Praktizierte Heuchelei

Der Tabakkonzern Philip Morris hat eine Stiftung gegründet mit dem Zweck, die Welt rauchfrei zu machen. Ist dieses Verhalten schizophren?

Der Tabakkonzern, Philip Morris, beklagt generell die Tatsache, dass angeblich «weltweit pro Jahr über sieben Millionen Raucher» am Rauchen zugrunde gehen.

Der Tabakkonzern, Philip Morris, beklagt generell die Tatsache, dass angeblich «weltweit pro Jahr über sieben Millionen Raucher» am Rauchen zugrunde gehen.

(Bild: Keystone)

Der Tabakkonzern Philip Morris, so konnten wir vor einiger Zeit in der BaZ lesen, hat eine Stiftung gegründet. Dies scheint verdienstvoll. Zumal Stiftungen nicht nur in der Absicht errichtet werden, Steuern zu sparen, sondern oft auch mit dem löblichen Ziel, der Menschheit Gutes zu bescheren.

In dieser Hinsicht gleicht Philip Morris ein bisschen dem wohlhabenden Basler Patrizier Christoph Merian. Dessen Vermögen, das die Stadt Basel erben durfte, floss nach Merians Tod im 19. Jahrhundert in eine Stiftung, die heute noch dank reichlich sprudelnder Zinsen zahlreiche Projekte im Dienste des Allgemeinwohls zu finanzieren vermag.

Philip Morris hat also eine Stiftung gegründet. Jetzt sind Sie natürlich neugierig zu erfahren, welche Absichten Philip Morris mit dieser Stiftung verfolgt. Vielleicht werden Sie nun beim Weiterlesen einen irritierenden Hustenreiz, ein kratzendes Gefühl im Rachen verspüren, wie beim Inhalieren einer Marlboro: Die Stiftung hat nämlich den Zweck, die Welt rauchfrei zu machen.

Verblüffendes Verhalten

Ja, Sie lesen richtig: «Der Zweck der Stiftung für eine rauchfreie Welt ist es, weltweit die Gesundheit der Menschen dadurch zu verbessern, dass die heutige Generation mit Rauchen aufhört», steht auf der Homepage der Stiftung.

Philip Morris bedauert dabei nicht nur den Tod ihres Marlboro-Mannes, der einst mit dem Glimmstängel im Mundwinkel über die Prärie ritt; der Konzern beklagt auch generell die Tatsache, dass angeblich «weltweit pro Jahr über sieben Millionen Raucher» am Rauchen zugrunde gehen.

Der Zigarettenfabrikant bekämpft mit seiner neuen Stiftung den Zigarettenkonsum – also seine eigene Geschäftsgrundlage. Ist dieses Verhalten schizophren? Auf jeden Fall ist es verblüffend. Und auch ein bisschen beängstigend.

Metzger warnt vor der Wurst

Wenn das Beispiel Schule machen sollte, gehen wir schönen Zeiten entgegen. Die Metzgerei Bell könnte an ihren Theken, hinter denen rosige Filets und zarte Kalbsschnitzel liegen, vor jeder Art von Fleischkonsum warnen. «Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei» stünde dann auf einem Schild, welches den Abschied vom carnivoren Dasein propagiert und die Segnungen des veganen Lebens preist.

Die Swiss könnte auf die Idee kommen, jedem Kunden, der auf eine Flugreise verzichtet, als Dank für das eingesparte CO2 ein Generalabonnement der Schweizerischen Bundesbahnen zu schenken. Die SBB wiederum könnten ihr Schienennetz halbieren und aus dem Stunden- einen Halbtages-Takt machen, weil ihre Gleise ja die Landschaft verschandeln und der Lärm der ratternden Züge die Menschen krank macht. «Der Kluge fährt seltener im Zuge» heisst die dazugehörige Werbekampagne.

Gratis Winter-Veloreifen

Dieselbe Absicht könnte die Vereinigung der Schweizer Automobil-Importeure hegen. Ihre Stiftung «Freiheit ist autofrei» hilft zudem Familien bei der Anschaffung von Cargo-Fahrrädern, gratis gibts einen Satz Winter-Veloreifen dazu.

Dass Philip Morris eine Stiftung für eine rauchfreie Welt gegründet hat, ist kein Witz. Dass das Unternehmen auch eine Stiftung für eine Welt ohne Heuchelei plant, bleibt vorerst allerdings nur ein Gerücht.

Basler Zeitung

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