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Reise zu den verschwundenen Basler Beizen

Im Café Tropic in der Steinenvorstadt krochen unter den Tischplatten aus Glas Spinnen, Schlangen und Echsen.

Zwischen Fischmarkt und Schifflände hat nur ein Restaurant überlebt – der Stadtkeller.
Zwischen Fischmarkt und Schifflände hat nur ein Restaurant überlebt – der Stadtkeller.

Heute machen wir uns auf zu einer Zeitreise, eine Reise zu den verschwundenen Basler Beizen – und beginnen mit der wohl kuriosesten Beiz, die je die Gäste in dieser Stadt bewirtet hat: das Café Tropic in der Steinenvorstadt. Unter den Tischplatten aus Glas kreuchte und fleuchte es: Spinnen, Schlangen und Echsen wanden sich unter dem Coci-Fläschli, der Gang zur Toilette bis zur Decke voll mit Terrarien, das gesamte Interieur halt so, wie man sich in den 50er-Jahren Afrika vorgestellt hatte.

Heute wäre das undenkbar, die Tierschützer würden aufheulen, gleich aufheulen wie ob des lebendig-lethargischen Alligators, der zur selben Zeit im Atlantis durch die Glasfront zu bestaunen war. Später öffnete an derselben Stelle das Café Gleich, das erste vegetarische Restaurant der Stadt – damals fast so exotisch.

Ecke Steinenvorstadt/Steinenberg, wo heute Puppen aus den Fenstern starren, da haben ganze Jahrgänge von Jungen ihren ersten Becher (80 Rappen zu meiner Zeit) gestemmt: Die Alte Bayrische Bierhalle, eine riesengrosse, zweistöckige Kneipe, wo es die besten Frikadellen zum Bier gab (oder waren das damals schon die ersten Hamburger in der Stadt?).

Es roch nach «böse Lämpe»

Schräg gegenüber, wo heute die Hamburger vom Fliessband kommen, liess der DJ James Brown durch die Farnsburg dröhnen: Freddy – klein, dicklich mit schwarzen, nach hinten gekämmten, fettigen (oder war es Brillantine?) Haaren. Rocker und Knastis (kumulierte 2000 Jahre Knast sassen da gefühlt jeden Abend drin) stierten in ihr Grosses und warteten nur darauf, das einer ein falsches Wort sagte. Es roch nach Rauch, Alkohol, Schweiss und «böse Lämpe». Nur ein paar Schritte weiter Basels Drogenhölle Nummer 1, das Balance, zum Schluss kein Ort mehr zum Verweilen. Da wars Jahre zuvor in der Farnsburg fast schon heimelig gewesen.

Zwischen Fischmarkt und Schifflände hat nur ein Restaurant überlebt – der Stadtkeller. Alle anderen haben im Laufe der Jahre dichtgemacht. Der Helm, wo mein Vater seine Kochlehre gemacht hatte, die Börse mit ihren grossen Sälen im ersten Stock, der Storchen, den meine Eltern zehn Jahre geführt hatten – in den 50er-Jahren, so hat man mir erzählt, war der Storchen eines der beliebtesten Tanzlokale in der Stadt.

Alles Traditionslokale, in denen gutbürgerlich gekocht wurde, wo Vereine und Cliquen ihren Stamm hatten, wo immer die Jassteppiche bereitlagen. Fast vergessen: das Aeschentörli, die Büezerbeiz schlechthin, wo schon morgens um 6 die Schnapsgläser in Reih und Glied standen. Alles ohne Gewähr und – Fortsetzung folgt.

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