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Anleitung zum Hassen

Auf Hasserfüllte reagieren wir hasserfüllt. Das ist verständlich, greift aber zu kurz.

Im Kopf bleibt uns der Islam als rückständige Religion: Touristen in Interlaken. Foto: Keystone
Im Kopf bleibt uns der Islam als rückständige Religion: Touristen in Interlaken. Foto: Keystone

Also hat es auch ihnen ausgehängt. Endlich, möchte man sagen. Wie ein Sprecher der Bieler Ar’Rahman-Moschee dieser Zeitung am Donnerstag sagte, hat der Trägerverein den libyschen Hassprediger Abu Ramadan als Imam abgesetzt. Er habe sich der Moschee als Prediger regelrecht aufgedrängt, hiess es weiter, und er habe die Gemeinde in Befürworter und Gegner gespalten. Vor einer Woche hatte die «SonntagsZeitung» publik gemacht, dass der Libyer weiter gegen angebliche Ungläubige polemisiere.

Abu Ramadan, gegen den ein Strafverfahren läuft wegen Verdachts auf Sozialhilfemissbrauch, war wiederholt als Hassprediger aufgefallen. Das hinderte ihn nicht daran, gegen die Baselbieter CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter Klage einzureichen. Diese hatte ihn in einem Tweet als Brunnenvergifter bezeichnet und seine Ausschaffung gefordert.

Eine simple Internetsuche hätte ihr gezeigt, wie daneben sie mit ihrer Zuschreibung lag. Denn als Brunnenvergifter wurden im Mittelalter Juden beschuldigt, denen man die Verantwortung für den Ausbruch der Pest gab, es kam zu Pogromen und Verbrennungen in ganz Europa. Dass Ramadan auch gegen Juden gehetzt hat, macht den Vorwurf der CVP-Politikerin noch absurder. Dass er seinerseits gegen sie klagt, bestätigt sein eigensinniges Rechtsverständnis.

Einer Minderjährigen wegen einer Dummheit mit dem Tod zu drohen, ist eine komplette Überreaktion.

Auch wenn man die Inkompetenz der Politikerin missbilligt, kann man ihren Zorn verstehen. Wie kann es sein, dass ein systematischer Hetzer noch immer in der Schweiz leben darf, obwohl ihm der Asylstatus aberkannt wurde? Wie kann ein Gast gegen das Land polemisieren, das ihn vor über 20 Jahren als Flüchtling aufnahm?

Wie zur Bestätigung wurde diese Woche ein Fall in Frankreich bekannt, der anders liegt, aber dieselben Reflexe auslöst. Eine 16-jährige Schülerin hat über Instagram den Islam pauschal und in groben Worten verurteilt. Sie tat das dermassen heftig, dass man verstehen kann, wenn Muslime sich verletzt fühlten.

Dass die junge Frau daraufhin mit Morddrohungen konfrontiert wurde und aus Sicherheitsgründen untertauchen musste, versteht man dafür nicht. Frankreich legt auf die Trennung von Kirche und Staat grossen Wert – eine Errungenschaft der Französischen Revolution. Einer Minderjährigen wegen einer Dummheit mit dem Tod zu drohen, ist nicht nur eine komplette Überreaktion; es ist auch indiskutabel für Leute, die in einem Rechtsstaat leben.

Das Problem schlechter Nachrichten liegt darin, dass sie so häufig überbracht werden.

Man hätte in dieser Woche weitere Beispiele finden können, die zuungunsten von Muslimen ausfallen. Viele weitere Beispiele. Was uns von den Morddrohenden aus Frankreich, dem Hassprediger aus Biel und all den anderen Vorfällen im Kopf bleibt: dass der Islam eine rückständige Religion bleibt; dass manche seiner selbst ernannten Vertreter Hass predigen und Andersgläubigen den Tod wünschen; dass sie unsere Verfassung missachten und nicht daran denken, sich zu integrieren.

Das Problem schlechter Nachrichten liegt nicht darin, dass sie falsch sind, sondern dass sie so häufig überbracht und wahrgenommen werden. Dabei stehen die geschilderten Taten in keinem Verhältnis zum Verhalten der allermeisten Muslime in der Schweiz. Diese wollen mit einem wie Abu Ramadan nichts zu tun haben, sie leben gerne hier und kommen mit anderen gut aus. Das Problem guter Nachrichten liegt nicht daran, dass sie falsch sind. Sondern dass sie niemanden interessieren.

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