Adieu, meine Lieben

Nach sieben Jahren beendet Tamara Wernli ihre Kolumne bei der Basler Zeitung. Ab Januar schreibt sie für die Weltwoche.

Tamara Wernli ist auf verschiedenen Social-Media-Plattformen vertreten.

Tamara Wernli ist auf verschiedenen Social-Media-Plattformen vertreten.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Wernlianer (für Insider), dies ist meine letzte «Tamaras Welt»-Kolumne bei der Basler Zeitung. Nach sieben Jahren beende ich meine Rubrik. Anhänger der political correctness dürfen sich freuen, übermotivierte Feministen auch, aber nicht zu sehr, denn mein Gekritzel wird nicht verschwinden, nur dislozieren.

Schreiben fällt mir ja nicht leicht. Ich gehöre zu jenen, die für einen einzigen Satz manchmal so lange brauchen, wie andere für ein ganzes Buch. Mir wird (nebst einer Plusquamperfektschwäche) nachgesagt, dass bei den 60 000 Gedanken, die ein Mensch am Tag hat, bei mir etwa die Hälfte um Schuhe und Haar kreisen. Das kann das Schreiben zur geistigen Anstrengung machen.

Das Problem ist mein Mitteilungsbedürfnis. Es ist mir psychologisch unmöglich, über eine Sache in Wallung zu geraten, und es für mich zu behalten. Und was rege ich mich zuweilen auf – Sie kennen meinen ausschweifenden Umgang mit Feminismus. Meine besten Texte schreibe ich, wenn ich wütend bin. Insofern dient mir Schreiben als Ventil zwecks Überwindung unsachlicher Gefühlsausbrüche, gleichzeitig aber auch als Verstärker des Selbstbewusstseins – auch dank Ihrer unzähligen wunderbaren Rückmeldungen während all der Jahre. Die Kolumne hat mich stärker gemacht, unabhängiger. Nicht nur meine Texte, auch meine Person, haben durch das Schreiben an Reife gewonnen.

Ab Januar bei der Weltwoche

Viel zu meiner schreibtechnischen Entwicklung beigetragen hat Markus Somm. Er hatte (hat? Vorvergangenheit?) sich damals erbarmt und mich für den Klatsch zur BaZ geholt, nicht, weil ich schreiben konnte, ich konnte es eigentlich nicht, sondern weil ich polarisierte. Zur Erinnerung: Meine TV-Shows mit den Yakins und so. Markus mag polarisierende Menschen. Bei uns hats gleich gepasst. Er ermunterte mich stets, mehr zu schreiben, stand hinter mir, als ich einmal einen Fehler machte. Und später lernte ich tatsächlich, wie man eine Meinungskolumne anständig füllt – was mir jetzt sogar eine Nomination zur «Gesellschaftsjournalistin des Jahres 2018» eingebrockt hat (es gibt kaum eine Branche, die sich selbst so gerne auszeichnet wie die Medienbranche).

Werde ich als schreibende Frau, und speziell als Tamara in Basel, strenger beurteilt? Ich glaube, ja. Fühle ich mich deswegen schlechter behandelt? Als Opfer von männlicher Dominanz in der Branche oder als Opfer von lokaler Feindseligkeit? Selbstverständlich nicht. Im Gegenteil, die strengere Beurteilung spornt mich zu besserer Leistung an. Und die hat mich als Autorin und Referentin zu Gesellschaftsthemen bis nach Deutschland gebracht. Ab Januar werde ich dann auch auf nationaler Ebene einige neue Wangen vor Empörung zum Glühen bringen, wenn ich meine Meinung – solange eine Meinung noch erlaubt ist – zu Feminismus, Meinungsfreiheit und Gender-Irrsinn als Kolumnistin bei der Weltwoche ausbreite. Ich freue mich riesig.

Wenn Sie jetzt ein Gefühl des Verlassenwerdens packt, dann folgen Sie mir einfach an meiner neuen Basis, der Weltwoche (dort auch online), schauen Sie bei meinem Youtube-Kanal vorbei (man sagt, ich sei da noch witzig), gucken Sie meine Bildchen bei Instagram an (selbstgemachte Tacos!) oder lesen Sie meine Tweets. Ich biete ein Rundumpaket an Social-Media-Unterhaltung, Kim Kardashian würde vor Neid erblassen.

Ich bedanke mich bei Ihnen allen fürs Lesen, Aushalten und auch gelegentliches Widersprechen. Von Herzen, Ihre Tamara.

Basler Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt