Nur schwache Männer essen Fleisch

Um Klima und Gesellschaft zu retten, müssen Männer vegan leben und Schulen Völkerball verbieten. Letzteres gilt als «legalisiertes Mobbing». Über den grünen Verbotsfuror im Wahlkampfjahr.

Rücksichtslose Touristen helfen mit bei der Klimazerstörung vor dem Berner Bundeshaus.

Rücksichtslose Touristen helfen mit bei der Klimazerstörung vor dem Berner Bundeshaus.

(Bild: Keystone / Peter Klaunzer)

Roland Stark

Aus den Dunkelkammern der Wissenschaft dringen immer wieder merkwürdige Erkenntnisse ans Tageslicht. Die Forderung einer deutschen Soziologin nach gleichen Kleidern für Mann und Frau («Kartoffelsäcke») wurde schon kommentiert.

Mit ähnlich absurden Beispielen lässt sich locker jedes Spätsommerloch füllen. Michael Rosenberger, ein fränkischer Moraltheologe und Professor an der Katholischen Privat-Universität Linz (A), hat endlich eine Erklärung für die männliche Schwäche für Fleisch gefunden. Ihr Verhaltensmuster stamme aus der Antike. «Sie wollen wie die germanischen Götter beweisen, dass sie stark und mächtig sind, indem sie beim Fleischverzehr ganz vorne dabei sind.» Mit moralischen Appellen sei dieser Un­sitte nicht beizukommen. Stattdessen «müssen wir Rollenbilder hinter­fragen: Kann ein starker, gestandener Mann vegetarisch oder fleischarm leben?»

Völkerball ist ein Mittel der «Unterdrückung»

In der Warteschlange an einem vom grünen Verbotsfuror bedrohten Grillstand habe ich bestimmt genügend Zeit, über diese Grundsatzfrage nachzudenken und mit anderen Männern – und Frauen – Erfahrungen auszutauschen. Immerhin weiss ich jetzt, dass meine Liebe zur senffreien St. Galler Bratwurst nicht auf die Eltern, sondern auf den Göttervater Odin und seine Gemahlin Frigg ­zurückzuführen ist. Nun setzt eine brandaktuelle Untersuchung auch noch meine Verdienste als Turnlehrer (politisch korrekt: Turnkraft/Turn­person) ins Zwielicht. Joy Butler, Pädagogikprofessorin an der University of British Columbia, bezeichnet «Dodgeball», die amerikanische Variante unseres Völkerballs, als «legalisiertes Mobbing» und Mittel der «Unterdrückung».

Statt als «Lehrperson» den Kindern und Jugendlichen beizubringen, Aggressionen zu kontrollieren, habe ich mit Völkerball ihre Gewaltbereitschaft gefördert. Die Schwachen und Langsamen sind in diesem brutalen Spiel den Starken und Flinken ­hoffnungslos unterlegen. Völkerball vermittle die Botschaft, lerne ich beschämt bei der klugen Feministin, «dass es okay ist, den anderen zu verletzen und zu entmenschlichen». Selbstverständlich gibt es in den USA bereits Schulen, die das Spiel, im Gegensatz zu Schusswaffen, aus dem Unterricht verbannt haben.

Bei mir sind die psychischen Verletzungen, die ich bei Völkerball oder auch Brennball erleiden musste, recht gut verheilt. Gequält wurde ich ­ohnehin eher beim Stangenklettern, bei Liegestütz oder beim Sprung vom 10-Meter-Brett in den Bodensee. Für die Forschung und die Basler Politik gibt es noch viel zu tun. Heraus­gefordert sind die Pädagogische Hochschule, das Sportamt, das ­Gleichstellungsbüro und vor allem sendungsbewusste Grossrätinnen im Wahlkampfmodus.

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