«Flüchtlinge» oder «Geflüchtete»?

Viele Begriffe die früher als anständig galten, sind heute verpönt und gelten schlichtweg als Tabu. Sie werden von neuen passenderen Worten ersetzt.

Das Wort «Flüchtling» steht ebenfalls unter Beschuss.

Das Wort «Flüchtling» steht ebenfalls unter Beschuss.

(Bild: Keystone)

Es gibt Worte, die sind aus der Mode gekommen, unpässlich geworden oder gelten schlicht als Tabu. Während «Weib» früher eine anständige Bezeichnung für «Frau» war, hat der Begriff heute einen stark abwertenden Charakter. Auch von «Fräulein» sprechen heute höchstens noch alte Herrschaften, die sich oft nicht bewusst sind, wie verpönt dieser Ausdruck inzwischen ist.

An die Stelle von Begriffen, die nicht mehr gehen, treten oft neue, die als korrekt gelten. So spricht heute kaum mehr jemand von «Eskimos», stattdessen heisst es «Inuits». Die «Zigeuner» sind durch «Fahrende» abgelöst worden, oder noch korrekter, durch «MEM» («mobile ethnische Minderheiten»).

Es scheint nun, dass sich gerade eine weitere Begriffsverschiebung vollzieht. Je länger, je mehr ist von «Geflüchteten» statt von «Flüchtlingen» zu hören und zu lesen. So waren an der Kaserne Basel etwa «Geschichten von Geflüchteten» zu hören, oder SRF berichtete von einer Schweizerin, die in Malaysia «Selbsthilfegruppen für Geflüchtete» betreut. Wird «Flüchtling» zum nächsten Unwort? Das Wort sei «angeklagt», stellt die deutsche Menschenrechtsorganisation Pro Asyl fest. «Der Vorwurf lautet: Das Wort habe eine bedenkliche Wortstruktur, deren Endung -ling sich in vorwiegend negativ konnotierten Wörtern (Fiesling, Schreiberling) wiederfinde.»

Allerdings, so verteidigt Pro Asyl die Bezeichnung «Flüchtling», gebe es auch positiv besetzte Begriffe wie «Liebling» oder «Schmetterling». Auch die Schweizerische Flüchtlingshilfe nennt sich bis jetzt nicht Schweizerische Geflüchtetenhilfe.

Sollte der Begriff «Flüchtling» dennoch abgelöst werden, so stellt sich die Frage, ob die Alternative nicht «Geflohene» statt «Geflüchtete» heissen müsste. «Flüchten» bedeutet gemäss Duden zwar, «sich einer drohenden Gefahr durch Flucht entziehen», «fliehen» aber, «sich eilig entfernen, um sich vor einer Gefahr in Sicherheit zu bringen». Also in etwa das Gleiche. Für Diskussionsstoff, was künftig die korrekte Wortwahl ist, wäre also gesorgt.

Basler Zeitung

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