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Aus der Begegnungszone

Wie der Dackel des Autors von einer Amerikanerin getreten und er deshalb fast verhaftet wurde und warum er Basel trotzdem liebt.

Der Rheinweg ist Begegnungszone - auch für Hunde.
Der Rheinweg ist Begegnungszone - auch für Hunde.

Seit geraumer Zeit schwimmen mein Dackel und ich im Rhein. Wobei, «schwimmen» ist vielleicht nicht ganz richtig. ICH schwimme und der Dackel sitzt auf meinem Rücken. Zur Sicherheit trägt er dabei eine Schwimmweste. Eine Hundeschwimmweste. Und bei dieser ist als kleines Supplement noch eine Haifischflosse am Rücken angebracht.

Gesetzt den Fall, er würde schwimmen, also alleine und mit dieser Weste, dann würde man nur einen Dackelkopf und eine Haifischflosse sehen und alle Rheinschwimmer hätten Angst. So jedoch nicht. Natürlich rufen alle «Schau, ein Haifisch»! Hahaha.

Dies ist meinem Haifisch aber egal. Er sitzt stolz wie ein Spanier auf meinem Rücken, schnüffelt die ganze Zeit neben meinem Ohr und behält die Schwäne im Auge, die wiederum fauchen, was das Zeug hält.

Ein glubschäugiger «Bouledogue français»

Als Landestelle nehmen wir eine der Treppen bei der Berme. Kurz vor dem Ziel werfe ich den Dackel ab und er schwimmt flink wie ein Otter zum Ufer. Dort schüttelt er sich, bekommt eine Belohnung, ich ziehe ihm die Schwimmweste aus und er schüttelt sich gleich noch mal. Spätestens dann sind alle Treppenstufenhocker nass. Danach springt der Dackel freudig die Treppe hoch.

An dieser Stelle an alle Leserbriefschreiberinnen: Ja, das ist verboten und kostet 100 Franken Busse. Hunde dürfen da nicht runter, auch Dackel nicht. Nun ist der Rheinweg aber eine Begegnungszone – letztlich auch für Hunde. Und so hat mein Dackel, oben angekommen, seine Begegnung der besonderen Art mit einer glubschäugigen «Bouledogue français» – und er ist so frei, ihr am Allerwertesten zu schnüffeln. Darauf tritt ihn eine beherzte Dame mit spitzem Schuh und Vorsatz. Sie wähnt sich unbeobachtet.

«Dies geht nun aber gar nicht», interveniere ich. Darauf – die Konversation findet nun in Englisch statt – entgegnet die Dame, dass sie sich verbitte, dass so ein streunender Bastard ihre französische Edelzucht besteige, ansonsten würde sie gleich noch mal «Dackeltreten». Gut, ich bin jetzt nicht sonderlich stolz auf meine Entgegnung, sie kontert aber in verblüffender Weise, ich hätte ausserdem ein widerliches Parfum und sei Raucher. Spätestens jetzt ist klar: die Frau ist Amerikanerin!

Die Gesetze des christlichen Abendlandes

Auf jeden Fall gibt ein Wort das andere und auf meine Bitte, sie möge doch dahin zurückkehren, wo der Pfeffer wächst, entgegnet sie, im Gegenteil, sie werde jetzt die Polizei holen. Ich denke fieberhaft nach. Tatbestand: Rauchen, schweres Parfum – ein Delikt? Es lässt sich sicherlich was finden.

Nun kommt Frank von Kleisterbach hinzu, Hundebesitzer und Freund. Und der mag es überhaupt nicht, wenn Hunde getreten werden und sagt ihr, sie soll hier mal nicht so eine dicke Lippe riskieren. Ich sage «Frank, die versteht dich nicht, musst englisch sprechen», darauf «translatet» er das Ganze. Und plötzlich ist so ein Ehegatte der US-Dame zur Stelle und zückt sein Handy und filmt. Gattin tut es ihm gleich, während ihnen Frank die Gesetze des christlichen Abendlandes notabene auf Englisch erklärt. Die Handys kommen näher und wollen das Ganze in Grossaufnahme festhalten: Frank, mich und den kriminellen Dackel. Dann laufen sie davon und suchen einen Officer.

Ich setze mich derweil mit dem Dackel in meine Begegnungszone und wir warten beide auf die anstehende Verhaftung. Und ich denke so bei mir: Doch, ich lebe gerne hier.

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