächtern teilnehmen konnten, weil sie von Glaubensgenossen wegen ihrer Überzeugungen bedroht werden. Dass von diesen wohl mehr Gefahr ausgeht als von ein bisschen Schweinefleisch, ist kein Thema. Das wäre ja auch diskriminierend. Also wird lieber der Blutwurstrassismus erfunden. Das ist abstrus, lächerlich. Zum Lachen ist es nicht: Für viele Säkulare ist diese naive Haltung brandgefährlich.

Basler Zeitung

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